Wartezeiten Heizöl: Langsam wird's eng

Die Wartezeiten auf Heizöl werden länger - vom hohen Preis ganz zu schweigen. Foto: Paul Zinken/dpa

BAYREUTH. Die Lage verschärft sich. Heizöl ist teuer wie seit Jahren nicht mehr. Wer den Tank in seinem Haus auffüllen möchte, muss außerdem hier und da deutlich längere Wartezeiten als normal einplanen. An beidem wird sich in den kommenden Monaten wohl nichts ändern, sagen Händler in Ober- und Unterfranken.

Laut Robert Raimund, Geschäftsführer von Raimund Mineralöl in Creußen, sind drei Ursachen für die Situation verantwortlich. „Ein großes Problem für Bayern und Franken ist die Explosion in der Raffinerie in Ingolstadt“, sagt er. Dadurch sei die Produktion des Industriebetriebs zum Erliegen gekommen. Zum anderen sei der Pegel größerer Flüsse wie der des Rheins zu niedrig für die schweren Tankschiffe.

Die wichtigen Lieferungen von den Umschlagplätzen an der Nordsee zu den Großlagern in Süddeutschland und Franken blieben aus. Drittens werde die Raffinerie in Gelsenkirchen überholt. Der Termin sei zwar schon länger bekannt gewesen, komme nun aber denkbar ungünstig.

Unglücklicher Zufall

„Dass alle drei Probleme kurz vor dem Winter auftreten, ist ein unglücklicher Zufall“, sagt Raimund. Denn gerade jetzt steige die Nachfrage. Haus- und Wohnungsbesitzer füllen ihren Tank auf, um im Winter nicht zu frieren. Die ausbleibenden Lieferungen aus dem Norden bedeuten für Raimund längere Wege. „Wir holen unser Heizöl jetzt selbst aus Lederhose, Gera und Magdeburg.“ Vier Stunden sind seine Fahrer für eine Lieferung unterwegs.

Beschaffung im Norden

Doch auch dort gibt es für die Händler der Region bald nichts mehr zu holen. Von kommender Woche an plant er mit Fahrten nach Hamburg und Rostock. Dadurch möchte der Händler sicherstellen, in seinem Lager noch eine Reserve vorrätig zu haben. „Einen Engpass befürchte ich nicht“, sagt Raimund. Durch die weiteren Strecken müssten seine Kunden nun länger auf ihr Heizöl warten.

Rückgang erst im Frühjahr

Raimund erwartet, dass die Heizölpreise bis mindestens Weihnachten nicht sinken. Einen Rückgang erwartet er erst im kommenden Frühjahr. „Damit die Flüsse für Tankschiffe wieder ausreichend gefüllt sind, müsste es acht Wochen am Stück regnen.“ Verbrauchern rät er, wenn möglich erst im Frühjahr wieder Heizöl zu kaufen. Er beliefert Kunden in Stadt und Landkreis Bayreuth.

Kleine Händler zittern

Für kleinere Händler ist die Lage ernster. „Ich bin total verzweifelt“, sagt Günther Wölfel, Inhaber von Mineralöl Wölfel in Zeil am Main. Er klagt über einen Heizöl-Engpass. Bis zu fünf Wochen müssten seine Kunden auf die Flüssigkeit warten. Dennoch versichert er: „Wer dringend eine Lieferung braucht, um über den Winter zu kommen, wird bevorzugt.“ Vier Tankladungen mit 32.000 Litern braucht er am Tag, um sein Geschäft am Laufen zu halten. Dafür fahren seine Mitarbeiter bis zum Großlager nach Leuna in Sachsen-Anhalt. Doch auch dort gehe das Heizöl zur Neige. Touren nach Hamburg hat er deshalb auch schon eingeplant. 16 Stunden wäre ein Lastwagen hin und zurück auf der Straße. Zudem müsste ein zusätzlicher Fahrer bei jedem Lkw ins Lenkrad greifen, um die Fahrtzeiten einzuhalten. „Diese zusätzlichen Kosten treiben den Preis nochmals in die Höhe.“

Lieferung per Zug

Anders beurteilt Großhändler Sebastian Leu, Geschäftsführer von Leu Energie in Hof, die Lage: „Die schlimmste Phase haben wir überstanden.“ Dennoch sei es für die Branche schwierig, die Versorgung aufrechtzuerhalten. Er setzt auf die Anlieferung per Schiene. Züge von den Raffinerien an der Nordsee würden die Lager in Süddeutschland einfacher erreichen als Tankschiffe. Auf ein paar Stunden Verspätung müsse er sich dennoch jedes Mal einstellen. Laut Leu kommen pro Woche durchschnittlich zwei Züge mit je 1,5 Millionen Liter Heizöl direkt auf das Firmengelände in Hof.

"Keiner muss frieren"

Das sind pro Jahr 150 Millionen Litern, welche die Versorgung in der Region sichern. Aber auch seine Kunden müssten sich auf Lieferzeiten von bis zu vier Wochen einstellen. Dennoch versichert er: „Einige Menschen müssen zwar etwas länger auf ihr Heizöl warten, doch frieren muss im Winter niemand. Wir behandeln alle Kunden gleich und disponieren entsprechend!“ Der Energiehändler Leu beliefert Verbraucher in Oberfranken sowie im angrenzenden Thüringen und Sachsen.

Auch Michael Schmidbauer, Inhaber des Heizölhandels Hermann Dötschel in Sonnefeld im Landkreis Coburg, setzt auf die Schiene. „Ein Anbieter kann immer liefern“, gibt er sich gelassen. Gegenwärtig arbeiteten er und seine Mitarbeiter die „Auftragsflut“ der vergangenen Wochen ab. Zehn Tage müssten seine Kunden längstens auf ihre Lieferung warten. Um sein 80.000 Liter großes Lager zu füllen, könne er kurzfristig einen Zug ordern. Dennoch merke auch er, dass der niedrige Wasserstand der Flüsse vor allem den Händlern südlich der Mittelgebirgen Sorgen bereite.

In anderen Regionen noch schlimmer

Unter- und Oberfranken jedoch sind nicht so sehr vom Heizöl-Engpass betroffen wie andere Regionen in Süddeutschland. Dort gehen inzwischen sogar Tankstellen zeitweise Benzin und Diesel aus. Cornelia Wagner, Pressesprecherin des Betreibers des Würzburger Hafens, erklärt, dass „in unseren Häfen keine Öltankschiffe anlegen“. Auch auf dem Main-Donau-Kanal verkehren laut einer Mitarbeiterin der Pressestelle des Nürnberger Hafens keine Tankschiffe. Ein Binnenschiff transportiert in der Regel etwa 3000 Tonnen Heizöl. Das entspricht 40 Tankkesselwagen der Bahn oder 120 Tanklastwagen.

 

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