Wegen Diesel-Krise? Autozulieferer Dr. Schneider auf Kurzarbeit

KRONACH-NEUSES. Nach Informationen unserer Zeitung hat der Automobilzulieferer Dr. Schneider die Arbeitszeiten reduzieren müssen. Auf Nachfragen gibt es nur eine inhaltslose Antwort.

Die wegen Dieselgate und neuen Verbrauchsnormen gebremste Nachfrage bei deutschen Autobauern scheint auch der Zulieferer Dr. Schneider in Kronach-Neuses zu spüren bekommen. Nach Informationen unserer Zeitung soll es im Unternehmen Kurzarbeit geben. Dr. Schneider will dies weder bestätigen noch dementieren. 

Wir wollten von dem Autozulieferer wissen: Gibt es bei Dr. Schneider Kurzarbeit? Wenn ja: wo, in welchem Werk, wie lange? Hat es in der Vergangenheit bereits Kurzarbeit gegeben? Wie ist die momentane Auftragslage? Muss möglicherweise mit Beschäftigungsabbau gerechnet werden? Außerdem: Hat Dr. Schneider den Umsatz 2018 erneut steigern können und war das Unternehmen auch im vergangenen Jahr in der Gewinnzone?

Die Antwort auf unsere Nachfragen lässt alle Möglichkeiten offen. In der Stellungnahme des Unternehmens heißt es: „Unser Unternehmen ist momentan dabei, die Auswirkungen verschiedener aktueller Szenarien innerhalb der Automobilindustrie zu analysieren und abzubilden. Daher kann ich Ihnen zum  jetzigen Zeitpunkt leider keine Antworten auf Ihre Fragen zukommen lassen. Unsere Geschäftsführung wird Ende Februar ein Statement  dazu abgeben. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“

Das Unternehmen hatte vor wenigen Tagen Schlagzeilen gemacht, als bekannt wurde, dass Parag Shah, der Vorsitzende der Geschäftsführung, zum 1. März von Thomas Stadelmann, der für die Werke in Polen und Spanien verantwortlich zeichnet, abgelöst wird. Shah bleibt aber als Geschäftsführer Vertrieb im Unternehmen. Für das Kaufmännische zeichnet weiterhin Wilhelm Wirth verantwortlich. 

Shah hatte im Gespräch mit unserer Zeitung die schwierigere Lage an den Märkten eingeräumt. Sie seien unruhig geworden, Dieselgate und Elektromobilität würden für Verunsicherung sorgen. 

Mit einer Umsatzsteigerung von 500 auf 517 Millionen Euro im Jahr 2017 war das Unternehmen langsamer gewachsen als in vielen Vorjahren. Für 2018 liegen noch keine Zahlen vor.

Dr. Schneider hatte in den vergangenen Jahren ein geradezu stürmisches Wachstum verzeichnet. So lag der Umsatz im Jahr 2000 bei 166 Millionen Euro, heute bei weit über 500 Millionen. Damit einher ging ein starker Zuwachs der Beschäftigung: von gut 1700 im Jahr 2000 auf über 4000 Mitarbeiter aktuell. 

Neben Spanien und Portugal produziert das Unternehmen in den USA, China und an seinen drei deutschen Standorten Neuses, Judenbach (Thüringen) und Tschirn (Kreis Kronach). Die angebliche Kurzarbeit soll nicht das Stammwerk in Neuses betreffen.

Der Elektromobilität kann Dr. Schneider relativ entspannt entgegensehen. Der Zulieferer stellt Belüftungssysteme, Module für Instrumententafeln und Mittelkonsolen, Verkleidungen und mechatronische Komponenten her. Vom erwarteten Rückgang des Verbrenners ist er also direkt kaum betroffen. Sollte der Wandel der Mobilität allerdings die deutschen Autobauer auf Dauer schwächen, hätten auch Zulieferer wie Dr. Schneider ein Problem. 

 

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