Was bleibt vom Eröffnungszauber? Das erste Jahr des sanierten Markgräflichen Opernhauses

BAYREUTH. Man mag es als perfekte Symbiose empfinden, wenn im Markgräflichen Opernhaus Barockopern aufgeführt werden. Wenn sie denn aufgeführt werden. Tatsächlich konnte man ab April 2018, als die Wiedereröffnung des prachtvollen Hauses anstand, so etwas wie Euphorie verspüren, die von Bayreuths Weltkulturerbe ausging. Aufführungen der Oper „Artaserse“ sowie Gastspiele von namhaften Ensembles und Orchestern – für einige Wochen wurde Bayreuth seinem Anspruch, eine Kulturstadt zu sein, tatsächlich gerecht. Doch was ist geblieben? Kann der Zauber der ersten Stunde auch ins Jahr 2019 transferiert werden?

Was auf jeden Fall bleiben wird, ist der Interessenkonflikt zwischen Veranstaltern und Besuchern auf der einen Seite und der bayerischen Schlösserverwaltung auf der anderen. Denn: Der Wunsch nach vielen Aufführungsterminen steht dem Ziel der Schlösserverwaltung entgegen, das Haus in erster Linie museal zu pflegen und möglichst ohne abgenutzte Ecken und Kanten für die Nachwelt zu erhalten.

„Das muss unbedingt hoch verhandelt werden.“

Die magische Zahl heißt 30. So viele Tage pro Jahr hatten die Verantwortlichen des Hauses für Schließtage für Proben und Aufführungen zugestanden. Aus Sicht von Udo Schmidt-Steingraeber, der immer wieder hochrangige Pianisten nach Bayreuth lockt, viel zu wenig: „Ich bin extrem enttäuscht, das muss unbedingt hoch verhandelt werden.“ Und: Das Markgräfliche Opernhaus sei eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bayreuth. „Man muss das als Einheit mit dem Friedrichsforum sehen, dann wird das auch erfolgreich sein.“

Wie Steingraeber sagt, verläuft die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Schlösserverwaltung vor Ort in Bayreuth hervorragend, allerdings ist der organisatorische Aufwand für Veranstalter höher als an anderen Spielstätten. Ein Büro, in dem alle Modalitäten gebündelt umgesetzt werden können, fehlt.

Außerdem ist für die Veranstalter das finanzielle Risiko nicht zu unterschätzen. Mit rund 500 Plätzen ist das Haus nicht gerade groß. Das heißt: Mit den Abendeinnahmen muss man sehr genau kalkulieren und sie ins Verhältnis zu den Mietkosten setzen.

Kein Gesamtprogramm für das Markgräfliche Opernhaus

Laut Kulturamtsleiterin Gabriele Röhler liegt die Grundmiete für das Haus bei knapp 1200 Euro. Den weitaus größeren Posten machen allerdings die Nebenkosten aus. Nimmt man die Kosten für das Personal für den Bühnenumbau, den Einlassdienst, die Beleuchtung und die Feuerwache hinzu, so kommt man für einen Abend schnell auf 6000 Euro. Will ein Veranstalter, wie etwa Udo Schmidt-Steingraeber, auch überregionales Publikum ansprechen und das Konzert entsprechend bewerben, kommen nochmals einige tausend Euro obendrauf. Die Sache kann schnell zum Draufzahlgeschäft werden.

Dennoch sagt auch Gabriele Röhler mit Blick auf die Zahl 30: „Ich würde mir mehr wünschen.“ Um sogleich auf einen großen Mangel zu verweisen: Nach wie vor gibt es kein Gesamtprogramm, in dem Besucher über alle Veranstaltungen, von der Führung bis zur Opernaufführung, informiert werden. Anfragen nach einem Spielplan würden zwar immer wieder im Kulturamt eingehen, doch der Wunsch kann bislang nicht erfüllt werden.

Eine einheitliche Darstellung mit allen Veranstaltungen würde sich auch Clemens Lukas, Geschäftsführer der Agentur Kulturpartner, wünschen. Lukas wird im Jahr 2019 voraussichtlich rund 15 Aufführungen, darunter auch Barockopern, im Markgräflichen Opernhaus veranstalten. Was er sich vor allem wünschen würde: „Mehr Luft bei den Proben.“ Denn genau an diesem Punkt zeigt sich der Grundkonflikt des Hauses. Wird der prachtvolle Raum für eine Probe gebucht, können keine Besuchergruppen durch das Haus geschleust werden. Für den Veranstalter wird ein Nutzungsausfall fällig. Doch trotz der vielen Regeln, die zu beachten sind, lobt auch Lukas die Zusammenarbeit mit der Schlösserverwaltung: „Jeder möchte, dass es gut läuft.“

Die Musica bringt wieder Opern in das Haus

Im Eröffnungsjahr konnten die Besucher denn auch einige hochrangige Veranstaltungen in Wilhelmines Musentempel erleben. Wie die bayerische Schlösserverwaltung auf Kurier-Anfrage mitteilt, hat es seit der Wiedereröffnung des Hauses 33 Aufführungen gegeben. Jedoch würden aufwendige Veranstaltungen wie Neuproduktionen logistisch, organisatorisch und personell die Möglichkeiten des Hauses übersteigen. Solche Produktionen würden das Markgräfliche Opernhaus für den normalen Besucherverkehr aufgrund umfangreicher Proben zu lange nicht erlebbar machen. „Fertige Produktionen, die beispielsweise nur einen halbtägigen Probentermin vorher benötigen, können sehr gut realisiert werden“, heißt es in der Mitteilung der Schlösserverwaltung. Grundsätzlich habe der Museumsbetrieb Vorrang vor dem Veranstaltungsbetrieb. Die Einschränkung auf 30 Schließtage soll gewährleisten, dass die Besucher das Opernhaus das Jahr über so oft wie möglich erleben können. Weiter heißt es: „Auch zu Wilhelmines Zeiten wurde das Opernhaus in der Regel im Sommer bespielt, somit entspricht dies auch seiner Geschichte.“

Musikliebhaber müssen sich also gedulden. Zumindest bis Mai 2019. Dann wird die Musica Bayreuth das Haus in bewährter Weise bespielen.

 

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