Zukunftspläne Senivita-Anleger müssen noch warten

Senivita hat zahlreiche Einrichtungen in ganz Oberfranken. Foto: Florian Miedl/Archiv

BAYREUTH. Der Bayreuther Pflegedienstbetreiber Senivita will voraussichtlich noch in diesem Jahr seine Immobilien-Beteiligung Senivita Social Estate AG (SSE) an die Börse bringen. Die Betreiber-Tochter Senivita Social Care GmbH (SSC) soll "über kurz oder lang" mit der Muttergesellschaft Senivita Sozial gGmbH (SVS) verschmolzen werden, heißt es aus zuverlässiger Quelle auf Nachfrage dieser Zeitung. Anleger, die Genussscheine des Unternehmens gezeichnet haben, müssen sich weiter gedulden. Senivita hat zahlreiche Einrichtungen in ganz Oberfranken.

Erst müssten Rücklagen aufgefüllt werden, damit Zahlungen erfolgen können, heißt es. Vor dem Hintergrund der verzögerten Zahlungen ist die SVS-Anleihe regelrecht abgestürzt. Der Kurs, der im Mai 2018 noch um die 90 Prozent lag, notierte zuletzt bei rund 62. Mit den Genussscheinen, die das Unternehmen als Eigenkapital buchen kann, können Anleger auch am Verlust beteiligt werden.

Senivita habe in den letzten Monaten Baustelle für Baustelle abgearbeitet, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Die SSE, die neue Pflegeheime baut und 2017 rund 2,2 Millionen Euro Verlust geschrieben hat, sei wieder in Schwung gekommen. "Da läuft es wieder." Es gebe wieder viel Licht, "weil ja auch die entsprechenden Werte geschaffen wurden."

Bilanzielle Klimmzüge

Dafür waren einige bilanzielle Klimmzüge nötig. So hat die SSE von der SSC, einer Tochtergesellschaft der Senivita Sozial gGmbH (SVS), Pflegebetriebe an acht Standorten in Oberfranken übernommen. Der Kaufpreis für die Betriebe beträgt - vorbehaltlich einer noch möglichen Anpassung - zehn Millionen Euro, wobei die Kaufpreisforderung als qualifiziertes Nachrangdarlehen zur Verfügung gestellt wird, so das Unternehmen. Es sei beabsichtigt, dieses zu einem späteren Zeitpunkt als Sacheinlage gegen Aktien einzubringen. Für die SSE ergebe sich durch diesen Deal eine Stärkung des operativen Geschäfts sowie der Eigenkapitalbasis.

Die SSE habe außerdem Verträge mit einem Generalunternehmer zum Bau von zwei Pflegewohnanlagen in Weidenberg und Königsberg (Kreis Haßberge/Unterfranken) abgeschlossen, für ein weiteres geplantes Projekt stehe dies unmittelbar bevor. Zudem konnte auch mit einem institutionellen Investor ein "Letter of Intent" unterzeichnet werden, der diese Pflegewohnimmobilien kaufen wolle.

"Wir haben damit einerseits den Baubeginn, die Kosten und den Zeitplan für die Projekte unter Kontrolle, andererseits aber auch schon eine konkrete, positive Ertragsperspektive für die drei Standorte", sagt SSE-Vorstand und Senivita Gründer Horst Dr. Wiesent. Baubeginn für alle drei Wohnanlagen werde im Frühjahr sein. Auch die Betreiber stünden bereits fest.

Alle Pflegeeinrichtungen werden nach dem Senivita-Konzept der Altenpflege 5.0 gebaut. In Königsberg sei eine dreigeschossige Anlage mit 46 Wohnungen geplant. Auf dem 4600 Quadratmeter großen Grundstück in Weidenberg werde eine viergeschossige Bauweise ebenfalls mit 46 Wohnungen realisiert. Beide Einrichtungen verfügen auch über Platz für je zwei Demenz-Wohngemeinschaften mit insgesamt 24 Plätzen und eine Tagespflege für 50 pflege- und betreuungsbedürftige Menschen. Eine Sozialstation liege im eingeschossigen Mittelgebäude. Der ambulante Dienst gewährleiste bei Bedarf eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung der Bewohner.

Der frühere Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk wurde zum neuen Vorsitzenden des SSE-Aufsichtsrats gewählt. Der langjährige Bundestagsabgeordnete unterstützt und berät die Senivita-Gruppe bereits seit mehreren Jahren. Seit Juli 2015 ist er auch Aufsichtsratsvorsitzender der Senivita Sozial gGmbH.

Koschyk werde sich in seiner neuen Funktion vor allem dem strukturellen Wachstum der SSE widmen und den Dialog mit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft über neue Modelle der Pflege sowie internationale Kooperationen in der Pflegeausbildung intensivieren, teilte das Unternehmen mit.

Zu Koschyks Stellvertreter wurde Alexander Tesche, Vorstand der Ed. Züblin AG, gewählt. Dem Aufsichtsrat gehört weiterhin Anton Kummert, Mitbegründer von Senivita, an. Eigentümer der Senivita Social Estate AG sind die Senivita Sozial gGmbH (50 Prozent), das Bauunternehmen Ed. Züblin AG (46 Prozent) und die Wiener Beteiligungsgesellschaft Grosso Holding GmbH (vier Prozent).


Millionenverluste bei der Bau-Tochter

Die Bayreuther Senivita Social Estate AG (SSE), die Pflegeimmobilien baut und verkauft, musste ihre Prognosen für 2018 korrigieren. Schon im ersten Halbjahr 2018 hatte die SSE 1,9 Millionen Euro Verlust geschrieben (Vorjahr: 0,6 Millionen Euro Gewinn).

Unter der Verantwortung des im Juni 2018 abgelösten Vorstands erreichten die Umsätze in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres rund 4,6 Millionen Euro nach 11,3 Millionen Euro im Vorjahr, teilte das Unternehmen mit. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war leicht negativ (Vorjahr plus 2,2 Millionen Euro). Das Betriebsergebnis (Ebit) sank auf minus 0,5 Millionen Euro (Vorjahr plus 2,0 Millionen Euro).

"Demzufolge wird die SSE im Jahr 2018 ein negatives Ergebnis verbuchen", heißt es weiter. Nach seiner Berufung im Juni 2018 habe der neue Vorstand den Vertrieb der von der SSE errichteten Pflegeimmobilien wieder deutlich intensiviert. Für 2019 würden steigende Erträge und die Rückkehr in die Gewinnzone erwartet. 2019 und 2020 sei eine ganze Reihe neuer Bauprojekte geplant. Für 2017 hatte die SSE einen Verlust von 2,2 Millionen Euro ausgewiesen (wir berichteten). 2016 lag das Minus bei 3,1 Millionen.

 

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