Wasser: Hilft den Leupsern Unterstützung?

Ist in desolatem Zustand: Das Quellenhaus der Leupser Wasserversorgung. Seit Jahrzehnten wurde hier nach Angaben der Leupser nichts mehr investiert. Foto: Archiv/red

Die Bürgerinitiative Pro Leupser Quellwasser bekommt Unterstützung in ihrem Kampf um den Erhalt der eigenen Wasserversorgung: Eine Unterschriftenaktion im Internet und auch auf Listen, die in Leups ausliegen, hat mehrere Hundert Unterschriften bekommen. Die Juragruppe liefert ebenfalls Zahlen für ihre Argumente – und hat das knapp 900 000 Euro teure Projekt des Anschlusses von Leups fertig geplant.

„Es läuft“, sagt Anja Lüthje, die Sprecherin der Initiative Pro Leupser Quellwasser. „Online haben wir innerhalb weniger Tage für unsere Petition rund 380 Unterschriften bekommen. Auf den Listen, die im Gasthaus Gradl ausliegen, sind es mindestens 50 Unterschriften.“ Die wenigsten haben tatsächlich Verständnis für einen geplanten Anschluss der Gemeinde Leups mit ihren rund 200 Einwohnern an das Netz der Juragruppe. Teils, weil sie „es für sinnvoll halten, dass es auch dezentrale Versorgungen gibt, noch dazu mit gutem Quellwasser“, wie einer im Gespräch mit unserer Zeitung sagt.

Hümmer bleibt bei "krankem Wasser"

Was die Leupser ärgert, waren Aussagen des Werkleiters der Juragruppe, Hans Hümmer, als Reaktion auf Berichte über die sich formierende Bürgerinitiative. Hümmer hatte von „krankem Wasser“ gesprochen, hatte die geringe Quellschüttung ins Feld geführt und zudem die hohen Wartungs- und Sanierungskosten als einen Grund dafür angeführt, dass die Leupser Eigenversorgung schon bald zu Gunsten eines Anschlusses ans Jura-Netz beendet werden solle. Doch Hümmer bleibt beim „kranken Wasser“. Von 17 Prüftagen seit 2005 war an neun das Rohwasser belastet, also das Wasser direkt nach der Quelle. Dem Kurier liegen die Prüfberichte vor.

"Krankens Wasserhaus statt krankes Wasser"

Der von der Juragruppe beauftragte Gutachter Stefan Muschler sagt: Das Wasser sei nach der UV-Aufbereitung „keimfrei und entspricht den Anforderungen der Trinkwasserverordnung“. Lüthje sagt: Die Verunreinigung des Wassers durch Kolibakterien sei „auf menschliche oder tierische Ausscheidungen zurück zu führen. Also eher durch ein krankes Wasserhaus als durch krankes Wasser“.

"Sanierung hat keinen Einfluss"

Krank nicht, kontert Hümmer, denn die Jura-Gruppe habe es in den vergangenen Jahren mit High-Tech-Anlagen aufgerüstet. Aber bald sanierungsbedürftig. Noch könne dort der Betrieb wie vorgeschrieben weiterlaufen. „Doch die Sanierung hat keinen Einfluss auf die Qualität des Wassers“, sagt Marc Vierhuff, Diplom-Ingenieur der Jura-Gruppe.

Quellschüttung hat nachgelassen

Was die Quellschüttung angeht, haben laut Lüthje die vergangenen 50 Jahre gezeigt: „Die Quelle schüttet stabil. Und drei mal so viel, wie wir brauchen“. Die Statistiken der Juragruppe, die dem dem Kurier vorliegen, widersprechen dem: Die Wassermenge des Leupser Brunnens ging zurück. „Wie bei allen oberflächennahen Quellen“, sagt Hümmer. Aber die Mengen seien für die Frage der Leupser Eigenversorgung nur zweitrangig. Denn dort darf nur soviel entnommen werden, wie es das Wasserrecht erlaubt. Die Genehmigung stammt von 1956 und dort steht eine Höchstmenge von 36 Kubikmeter am Tag, das entspricht 26 Litern in der Minute. „Aber in der Spitze brauchen wir mehr“, sagt Hümmer und nach der Spitze richtet sich das, was geplant wird. Der Neubau eines Wasserhäuschens und der Anschluss an das Jura-Netz kommt auf etwa 900 000 Euro. Allein das Pumpwerk schlägt im Plan mit 322 000 Euro zu Buche. Deutlich weniger dagegen dürfte die laut Bürgerinitiative einst auf 400 000 Euro geschätzte Sanierung der beiden Quell- und Hochbehälterhäuser kosten: „Da wir der Juragruppe keine Pflichtverletzung durch Unterlassung vorwerfen möchten, ist anzunehmen, dass unser Wasserhaus im Inneren sämtlichen Vorschriften entspricht“, sagt Lüthje. Insofern gehe man davon aus, dass sich der Sanierungsbedarf im Inneren der Gebäude in Grenzen halte.

"Anlage lässt sich nicht weiterbetreiben"

Bereits 2011 gab es die Überlegung, die Anlage in Leups zu erneuern. Schon damals sei für die Techniker klar gewesen: „Die Anlage bringt auf Dauer nicht viel Erfolg“, sagt Ingenieur Vierhuff. Und selbst bei einer Sanierung hätte man ein neues Pumphaus mit Aufkalkungs-Anlage und Auffangbehältern bauen müssen. „Die Anlage lässt sich definitiv nicht mehr weiterbetreiben unter den Regelwerken der Trinkwasserversorgung“, sagt Hümmer.

Gerichtsbeschluss als Fallstrick

Aber die Leupser stützen sich auf eine Zusage Hümmers und des ehemaligen Pegnitzer Bürgermeisters Manfred Thümmler aus dem vergangenen Jahr: Dass man in eine Sanierung der Wasserversorgung „nur investiert, wenn die Wasserabnahmemenge konstant bleibt“. Lüthje: „Sie bleibt ja auch konstant. Der Landwirt, der einen Brunnen bauen wollte, baut erst einmal nicht.“ Der aber hat einen rechtskräftigen Gerichtsbeschluss in der Tasche, sagt Hümmer. Er könne von heute auf morgen seinen Brunnen bauen, davon müsse die Juragruppe ausgehen. „Das ist der Rechtsbestand“, sagt Hümmer, und „in anderthalb Jahren Jahren läuft Karstwasser in Leups.“

Die Grundstücke, auf denen die Quellen sind, wurden laut Bürgermeister Uwe Raab (SPD) an die Jura-Gruppe „übertragen“, nicht verkauft. Das habe bereits in den 1990er Jahren angestanden.

 

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