Will man gar nicht elektrifizieren?

Zu niedrig für eine Elektrifizierung: eine der Bahnbrücken bei Untersteinach. Foto: Melitta Burger

Ist es realistisch, an eine Tieferlegung der Gleise auf der Bahnstrecke zwischen Hochstadt-Marktzeuln und Hof, beziehungsweise Bayreuth zu glauben? Dieser Beschluss ist kürzlich zwischen Vertretern von Staatlichem Bauamt, der Regierung von Oberfranken und der Deutschen Bahn gefallen.

Die Entscheidung war die Folge aus der Tatsache, dass nicht nur die Brücken der gerade im Bau befindlichen Ortsumgehung von Untersteinach für eine Elektrifizierung der Bahnstrecke zu niedrig sind, sondern auch noch weitere Brücken. Doch die Zweifel an dieser jetzt offiziell ins Gespräch gebrachten Lösung wachsen. Der Aufwand und die Kosten seien zu hoch, sagen Fachleute. Und eine weitere Befürchtung steht im Raum: Würden die Gleise tiefergelegt, sei möglicherweise der Hochwasserschutz nicht mehr ausreichend.

Flop als positives Signal verkauft

Jürgen Öhrlein aus Rothwind war jahrelang Kreisrat der Grünen in Kulmbach. Von Beruf ist Öhrein Architekt und Sachverständiger auf dem Bau. Er hat sich mit der Thematik befasst. Sein Fazit ist alles andere als rosarot: „Es ist bemerkenswert, wie die Politik einen Flop als positives Signal verkauft: Sie verschiebt die Sanierung der fehlerhaften Brückenkonstruktionen bei Untersteinach einfach auf den Sanktnimmerleinstag. Dadurch vermeidet man, Schuldige für die zu niedrigen Brücken zu benennen – doch dieser Kompromiss zwischen Straßenbauamt und Bahn zum Vertuschen einer fehlerhaften Planung wird Steuerzahlern und Bahnfahrern noch teuer zu stehen kommen.“

Verantwortlich für das Drama ist laut Öhrlein die Straßenbaubehörde, die beim Planen von Bahnüberquerungen natürlich Zukunftsentwicklungen der Bahn berücksichtigen müsse. Deshalb sei es wohl richtig gewesen, anfänglich auch den Neubau einer Oberleitung für die zukünftige Elektrifizierung der Bahnstrecke vorzusehen. „Warum diese Planung dann geändert wurde, ist nicht bekannt – jedenfalls ist zu vermuten, dass die Verantwortlichen der Bahn die Reduzierung der Brückenhöhe entweder mitgetragen oder überhaupt nicht bemerkt haben.

Nicht gewollt

Eine Brücke mit zu geringer Höhe steht bereits, die zweite Brücke ist in Planung beziehungsweise im Bau.“ Jürgen Öhrlein vermutet: „Hätte eine Baufirma oder ein Ingenieurbüro den Fehler verursacht, wären sicherlich innerhalb kurzer Zeit eine Abänderung der Planung sowie eine Korrektur der bereits gefertigten Brücke erfolgt. Dies erfordert natürlich den Abbruch des zu niedrigen Brückenoberteils und die Verlängerung der Seitenteile, ist aber technisch kein Problem und derzeit wesentlich einfacher durchzuführen als in der Zukunft. Die zweite Brücke könnte man jetzt noch mit relativ geringen Mehrkosten richtig bauen. Aber dies ist nicht gewollt.“

Jetzt werde verkündet, dass eine spätere Tieferlegung der Bahnlinie problemlos möglich sei. Doch Öhrlein mag daran nicht recht glauben: „Diese mit Abstand teuerste Lösung erfordert auch eine monatelange Sperrung der Strecke. Fast könnte man denken, dass die Verantwortlichen diese niemals elektrifizieren wollen: Schließlich wurde bereits vor einigen Jahren deren Stilllegung diskutiert.“

Kritik auch aus Bayreuth

Mit seiner Skepsis ist Jürgen Öhrlein keineswegs allein. Auch die Stadt Bayreuth hat sich bereits kritisch zu dem am 11. Januar an einem „Runden Tisch“ mit Regierung, Bauamt und Bahn sowie Bundestagsabgeordneter Emmi Zeulner erzielten Ergebnis geäußert. Kein Baustopp an der Umgehung Untersteinach, keine Veränderungen an den Brücke, stattdessen eine Tieferlegung der Gleise, wenn denn eine Elektrifizierung tatsächlich verwirklicht werden sollte.

Doch auch die Tieferlegung wird Mehrkosten verursachten, ließ die Stadt Bayreuth mitteilen. Die Frage sei zudem, ob die Tieferlegung hochwassersicher ist. Immerhin liege die Bahnstrecke im Tal der Schorgast. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk hatte Günther Finzel von der Bayreuther Stadtverwaltung erklärt, die Elektrifizierung der Oberfranken-Achse könnte dadurch grundsätzlich in Frage gestellt werden. Damit würde die Region „im wahrsten Sinne des Wortes abgehängt“, befürchtet der Bayreuther Mobilitäts-Experte.

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