Zeuge lügt Video vor Weidenberger Asylunterkunft rettet Angeklagte

Ein Überwachungsfilm aus der mittlerweile aufgelösten Unterkunft im Alten Schloss in Weidenberg erbrachte den Beweis ion einem Strafprozess: Die Schlägerei, wie sie angeklagt war, gab es nicht. Foto: Archiv/Otto Pilz

Bayreuth/Weidenberg. Ein Film aus einer Überwachungskamera hat zwei Asylbewerber aus dem Iran vor einer Verurteilung bewahrt – und einen anderen Mann als Lügner enttarnt.

Die zwei Brüder im Alter von 20 und 25 Jahren standen am Donnerstag als Angeklagte vor Strafrichter Eik Launert. Sie sollen laut Anklage der Staatsanwaltschaft gemeinsam einen 28-Jährigen geprügelt haben. Dieser Mann, ebenfalls Asylbewerber, bezeugte vor Gericht: An jenem Tag Ende Februar vergangenen Jahres sei in der Asylunterkunft im Alten Schloss in Weidenberg – sie ist bekanntlich zwischenzeitlich aufgelöst worden – Alkohol getrunken worden. Der Zeuge berichtete, er selbst sei wie alle anderen angetrunken gewesen und habe das Zimmer der Brüder betreten, wo Gäste saßen, wo Bier aus Six-Packs getrunken wurde und wo in einer arabischen Sprache gesprochen wurde, die der Zeuge nicht verstand.

Darüber kam es zu einem Streit. Und er erhob einen weiteren Vorwurf: In der Runde der Iraner seien Drogenkonsumiert worden. Weil er dies der Security habe melden wollen, sei er in der folgenden Auseinandersetzung von den beiden Brüdern erst durchs Haus verfolgt und dann geschlagen worden. Die von dem Zeugen behauptete gemeinschaftliche Begehungsweise brachte den Brüdern den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung ein.

Zeuge will Drogen gesehen haben

Die Angeklagten bestritten die Vorwürfe: Ja, man habe getrunken an diesem Abend. Nein, Drogen habe man keinesfalls konsumiert. Ja, es habe eine Auseinandersetzung gegeben, weil der Zeuge „unsere Gäste belästigte“. Nein, geschlagen habe man den 28-Jährigen aber nicht. Der ältere Bruder erklärte: Am angeblichen Tatort im Eingangsbereich des Alten Schlosses sei eine Überwachungskamera angebracht und „wenn wir ihn hätten schlagen wollen, hätten wir das woanders getan“. Die Angeklagten beteuerten, sie hätten den Zeugen während des Streits nur festgehalten und von ihren Gästen ferngehalten.

Richter hält Zeugen nicht für glaubwürdig

Obwohl auch der Belastungszeuge von der Überwachungskamera wusste, ging er zum Sicherheitsdienst, der wiederum die Polizei einschaltete. Die Beamten sicherten das Überwachungsvideo, das Richter Launert als Beweismittel im Prozess abspielen ließ: Auf dem mehrminütigen Film ist die Auseinandersetzung im Eingangsbereich des Alten Schlosses zu sehen. Wie mehrere Männern immer wieder durchs Bild laufen. Wie der Belastungszeuge geschubst wird, aber auch von anderen Personen. Aber eine Prügelei? Richter Launert hielt dem Zeugen vor: „Ich sehe nicht, dass sie geschlagen werden.“

Die Folge: Das mit Hilfe iner Dolmetscherin geführte Verfahren gegen die zwei Brüder wurde wegen geringer Schuld ohne weitere Auflagen eingestellt. Den Hauptzeugen bezeichnete Richter Launert als nicht glaubwürdig. Die Folge: Bei der Staatsanwaltschaft wird geprüft werden, ob der 28-Jährige eine Falschaussage begangen haben könnte.

 

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