Wolfsrudel sorgt für politischen Wirbel

Genau hinschauen: Die Aufnahme einer Fotofalle vom 28. Juli im Nationalpark Bayerischer Wald (Bayern) zeigt einen Jungwolf. Bei der aktuellen routinemäßigen Auswertung einer Fotofalle im Nationalpark Bayerischer Wald wurden drei Jungtiere bestätigt. Foto: Nationalpark Bayerischer Wald

Mit der Forderung nach wolfsfreien Zonen hat Agrarminister Helmut Brunner (CSU) auf Meldungen über das erste Wolfsrudel in Bayern reagiert. Er plädierte in der «Passauer Neuen Presse» für einen gelockerten Schutzstatus des Wolfes und im Einzelfall auch für eine «Entnahme», um den Bestand zu regulieren. Das bedeutet im Notfall auch den Abschuss. Das ruft Kritiker auf den Plan. Seit 150 Jahren gebe es wieder ein Wolfsrudel in Bayern. Und Brunner falle nichts anderes ein als abknallen.

Am Freitag hatte das Bayerische Landesamt für Umwelt (Lfu) drei Jungtiere im Bayerischen Wald gemeldet. Es ist der erste wilde Wolfsnachwuchs in Bayern seit rund 150 Jahren. Umweltschützer reagierten erfreut, verlangten aber ebenfalls Unterstützung für Schäfer und Weidehalter.

Brunner: Schutzstatus des Wolfes absenken

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sagte: "Wir brauchen eine Möglichkeit, den Schutzstatus des Wolfes abzusenken, um im Einzelfall eine Regulierung des Bestandes vornehmen zu können. Anders kann ich mir ein funktionierendes Nebeneinander von Wolf und Landwirtschaft schwer vorstellen."

Brunner wie auch Umweltschützer riefen das Umweltministerium auf, die nächste Stufe des Wolfsmanagementplans vorzulegen. Dies sei seit langem gefordert worden. Schließlich sei lange genug bekannt, dass sich Wölfe in Bayern wieder ansiedeln könnten - auch mit Nachwuchs, hieß es beim Bund Naturschutz (BN).

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Am Managementplan zum Umgang mit Wölfen mit Nachwuchs werde mit Hochdruck gearbeitet, teilte das Umweltministerium dazu zunächst nur mit. Auch ein Förderprogramm zum Herdenschutz werde gerade erarbeitet. "Die Herdenschutzmaßnahmen sollen voraussichtlich sichere Weidezäune und Herdenschutzhunde umfassen."

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisierte Brunners Vorschlag zu wolfsfreien Zonen scharf. "Kaum gibt es in Bayern Wolfswelpen, fällt der CSU nichts anderes ein, als sie abknallen zu wollen. Brunners wolfsfreie Zonen sind bei einem Tier, das so weit wandert und neue Reviere sucht, totaler Quatsch - eine Umsetzung dieses Vorschlages würde auf massive Abschüsse hinauslaufen."

Herdenschutzhunde haben sich bewährt

Das europäische Naturschutzrecht sehe für Wölfe einen "günstigen Erhaltungszustand" vor, der noch lange nicht erreicht sei. Deshalb gehe es vielmehr um mehr Investitionen in die Prävention, um Schafe und andere Nutztiere zu schützen. Herdenschutzhunde hätten sich hier bewährt. Außerdem müsse die Entschädigung unbürokratisch funktionieren.

Auch der BN kritisierte, dass die bei Wolfnachwuchs erforderliche Stufe drei des Managementplans immer noch nicht vorgelegt wurde. Außerdem sei eine wissenschaftlich fundierte Öffentlichkeitsarbeit bei Nutztierhaltern und in der Bevölkerung notwendig. «Das alles könnte es längst geben, wir fordern das seit Jahren. Die Staatsregierung hat jedoch jahrelang nichts getan und heizt damit mögliche Konflikte noch an», kritisierte Christian Hierneis, Wolfsexperte im BN-Landesvorstand, bereits am Freitag. dpa

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