Wenn die Berge brennen

Rund 20.000 Besucher kamen zur Lichterprozession nach Pottenstein. Foto: Thomas Weichert

Das schöne Wetter bescherte der wohl bekanntesten und größten Lichterprozession Deutschlands in der Fränkischen Schweiz am Dreikönigsnachmittag einen rekordverdächtigen Besucheransturm. Nach Schätzungen der zuständigen Polizeiinspektion Pegnitz kamen heuer mindestens 20 000 Besucher, um die in dieser Form einmaligen Bergfeuer zu bestaunen.

Gezählt wurden alleine rund 30 große Reisebusse. Der Verkehr, besonders nach der Prozession, kam zeitweilig komplett zum Erliegen. Bereits zwei Stunden vor Prozessionsbeginn waren die Zufahrtsstraßen vom Langen Berg und Bayreuther Berg in die Stadt komplett gesperrt. Für einen einigermaßen reibungslosen Ablauf sorgten neben den Beamten der Polizei Pegnitz auch eine Einheit der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg und zehn Feuerwehren der Stadtgemeinde.

Nur ein kleiner Auffahrunfall

Die Prozession selbst verlief ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich auf einem Parkplatz kam es zu einem kleinen Auffahrunfall mit Blechschaden. Nachdem sich die Innenstadt bereits längst zuvor mit den Menschenmassen gefüllt hatte, setzte sich pünktlich bei Einbruch der Dunkelheit um 17 Uhr der Prozessionszug der Gläubigen von der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus mit Fahnen tragenden Ministranten an der Spitze in Bewegung. Alle Pottensteiner Vereine nahmen mit ihren Fahnenabordnungen teil und für die musikalische Umrahmung sorgte wie immer die Stadtkapelle Pottenstein. Kinder trugen die Wundmale Christi durch den Ort.

130 Feuerleschürer

Auf den Berghängen rund um Pottenstein standen so viele Menschen wie kaum zuvor, um das Lichterschauspiel von oben zu bestaunen. Hier waren auch etwa 130 „Feuerleschürer“ im Einsatz, um die großen Holzfeuer rechtzeitig zu entzünden.

Der feierliche Vespergottesdienst zum Ende der Ewigen Anbetung in der Pfarrkirche Sankt Bartholämäus konnte diesmal mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick gefeiert werden, der anschließend auch den Leib Christi in Form des Brotes in der goldenen Monstranz unter dem Baldachin durch die Stadt trug. Schick bezeichnete die Lichterprozession als ein tiefes geistliches Erlebnis, das Wirkung für ein gutes Leben habe.

Verkaufsoffener Feiertag

Erstmals fand nach einem Stadtratsbeschluss auf Antrag der Pottensteiner Geschäftsleute auch ein verkaufsoffener Feiertag statt, an dem die Läden von 11 bis 16 Uhr öffnen konnten. Auch darauf ging der Bamberger Oberhirte während seiner Ansprache in der Kirche, die mit Lautsprechern ins Freie übertragen wurde, kurz ein. Wie Schick betonte, sei die Kirche kein Spielverderber, die den anderen keine Einnahmen gönnen wolle. Allerdings zünde man die Bergfeuer wegen Jesus Christus an, der das Licht der Welt sei. Daher müsse man sich auch den Ursprung der Ewigen Anbetung vor Augen führen. Bei solchen heilbringenden und gemeinwohldienenden Traditionen bestehe einerseits jedoch auch die Gefahr, dass sie abgeschafft werden, weil sie zu mühselig oder kostspielig sind, veraltet oder unmodern scheinen und andererseits, dass sie verweltlichen. „Man vergisst den Ursprung und den eigentlichen Gehalt der Tradition. Der Hauptzweck wird das Freizeitgeschäft und der materielle Gewinn daraus“, so der Bamberger Oberhirte. Wenn aber die Ursprünge vergessen werden, dann schwinden die guten Früchte daraus: der Gemeinsinn und das Gemeinwohl, die nicht von Geld und Kapital geschaffen werden. „Sie bestehen im inneren Frieden, sozialen Zusammenhalt, in Solidarität und Verantwortungen füreinander.“ Wenn der Gemeinsinn weniger werde, nähmen Neid und Missgunst zu, die gute Nachbarschaft gehe verloren, der Egoismus vertreibe das Wohlwollen und die Hilfsbereitschaft. Absichtslose, gemeinsame Gottesverehrung, Gebet und Anbetung Jesu im Altarsakrament stärke den Gemeinsinn und das Gemeinwohl, betonte der Erzbischof.

Ewige Anbetung gehört zu den Kulturgütern

Im Geiste nehme Schick jedes Jahr daran teil, wenn die Berge um Pottenstein brennen. Die Prozessionen und die Ewige Anbetung gehören zu den Kulturgütern im über 1000 Jahre altem Bistum Bamberg. Dies betonte Schick im Jahr der Kultur, das heuer im Erzbistum Bamberg gefeiert wird. Die Lichterprozession in Pottenstein sei ein Ereignis, das die Frömmigkeit zeige und noch mehr Frömmigkeit unter die Menschen bringt, betonte der Oberhirte. Die Pottensteiner rief Schick dazu auf, geisterfüllt zu sein und zu bleiben. „Es ist gut, dass viele von außen kommen, um die Prozession mitzuerleben – sie bringen Euch auch Geld, gebt Ihr ihnen dafür den Geist Jesu und seine Botschaft.“ So bleibe die Tradition in Pottenstein ein Biotop der guten Zukunft weit über Pottenstein hinaus. „Gehen wir mit unseren Traditionen gut, bewusst und wertschätzend um und bewahren wir unsere Herzen und Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus“, bekräftige der Erzbischof.

Historisch gesichert

Stadtpfarrer Thomas Thielscher verwies darauf, dass die Pfarrei Pottenstein vor gut 900 Jahren von Bischof Otto von Bamberg gegründet wurde und die Heilige Elisabeth auf Burg Pottenstein im Exil lebte. Das diesmal der Erzbischof kam, sei für die Pottensteiner eine große Ehre und Ermutigung zugleich, so der Stadtpfarrer.

Der Brauch des „Lichterfestes“, wie die Pottensteiner Lichterprozession im Volksmund heißt, geht historisch gesichert bis ins Jahr 1905 zurück. Damals wurde das Fest der Heiligen Drei Könige und der Tag zuvor als Tag der Ewigen Anbetung in Pottenstein festgelegt. Das Fest der Ewigen Anbetung an sich geht allerdings bis auf das Jahr 1759 zurück.

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