Zu Tschechien Kammern wollen Beziehungen vertiefen

Foto: Daniel Karmann/dpa/Archiv

BAYREUTH. Oberfranken und Bayern sind wirtschaftlich eng mit der Tschechischen Republik verflochten. Und die Beziehungen zum Nachbarland sollen nach dem Willen der beiden Industrie- und Handelskammern im Bezirk vertieft werden.

Bereits seit 1993 hat die IHK für Oberfranken in Bayreuth enge Beziehungen zu ihrer Partnerkammer in Sokolov. 2014 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der Bezirkswirtschaftskammer Karlsbad unterschrieben, um ein weiteres Zeichen der langfristigen Zusammenarbeit zu setzen. Diese soll intensiviert werden, kündigt IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner an.

Für 2019 stehe viel auf dem Programm: Bereits Ende Januar soll es ein Treffen der Kammerspitzen geben. Die gemeinsamen Sprechtage sollen wiederbelebt werden, auch der Außenhandelsausschuss plant einen Austausch mit tschechischen Unternehmensvertretern. 

Bahnstrecke elektrifizieren

Ebenso wird die IHK nach Auskunft Hohenners in diesem Jahr einen grenzüberschreitenden Verkehrsgipfel mit den benachbarten Wirtschaftskammern initiieren. Im Mittelpunkt soll die gemeinsame Forderung nach einer Elektrifizierung der Bahnstrecke von Nürnberg über Marktredwitz nach Prag stehen. „Bis Eger können die aus Osteuropa kommenden Züge elektrisch fahren, dann muss auf Diesel umgekoppelt werden. Und das, obwohl Deutschland seit 1995 die Elektrifizierung zugesagt hat“, bemängelt die Hauptgeschäftsführerin. Gerade im Containerverkehr lägen jedoch Potenziale auch für die oberfränkischen Unternehmen. 

Die Tschechische Republik ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Handelspartner Bayerns geworden. Die Bayreuther IHK nennt Zahlen: Bei den Einfuhren liegt Tschechien mit 14,45 Milliarden Euro auf Rang 3. Das sind 76 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor. Nur aus Österreich und China wird mehr importiert. Bei den Ausfuhren nimmt Tschechien Rang 8 ein. Der Wert der ausgeführten Produkte liegt bei 6,5 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 26 Prozent entspricht. „Damit zählt Tschechien, abgesehen von Ländern, bei denen wir Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas beziehen, zu den wenigen Ländern, mit denen Bayern eine negative Handelsbilanz hat“, sagt Hohenner. 

Etwa 180 Unternehmen mit Handelsverflechtungen zum Nachbarn im Osten sind bei der IHK für Oberfranken registriert. Wichtigste Importprodukte sind Elektrogeräte, Autos und Maschinen. Besonders gefragte Exportgüter sind ebenfalls Maschinen und Elektrogeräte, aber auch Kfz-Teile und Kunststoffwaren.

Sara Franke, IHK-Bereichsleiterin International, hebt hervor: „Die Tschechische Republik hat längst das Image einer verlängerten Werkbank abgelegt, wie auch die Importprodukte deutlich zeigen.“ 

Noch Luft nach oben

Längst profitieren laut Kammer auch Einzelhandel, Freizeiteinrichtungen und Tourismus vor allem im Osten Oberfrankens von tschechischen Kunden. Gefragt seien vor allem Bekleidung, Schuhe, aber auch Lebensmittel. Hier sieht Hauptgeschäftsführerin Hohenner noch Luft nach oben, denn „viele grenznahe oberfränkische Anbieter haben sich noch nicht auf die tschechische Kundschaft eingestellt“.

Für die exportorientierte Coburger Wirtschaft spielt Tschechien eine besondere Rolle als Fertigungsstandort und „Tor nach Osteuropa“. Das sagt Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg, auf Anfrage unserer Zeitung. Im Kammergebiet sind 48 Betriebe aus den Bereichen Automotive, Maschinenbau, Verpackungs-, Möbel- und Spielwarenindustrie mit eigenen Niederlassungen oder Produktionsstätten vor Ort.

Herdan sieht zwar im Nachbarland eine „bedenkliche Schere zwischen Lohnwachstum und Produktivitätssteigerung“. Dennoch sei „das Interesse unserer Betriebe am tschechischen Markt groß“. Zahlreiche Unternehmen hätten sich zum Beispiel im vergangenen Jahr über die neuen Entsendegesetze des Nachbarstaates informiert. Bereits seit 2008 ist die Coburger Kammer Mitglied der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer. Gemeinsam werden man auch in diesem Jahr Firmen die Möglichkeit bieten, sich durch Spezialisten über den tschechischen Markt beraten zu lassen, sagt Herdan. 

 

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