Warnstreiks: Metaller legen Arbeit nieder

Rund 100 der 300 Beschäftigten des Mistelgauer Werkes der Firma Kennametal folgten am Donnerstag dem Aufruf zum Warnstreik der Gewerkschaft IG Metall. Fotos: Andreas Harbach

Flexiblere Arbeitszeiten zugunsten der Beschäftigten und eine Lohnerhöhung von sechs Prozent fordert die IG Metall in den derzeit laufenden Tarifverhandlungen. Da die Arbeitgeber die Forderungen der Gewerkschaft ablehnen, rief sie die Beschäftigten zahlreicher Betriebe auch in Oberfranken am Donnerstag zu Warnstreiks auf. Unter anderem legten Beschäftigte des Kennametal-Werkes in Mistelgau und der KSB in Pegnitz die Arbeit nieder.

„Mein Leben, Meine Zeit – Arbeit neu denken“ steht auf der Verpackung der roten Wecker, versehen mit dem IG-Metall-Logo, die zum Abschluss des Warnstreiks an die Teilnehmer verteilt werden. Die Wecker waren keine nachträglichen Weihnachtsgeschenke der Gewerkschaft an ihre Mitglieder, sondern der Hinweis auf die zentrale Forderung der IG Metall in den derzeit laufenden Tarifverhandlungen: das Recht auf Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden.

Arbeitszeit, die zum Leben passt

Rund 100 der 300 Beschäftigten des Kennametal-Werkes in Mistelgau waren am Donnerstag der Aufforderung der Gewerkschaft IG Metall gefolgt und legten ab 14 Uhr die Arbeit nieder, um ihrer Gewerkschaft den Rücken zu stärken. Und den Rückhalt ihrer Mitglieder benötigt die IG Metall bei diesen Tarifverhandlungen vielleicht mehr als in allen Verhandlungen zuvor. Noch nie zuvor hatte die Gewerkschaft so konkret wie jetzt die Forderung nach einer Arbeitszeit, „die zu unserem Leben passt“, wie der Vorsitzende des Betriebsrates, Alois Heinlein, betonte, gestellt. Bisher seien es immer die Arbeitgeber gewesen, die von ihren Beschäftigten flexible Arbeitszeiten verlangen. Das vergangene Jahr habe einmal mehr gezeigt, was Arbeitgeber darunter verstehen: Sonderschichten, Überstunden, Wochenendarbeit. „Wir arbeiten immer flexibler, rund um die Uhr, auch am Wochenende, so wie es dem Arbeitgeber passt. Wir wollen, dass unsere Arbeitszeiten auch mal zu unserem Leben, zu unseren Bedürfnissen und zu unseren Familien passen“, begründete Gewerkschaftssekretär Stefan Winnerlein die Forderung der IG Metall. Nach Vorstellung der Gewerkschaft soll jeder Arbeitnehmer den Anspruch erhalten, für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren seine Arbeitszeit auf bis zu 28 Wochenstunden verringern und danach wieder zu seiner alten Arbeitszeit zurückkehren zu können. Damit wolle man verhindern, so Winnerlein, dass die Kollegen in der Teilzeitfalle hängen bleiben. Auch wenn die Arbeitgeber diese wie auch die Forderung nach einer sechsprozentigen Lohnerhöhung als realitätsfremd bezeichnen würden, zeige eine Umfrage unter Mitglieder der IG Metall, dass die Forderung nach Arbeitszeitverringerung auf große Resonanz stößt. Deshalb, so Winnerlein, wolle man dem Konzept der Arbeitgeber, immer länger und immer flexibler zu arbeiten, mit einem neuen modernen Konzept begegnen. Die Zeiten, wo man sich die Reduzierung der Arbeitszeit „erbetteln“ musste, sollen endgültig vorbei sein. Winnerlein: „Es wird Zeit für eine Flexibilisierung in die andere Richtung.“

Sechs Prozent mehr Lohn

Und auch diese Forderung wurde von den warnstreikenden Beschäftigten des Kennametal-Werkes mit Beifall und Pfiffen begrüßt: Die Erhöhung der Löhne um sechs Prozent. Die Auftragsbücher seien voll, betonte Heinlein. Da seien sechs Prozent mehr als gerecht. Jahr für Jahr würden die Dividenden um zehn Prozent und mehr steigen, den Aktionären würde das Geld in den Rachen geworfen. „Aber für uns, die Beschäftigten, die die Gewinne erarbeiten, sind angeblich schon sechs Prozent viel zu viel“, sagte Winnerlein. Das Angebot der Arbeitgeber bezeichnete er als „Provokation“. Ab April sollen die Löhne um zwei Prozent steigen, für die Zeit bis April soll jeder Arbeitnehmer eine Pauschale in Höhe von 200 Euro erhalten. Dieses Angebot solle jedoch nur zum Tragen kommen, wenn die Gewerkschaft im Gegenzug zustimmen, dass die Arbeitszeit erhöht und flexibler gestaltet werden könne sowie die Zuschläge für Überstunden wegfallen. „Das ist“, rief Winnerlein in das Pfeifkonzert der Streikenden hinein, „schlicht unverschämt.“

Für Arbeitskampf gerüstet

Dass die Verhandlungen auf eine schnelle Einigung hinauslaufen, scheint man auch bei den Mitgliedern und Funktionären IG Metall nicht zu glauben. Deshalb plant mal schon mal für de nächste Woche eine Fahrt nach Pegnitz zu einer größeren Kundgebung und sollte auch bei der letzten Verhandlungsrunde am 26. Januar kein Ergebnis erzielt werden, werde man, so Winnerlein, zu 24-stündigen Warnstreiks übergehen. Und wenn es sein müsse, sei man auch für einen „richtigen Arbeitskampf“ gerüstet.

Keine bezahlten Pausen mehr

Streikstimmung auch beim Pumpen- und Armaturenhersteller KSB in Pegnitz, dem größten Arbeitgeber im Landkreis Bayreuth. „Da herrscht null Bewegung, was in den Medien manchmal als Angebot bezeichnet wird, ist eigentlich gar keins, sondern letztlich eine Mogelpackung“, so Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Oberfranken-Ost. Eine Einmalzahlung von 200 Euro für das erste Quartal und eine Lohnerhöhung von zwei Prozent ab April sei kein Angebot, sondern eher eine Provokation. Weil dem unerfüllbare Wünsche der Arbeitgeber gegenüber stünden: Wochenarbeitszeiten bis zu 42 Stunden ohne Zuschläge für Überstunden, Wegfall des Kündigungsschutzes für ältere Beschäftigte, Wegfall der Regel, nach der nicht mehr als 13 Prozent der Belegschaft in einem Unternehmen mehr als 35 Stunden pro Woche tätig sein dürfen, wenn die Auftragslage eine solche Mehrarbeit erfordert. Und nicht zuletzt Wegfall der bezahlten Pausen im Drei-Schicht-Betrieb.

So sahen das auch die 500 Teilnehmer am Warnstreik, die – begleitet von einer Polizeieskorte – vom Werkstor am Waidmannsbach zum KSB-Verwaltungsgebäude zogen. Bringt die dritte Verhandlungsrunde keinen Erfolg, ist der nächste Streik programmiert – dann soll der Marsch zu einer Kundgebung auf dem Pegnitzer Marktplatz führen.

 

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