Weißer Main Röhrichtwalzen für ein bisschen mehr Natur

Eine hohe Schutzmauer grenzt den Weißen Main in der E.-C.-Baumann-Straße von der Firma Raps ab. Das gegenüberliegende Ufer zum Max-Rubner-Institut hin wird mit Schilfpflanzen naturnah gestaltet. Das Wasserwirtschaftsamt hat dafür sogenannte Röhrichtwalzen auslegen lassen. Foto: Michael Stocker

KULMBACH. Der Hochwasserschutz in Kulmbach kommt erneut einen Schritt voran. Der Weiße Main im Industriegebiet soll nicht nur sicher, sondern auch optisch ansprechender sein.

Eine Schönheit wird der recht enge Flusslauf im Kulmbacher Industriegebiet zwar nicht mehr werden. Trotzdem hat das Wasserwirtschaftsamt Hof als Bauherr nach eigener Aussage einiges dafür getan, um die Optik und den Naturschutz zu verbessern. Nach dem kompletten Umbau und der Errichtung neuer Deiche und Schutzmauern im Bereich Gummistraße und E.-C.-Baumann-Straße sind nun auch die Ufer fertig bepflanzt und gestaltet worden. Der innerstädtische Flussarm des Weißen Mains, der einst Mühlkanal hieß, hat sich stark verändert. Das Bauprojekt, das im März 2017 begonnen hat, ist damit abgeschlossen.

"Wir sind sehr zufrieden", sagt Planer Michael Stocker vom Wasserwirtschaftsamt im Gespräch mit dem Kurier. Ein weiterer Schritt ist getan. Der Vollausbau des Kulmbacher Hochwasserschutzes lässt aber weiterhin auf sich warten. Während das Industriegebiet fertig ist, gibt es anderswo noch Baustellen. Die abschließenden Arbeiten in der Blaich und später in Richtung Burghaig sind in Planung.

Sicher vor der Flutkatastrophe

Alle neuen Anlagen sollen Kulmbach vor der Flutkatastrophe sicher machen. Wahrscheinlich war die Stadt von solch einer großen Überschwemmung noch nie weiter entfernt als in diesem Jahr. Die extreme Trockenheit hat die Flusspegel und den Grundwasserspiegel massiv gesenkt. Für die Bauarbeiten war das Wetter ideal, freut sich Michael Stocker.

Im Gewerbegebiet in der Gummistraße und E.-C.-Baumann-Straße ging es in den zurückliegenden Monaten mit den Geländearbeiten schneller voran als gedacht. Auch wenn die große Flut irgendwann kommen sollte, brauchen sich die umliegenden Anwohner und Firmen dort keine Sorgen mehr zu machen. Unter anderem ist eine 400 Meter lange Betonmauer gebaut worden.

Neben dem technischen Umbau im Vorjahr kümmerte sich das Wasserwirtschaftsamt zusammen mit der Firma Günther-Bau zuletzt um die naturnahe Gestaltung. Nahe der Gewerbeflächen und dem Max-Rubner-Institut soll Platz sein für ein bisschen mehr Natur.

Lebensraum für Tiere

"Wesentliche ökologische Verbesserungen sind an dem ehemaligen Mühlkanal nicht möglich", erklärt der Planer. Dennoch habe das Wasserwirtschaftsamt etwas dafür getan. Mehrere der sogenannten Röhrichtwalzen sind im Uferbereich ausgelegt worden. Dabei handelt es sich um drei Meter lange und 20 Zentimeter dicke Gebilde aus natürlichem Gewebe und Erde. Unter anderem sind Schilf und Schwertlilien darin vorgepflanzt. Wenn sie im kommenden Frühjahr austreiben, dann bilden sie einen natürlichen Bewuchs am Ufer. In dem Röhricht können Tiere einen Lebensraum finden.

Der Umbau der Hochwasserschutzanlagen bedeutete vor allem im Bereich der Gummistraße einen Eingriff in die Natur. Etliche Bäume mussten dort gefällt werden. Als Ausgleichsflächen hat sich das Wasserwirtschaftsamt den Roten Main bei Unterzettlitz ausgesucht. Dort sind Uferbereiche ökologisch gestaltet worden. Die alte Befestigung wurde entfernt, damit der Fluss einen natürlichen Verlauf finden kann. Zudem hat das Wasserwirtschaftsamt am Roten Main neue Bäume pflanzen lassen.

Der ehemalige Mühlkanal sei im Zuge der Bauarbeiten auch optisch verbessert worden. "Der Fluss verläuft nicht mehr schnurstracks geradeaus, sondern leicht geschwungen und aufgelockert", sagt Michael Stocker. Außerdem seien im Fluss in Absprache mit dem Bezirksfischereiverein steinerne Schwellen verlegt worden, um den Sauerstoffeintrag zu erhöhen.

Billiger als geplant

Das Wasserwirtschaftsamt spricht von einer guten und reibungslosen Zusammenarbeit mit allen betroffenen Anwohnern und Firmen. Positiv sei auch die Kostenentwicklung gewesen, sagt Michael Stocker. Ursprünglich waren mehr als 5,3 Millionen Euro vorgesehen. Am Ende hat das Gesamtprojekt weniger als vier Millionen Euro gekostet. Die Hälfte davon zahlt der Freistaat Bayern, knapp 50 Prozent übernimmt die Europäische Union. Die Stadt Kulmbach zahlt dauerhaft den Unterhalt für das Pumpwerk und zusätzlich einen mittleren fünfstelligen Betrag für die Erhöhung der Deiche.

Das nächste Wasserbau-Projekt ist 2019 der Lückenschluss zwischen Purbach und Flutmulde.

 

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