Zwischenbilanz Fünf Fragen an die Bezirksliga-Trainer

Spieler mit Killerinstinkt: Daniel Heißenstein, den Torjäger des TSV Mistelbach, hätte auch der Saaser Trainer Jörg Pötzinger gerne in seinem Kader. Foto: Peter Kolb

FUßBALL. Nur vier Punkte trennen Platz eins von Platz sechs – so groß die Zahl der Aufstiegsaspiranten in der Bezirksliga Ost ist, so interessant ist diese Spielklasse auch – vor allem für die Bayreuther Mannschaften. Sechs Teams aus der Region spielen mehr oder minder tragende Rollen. Dass beispielsweise die Saaser als Spitzenreiter gute Karten im Aufstiegsrennen haben und ebenso zufrieden unter dem Christbaum sitzen dürften wie die Waischenfelder, die als Aufsteiger einen gesicherten Mittelfeldplatz einnehmen, lässt sich leicht an der Tabelle ablesen. Greifbar ist auch die vorweihnachtliche Stimmungslage bei Schlusslicht FSV Bayreuth, schließlich droht den Prellmühlern bei neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz der Sturz in die Kreisliga.

Und dennoch: Es bleiben noch viele Fragen offen. Fünf davon haben wir den Trainern der Bayreuther Teams gestellt – und teils bemerkenswert offene Antworten erhalten. Es war kein Seelenstriptease, die Coaches machten aus ihrem Herzen aber auch keine Mördergrube. Das wollten wir wissen:

A) Welcher Spieler Ihrer Mannschaft hat Sie bislang am meisten positiv überrascht?

B) Was war der Schlüsselmoment im bisherigen Saisonverlauf?

C) Sie dürften sich von einem Konkurrenten einen Spieler holen. Auf wen fällt die Wahl?

D) Welche gegnerische Mannschaft hat Sie am meisten beeindruckt?

E) Welche Trainerentscheidung haben Sie im Nachhinein bereut?

BSC Bayreuth-Saas: Jörg Pötzinger

A) Fabian Viefhaus. Nach seiner Zeit bei der SpVgg II hat er sich unheimlich entwickelt. Er geht stets mit großem Engagement voran, ist immer heiß und wirkt positiv auf das Team ein. Er ist ein echter Leader. Und dann macht er auch noch entscheidende Tore.

B) Als eben Fabian Viefhaus gegen Poppenreuth in der 86. Minute den 3:3-Ausgleich erzielte. Wir hatten davor gegen Mistelbach verloren und lagen gegen Poppenreuth 0:3 hinten. Dass wir dieses Spiel mit unglaublicher Moral noch gedreht haben, hat schließlich dazu geführt, dass wir jetzt da stehen, wo wir stehen, nämlich auf Platz eins.

C) Daniel Heißenstein. Ich kann das ja nur sportlich beurteilen, da ich den Mistelbacher Torjäger nicht persönlich kenne. Aber du brauchst solch einen Spielertypen, um etwas zu reißen. Er ist ausgebufft, kann ein Spiel lesen und macht Tore aus dem Nichts.

D) TSV Mistelbach. Die haben gegen uns ein nahezu perfektes Spiel abgeliefert – mit Wille, mit Biss, mit taktischer Disziplin, sie waren schnell und zielstrebig im Umschaltspiel und eklig zu bespielen. Dieses Gesamtpaket hat mich beeindruckt.

E) Obwohl wir das vorangegangene Spiel gewonnen hatten, habe ich vor dem Spiel gegen Mistelbach aus taktischen Überlegungen heraus umgestellt, was ich eigentlich sonst nicht mache. Ich habe Julius Küfner, der vorher ein Tor erzielt und eines vorbereitet hatte, für den etwas defensivstärkeren Felix Edelmann draußen gelassen.

Und sonst so: Die Saas geht ohne personelle Veränderungen in die Restsaison.

SpVgg Bayreuth II: Florian Wurster

A) Yannik Krebs. Unser Kapitän war immer ein Leistungsträger, hat sich aber in der Landesliga ein bisschen unter Wert verkauft. Mittlerweile ist er jedoch zum unumstrittenen Führungsspieler gereift. Er reißt die Jungs mit, holt immer das Optimum heraus und hat als Sechser auch eine hohe spielerische Qualität.

B) Als wir gegen den damaligen Spitzenreiter Kickers Selb das Spiel gedreht haben. Wir hatten das vorangegangene Spiel in Tirschenreuth mit 1:2 verloren und lagen auch gegen die Selber mit 0:1 hinten. Die Mannschaft ist dann aber cool geblieben, hat nicht den Faden verloren, sondern stand hinten stabil und hat immer wieder Akzente gesetzt. Wir haben das Spiel noch vor der Pause gedreht und dann mit 5:1 gewonnen. Das hat uns unheimlich Auftrieb gegeben.

C) Kaan Gezer, den Ex-Spielführer von Kickers Selb, der ja schon bei uns war und jetzt in der Winterpause in Selb gegangen wurde. Er hat herausragende Offensivqualitäten, und außerdem ist er trotz seiner erst 21 Jahre ein exzellenter Führungsspieler.

D) TSV Kirchenlaibach. Das war eine extrem harte Nuss. Wir haben zwar mit 3:2 gewonnen, die haben uns aber alles abverlangt. Wobei mich nicht nur der Kampfgeist beeindruckt hat, sondern auch, dass sie spielerisch versucht haben, zum Erfolg zu kommen.

E) In Tirschenreuth haben wir nach unserem Ausgleich alles auf eine Karte gesetzt. Wir hatten auch mehr Spielanteile und haben dann hopp oder top gespielt. Was ich gut fand. Allerdings sind wir auch in ein paar gefährliche Konter gelaufen. Spätestens da hätte ich die Mannschaft einbremsen müssen und sie nicht weiter pushen sollen. Es kam wie es kommen musste – wir haben noch das 1:2 geschluckt.

Und sonst so: „Man muss kein Prophet sein“, sagt Florian Wurster, „richtungsweisend wird für uns das erste Spiel nach der Winterpause sein.“ Am 24. März empfangen die Altstädter Spitzenreiter BSC Bayreuth-Saas.

TSV Mistelbach: Markus Taschner

A) Auch wenn ich wollte, ich kann keinen Spieler hervorheben. Mich hat die ganze Mannschaft beeindruckt und hier vor allem die Spieler, die oft in der Reservistenrolle waren, diese super angenommen haben und auf den Punkt da waren, als sie gebraucht wurden. Das war ein wesentlicher Aspekt unserer bisher so guten Saison.

B) Der Moment, als wir das Hinspiel in der Saas – es war der dritte Spieltag – nach einem 1:2-Rückstand in der Schlussphase noch in einen 3:2-Sieg gedreht haben. Da wusste die Mannschaft, dass wir zu mehr fähig sind, als nur gegen den Abstieg zu spielen.

C) Yannick Fuhrmann. Der zentrale Mittelfeldspieler der SpVgg Bayreuth II ist ein absoluter Leader, ein Spieler, der im offensiven wie im defensiven Zweikampf unheimlich stark ist. Für mich ist er eine absolute Granate.

D) SV Poppenreuth. Der SV hat in der Offensive, insbesondere auf den Außenbahnen, eine hohe Qualität. Dazu sind sie defensiv sehr robust und machen aufgrund ihrer Erfahrung in der Abwehr sehr wenige Fehler.

E) Meinen Aufritt beim ersten Spiel in Kasendorf, als ich vom Platz gestellt wurde. Ich wollte der Mannschaft mit einem emotionalen Auftritt in der Kabine und auf dem Platz Leben einhauchen und bin mit dieser übermotivierten Herangehensweise über das Ziel hinausgeschossen. Ich habe das aber längst bereut und der Mannschaft auch eine Brotzeit ausgegeben.

Und sonst so: Der TSV verstärkt seinen Kader in der Winterpause nicht nur mit Julian Ollet und Jan Timpel (vom FSV Bayreuth), sondern auch mit Andre Sippl. Der 22-Jährige kehrt nach einem kurzen Gastspiel beim Landesligisten SpVgg Selbitz zurück. Das Ziel Aufstieg kommt Markus Taschner trotzdem nicht über die Lippen. „Wir haben uns intern eine bestimmte Punktzahl zum Ziel gesetzt.“ Verraten, welche das ist, will der TSV-Trainer aber nicht.

TSV Kirchenlaibach: Sebastian Höreth

A) Als eines der jüngsten Teams der Liga nehmen wir bereits über die gesamte Saison eine wahnsinnig positive Entwicklung. Simon Bauernfeind mit 21 und Luca Meyer mit 20 Jahren, zwei Eigengewächse, sind während meiner Amtszeit zu absoluten Leistungsträgern auf zentralen Positionen gereift.

B) Das letzte Spiel vor der Winterpause gegen die SpVgg Bayreuth II, das haben wir zwar aufgrund zweifelhafter Schiedsrichterentscheidungen mit einem Elfmeter und drei Platzverweisen gegen uns verloren, dabei aber nie aufgegeben und immer an uns geglaubt. Das wird uns unglaublich Aufwind geben, auch über die Winterpause hinaus.

C) Dominik Schorn. Der Mittelfeldspieler vom SSV Kasendorf ist für mich der kompletteste Spieler der Liga. Ein beidfüßiger Einkontaktspieler, der Spiele mit Toren, aber auch messerscharfen und punktgenauen Pässen entscheiden kann. Dazu schießt er brandgefährliche Standards.

D) BSC Bayreuth-Saas. Wer zweimal so knapp am Aufstieg vorbeischrammt und trotzdem wieder eine so starke Saison spielt, ist eine Spitzenmannschaft. Die Infrastruktur wächst in der Saas gefühlt auch wöchentlich weiter und das Team hinter dem Team ist auch richtig gut besetzt.

E) Unseren Torjäger Mario Masching habe ich auch aufgrund von Verletzungen anderer Spieler zu häufig auf verschiedenen Positionen eingesetzt. Dabei ist er ein Vollblutstürmer, einer der besten der Liga, und das wird er nach überstandener Verletzung nach der Winterpause ganz sicher wieder unter Beweis stellen.

Und sonst so: Maximilian Werner-Hentrich (TFC Bayreuth) und Jan Bessel (TSV St. Johannis Bayreuth) verlassen den TSV, dafür kehren mit Matthias Dadder, Daniel Deubzer, Mario Masching, Tom Niebisch und Julian Pöllath fünf Spieler nach Verletzungspause in den Kader zurück.

SV Bavaria Waischenfeld: Sebastian Ott

A) Aaron Beyer. Er kam aus der Jugend und hat sich sehr schnell seinen Stammplatz im Mittelfeld erkämpft. Er bietet sich in jedem Training an, geht immer mit vorbildlicher Einstellung voran und bringt diese Qualitäten auch bei den Spielen mit ein.

B) Eigentlich war es der Schlusspfiff im Spiel gegen Katschenreuth. Da war unser erster Saisonsieg nach zuvor drei Niederlagen und einem Remis perfekt. Wichtig war dieses 1:0 insofern, da die Mannschaft gesehen hat, dass sie mit einer konzentrierten, fehlerfreien Defensivleistung Erfolg haben wird und in der Bezirksliga auch mithalten kann.

C) Tamino Ansari vom TSV Mistelbach. Er hat mich bei unserer 0:2-Niederlage unheimlich beeindruckt. Trotz seiner erst 23 Jahre war er der unangefochtene Leader in der Mistelbacher Mannschaft – kämpferisch stark, immer anspielbar, ständig ankurbelnd. Solch einen weiteren Stabilisator könnten auch wir gut gebrauchen.

D) FC Eintracht Münchberg. Eine sehr junge, hungrige Truppe. Sie sind spielerisch sicherlich nicht überragend, aber sie machen aus ihren Möglichkeiten des Optimum. Sie setzten auf junge Spieler aus der Umgebung und verfolgen deshalb in etwa das gleiche Konzept wie wir.

E) Unser 3:3 gegen Regnitzlosau habe ich noch nicht so ganz verdaut, da haben wir zur Halbzeit mit 3:0 geführt und wähnten uns schon auf der Siegerstraße. Ich habe dann auch zwei junge Spieler eingewechselt, gerade kurz bevor die Partie gekippt ist. Sicherlich haben die beiden Jungs keinerlei Schuld, aber sinnvoller wäre es gewesen, etwas mehr Routine auf dem Platz zu lassen.

Und sonst so: „Wir waren vor der Saison für viele Abstiegskandidat Nummer eins und haben bewiesen, dass wir in der Bezirksliga mithalten können“, sagt Sebastian Ott, der den Klassenerhalt nach der Winterpause so schnell wie möglich eintüten möchte.“

FSV Bayreuth: Claudio Eismann

A) Fabian Lukas. Trotz seiner 19 Jahre spielt er auf der zentralen Mittfeldposition eine sehr gute Rolle. Er ist lauffreudig, geht immer mit positiver Einstellung voran und ist auch in seinen Leistungen sehr stabil.

B) Es war das letzte Spiel vor der Winterpause. Da haben wir zwar in Mistelbach mit 0:1 verloren. Dennoch waren wir sehr gut organisiert, waren kompakt und haben uns auch gute Chancen erspielt. Diese Partie stimmt mich positiv, dass wir in der Rückrunde vielleicht doch noch etwas reißen können.

C) Timo Jahrsdörfer vom SSV Kasendorf. Er ist ein Spieler, der eine Mannschaft mitreißen kann. Solch einen Typen bräuchte unsere junge Truppe neben Guido Menzel und Manuel Schatz noch dringend.

D) SV Poppenreuth. Wir haben da mit 1:3 zwar nicht so deutlich verloren wie beispielsweise gegen Kickers Selb. Dennoch haben mich die Poppenreuther noch mehr beeindruckt, weil sie die bessere Spielanlage an den Tag gelegt haben. Sie haben nicht nur einen gepflegten Ball gespielt, sondern waren auch noch sehr aggressiv. Dazu hatten sie auf den Flügelpositionen junge, enorm dribbelstarke Spieler.

E) Ich habe in der Saisonanfangsphase Philipp Hannemann, der ja zweifelsohne ein herausragender Spieler ist, sofort nach seiner Rückkehr in die Mannschaft und trotz Trainingsrückstands in die Innenverteidigung gestellt. Damit habe ich weder ihm noch dem Team einen Gefallen getan, weil ihm schlichtweg die Bindung fehlte. Er hätte uns nur auf einer anderen Position besser helfen können.

Und sonst so: Mit dem 31-jährigen Matthias Sesselmann, der zuletzt für den TFC Bayreuth (Kreisklasse) spielte, haben die Prellmühler einen Mann mit Erfahrung ins Team zurückgeholt. Nicht mehr zur Verfügung stehen werden dagegen Julian Ollet und Sven Timpel (zum TSV Mistelbach) sowie Philipp Hannemann aus beruflich Gründen. Abgeschrieben hat Claudio Eismann den Klassenerhalt noch nicht. „Viel wird aber davon abhängen, wie wir gegen Thiersheim starten.“

 

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