Wilhelmine fordert Frauenquote

15.07.2007, Bayreuth, Eremitage, Sonnentempel I, Foto: Andreas Harbach

Alte Briefe mit aktueller Forderung: Die Bayerische Schlösserverwaltung hat zwei Schreiben der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und des französischen Philosophen und Schriftstellers Voltaire (1694-1778) erworben.

Wilhelmine forderte Voltaire darin auf, in seinen Theaterstücken mehr Frauenrollen zu besetzen. Die in französischer Sprache verfassten Briefe aus dem Jahr 1751 werden bei den Residenztagen Bayreuth (16./17. September) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der erfolgreiche Theaterautor Voltaire habe damals dem Männlichkeitsideal der antiken Tragödie gehuldigt, teilte die Schlösserverwaltung am Dienstag mit. Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), Tochter von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und Lieblingsschwester von König Friedrich II., forderte den Philosophen jedoch auf, die Männer- anstatt der Frauenrollen aus seinen Stücken zu streichen. Voltaire arbeitete damals am Hof des Königs in Potsdam.

Männer und Frauen gehören zusammen

«Sie schließen die Frauenrollen aus Ihren Potsdamer Tragödien aus und wir würden gerne, wenn wir einen Voltaire hätten, die Männerrollen aus denen streichen, die wir hier spielen. Wäre es nicht möglich, dass Sie eines Ihrer Stücke für uns umschrieben und dort die zwei Hauptrollen an Frauen vergäben?», schrieb Wilhelmine.

Voltaires Antwort: «Um Himmels willen, versuchen sie es in Bayreuth nicht, die Männer auszuschließen. Das Theater ist ein Gemälde des menschlichen Lebens, und in diesem Leben müssen Männer und Frauen beisammen sein; sonst ist es nur ein halbes Leben.»

Die Schlösserverwaltung konnte die Briefe im Frühjahr im Kunsthandel kaufen. Künftig werden sie im Museum zum Markgräflichen Opernhaus zu sehen sein. Nach der Sanierung wird es im April 2018 wiedereröffnet.

dpa

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