Zu viele Vorstrafen Haft für Würgegriff

Ein Mann aus Bayreuth muss vier Monate ins Gefängnis, weil er eine Frau am Hals packte. Foto: Arne Dedert , dpa-Archib

BAYREUTH. Ein kurzer Anfall von Aggressivität bringt einen 44-jährigen Bayreuther hinter Gitter. Dabei hat der Mann, der eine Bekannte am Hals packte, noch Glück: Der Würgegriff wird ihm nicht als gefährliche Körperverletzung ausgelegt.

Es war eigentlich ein Freudentag, dieser 6. Mai: Eine Bayreutherin hatte Geburtstag. Doch ihr 43. endete unschön, denn die spontane, kleine Feier bei einer Nachbarin und Freundin endete im Streit. Das hatte für den 44-jährigen Freund der Frau Folgen: Am Dienstag stand er wegen gefährlicher Körperverletzung vor Strafrichter Torsten Meyer. Laut Anklage soll der Mann in einer Wohnung in der Innenstadt eine 48-jährige Bekannte am Hals gepackt und gewürgt haben.

Der Angeklagte wies den Anklagevorwurf kopfschüttelnd zurück. Er habe sich lediglich als Streitschlichter betätigt.

Das Opfer belastete ihn als Zeugin: Sie habe ihre Bekannte getroffen und sie eingeladen, schließlich hatte die Freundin Geburtstag. Man feierte, man aß, man trank. Doch dann gab es Missstimmung, als die Freundin ankündigte, ihr Lebensgefährte werde nun zur Party dazukommen.

Aus der Aussage der 48-jährigen geht hervor, dass sie auf den Angeklagte nicht gut zu sprechen ist. Der Hintergrund: Ihre Freundin und der Angeklagte nehmen Drogen – und vermutlich auch bei ihr in der Wohnung: Jedenfalls sei das Paar einige Zeit im Bad verschwunden.

„Als sie wieder rauskamen, waren beide aggressiv.“ Es kam zum Streit zwischen den Frauen, als die 48-Jährige zu den Gästen gesagt haben will: „Bitte geht jetzt.“ Zwischen den Frauen, so bestätigt es auch die 43-Jährige, kam es zur Rangelei. Während die 48-Jährige sagt, sie sei aufgrund einer Behinderung nicht so gut auf den Beinen und habe aufgrund von Gleichgewichtsproblemen die andere Frau unabsichtlich mit dem Kopf erwischt, sagt diese: Es sei ein absichtlicher Kopfstoß gewesen.

"Habe sie einfach nur weggeschoben"

Das meint auch der Angeklagte: „Sie war mal wieder betrunken. Da habe ich sie einfach weggeschoben.“ Auf die Nachfrage des Richters verneinen sowohl der Angeklagte als auch seine damalige Freundin: Nein, im Bad habe man keine Drogen konsumiert.

Das Wegschieben hinterließ Spuren: Die 48-Jährige legte Fotos vor von Striemen an ihrem Hals und von einer Beule an ihrem Hinterkopf. Der Angeklagte habe sie mit einer Hand am Hals gepackt, sie drei Meter durchs Zimmer geschoben, bis sie an die Wand krachte: „Ich war kurze Zeit bewusstlos.“

Dieses Wegschieben mittels Hand am Hals wird von zwei jungen zeugen bestätigt, die damals bei der Party dabei waren – und das, obwohl das Opfer im Gerichtssaal diese beiden Männer nicht mehr erkennt.

Die Frage von Staatsanwältin Janina Leinhäupl, ob sie denn Atemnot hatte, als die Hand des Angeklagten an ihrem Hals war, konnte die Hauptzeugin nicht klar beantworten. Die Folge: Eine Körperverletzung mit einer potenziell das Leben gefährdenden Behandlung, also eine gefährliche Körperverletzung, kann nicht mehr sicher nachgewiesen werden.

Dass der Richter den 44-Jährigen für eine „normale“ Körperverletzung dennoch für vier Monate ins Gefängnis schickt, liegt an seinen vielen Vorstrafen: Seit 22 Jahren hat er fünf Vorstrafen wegen Körperverletzung und saß dafür jedes Mal hinter Gittern.

 

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