100 Jahre: Bambergs ältester Priester tot

Nikolaus Krefft wurde inmitten des Ersten Weltkriegs, 1916, in Groß-Sibsau im früheren Ostpreußen geboren. Der Krieg bestimmte sein Leben. Durch den Ersten Weltkrieg verlor er seine beiden Eltern, wegen des Zweiten musste er seine Ausbildung unterbrechen, zehn Jahre lang durch die Länder ziehen um schließlich in Kriegsgefangenschaft zu landen. Zurück in Deutschland wurde Krefft im Alter von 35 Jahren in Bamberg zum Priester geweiht. Als Kaplan verschlug es ihn erst nach Windheim, später nach Bamberg und schließlich nach Nürnberg. 1964 übernahm Krefft die Pfarrstelle in Schönfeld, wenig später wurde er auch Pfarrer von Freienfels und Obernsees.

Noch mit 97 Jahren war Krefft als Pfarrer tätig, leitete bis zu drei Gottesdienste jeden Sonntag. Mit Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2014 zog Krefft in ein Hollfelder Seniorenheim. Im vergangenen Jahr feierte Krefft im Seniorenheim sein 65. Priesterweihejubiläum.

Schon früher bezeichnete Ludwig Schick Krefft als ein Vorbild und „einen Streiter Gottes, trotz schwerer Jugend“. Jetzt würdigt der Erzbischof, der den Hollfelder Ehrenbürger noch vor wenigen Tagen in seinem letzten Zuhause besucht habe, Kreffts Wirken als Mensch, Christ und Priester.

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Groß Sibsau liegt an der Weichsel, nordwestlich von Graudenz und befindet sich im ehemaligen Westpreußen und nicht Ostpreußen.

Seine Eltern verlor er mit seinen Schwestern und seinem Onkel Dekan Franciszek Szynkowski am 10.03.1945 also am Ende des zweiten Weltkrieges und nicht im ersten Weltkrieg. Dabei wurden seine Eltern, seine Schwestern und sein Onkel Dekan Szynkowski im Pfarrhaus von Lauenburg, dem heutigen Lebork von den Russen grausam ermordet.

Hier ein Auszug aus der Fels 4215 34. Jahr Nr. 12 Dezember 2003

"Im Februar 1945 wurde Dekan Franz Szynkowski (1879 - 1945) mit seiner gelähmten Schwester, ihrem Mann und zwei Töchtern von der deutschen Wehrmacht aus Damsdorf
zwangsevakuiert. Nach mehreren Tagen fanden die Flüchtlinge in Lauenburg in Pommern Unterschlupf in einem Pfarrhof. In der Nacht vor dem Einmarsch der Roten Armee feierten die Priester dieses Flüchtlingszuges in einem Keller ihr letztes heiliges Messopfer. Dabei herrschte Katakombenstimmung. Alle Gläubigen gingen zur Kommunion. Am Nachmittag
kamen die ersten Sowjetrussen auf den Hof. Sie verlangten Pferde. Doch Pferde gab es nicht mehr. Unter Todesdrohungen und Warnschüssen stellten die Soldaten neue Forderungen, welche die armen Flüchtlinge natürlich nicht erfüllen konnten. Da machten sich die Soldaten an die Mädchen im Haus heran. „Bist du Deutsche?“, fragten sie eine Nichte von Dekan Szynkowski. Diese konnte auf polnisch antworten: „Nein, ich bin Polin!“ Ihre Schutzbehauptung half ihr nicht lange. Die Mädchen flohen in das Zimmer, in dem sich der Dekan, seine Angehörigen und weitere Frauen und Kinder aus der Pfarrei des Dekans aufhielten.Die Mädchen versuchten, sich hinter den Anwesenden zu verstecken.
Eine Nichte des Dekans kniete vor dem Bett der gelähmten Mutter nieder. Sie wurde mit Gewehrkolben und Fußtritten weggetrieben. Sie rief zitternd: „Ich gehe nicht mit euch. Ich gehe zu meinem Gott.“ Ein anderes Mädchen hielt sich am Tisch fest, als es an den Kleidern fortgezerrt wurde. Der Vater flehte vergeblich für seine Töchter. Schließlich sprang Dekan Szynkowski mutig dazwischen und schrie einen Soldaten an: „Du Satan, lass die Mädchen in Ruh!“ Darauf bekam er Schläge mit dem Gewehrkolben. Die Anwesenden beteten laut, und der Dekan segnete sie. Dann wurden einige Frauen mit Kleinkindern hinausgeschickt und die zurückgehaltenen Priester, Szynkowski und König, zusammen mit den Anwesenden erschossen. Unter den sieben Toten waren auch die beiden Nichten
des Dekans mit ihren Eltern. Erst zwei Wochen später schickte eine russische Kommandostelle eine Gruppe von deutschen Zivilgefangenen, um die sieben Toten dieses Zimmers und die Leiche eines sechzehnjährigen Mädchens aus einem anderen Zimmer in einem Massengrab im Pfarrgarten zu beerdigen. Der Priester Szynkowski hat sein Leben in die Waagschale geworfen für das, was er immer gepredigt hatte: Die Menschenwürde, die von der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott kommt. Vordergründig siegten zwar Mordlust und Gier über wehrlose Menschen. Das Leben konnten ihnen die Täter zwar nehmen, ihre Würde aber nicht. Das mag den Schmerz über ihren grausamen Tod
verklären, denn sie bleiben Zeugen einer besseren Welt, während die Täter Zeugen ihrer Schuld, ihres Unglücks und des Unglücks vieler Menschen sind. Im Unterschied zu Nichtglaubenden wissen Christen: „Gott wird den Gerechten und den Frevler richten, denn jedes Tun hat seine Zeit!“ (Pred. 3,17) von Eduard Werner"

So starben die Eltern und die Schwestern von Pfarrer Nikolaus Krefft.