Wagner-Tenor Manfred Jung gestorben

Das Rheingold 1996, "Mime" Manfred Jung mit"Rheintochter" Joyce Guyer. Zwei Jahre später beendete Jung seine Laufbahn in Bayreuth. Foto: Rudi Schröder / Archiv

Keine Tenorrolle im "Ring", die er nicht gesungen hätte: Manfred Jung war einer der herausragenden  Wagner-Sänger. Über 20 Jahre sang er bei den Bayreuther Festspielen. Wie seine Familie am Dienstag mitteilte, ist Manfred Jung am Karfreitag nach langer, schwerer Krankheit  im Alter von 76 Jahren in Essen gestorben.

Manfred Jung hatte den Berufs eines Elektroingenieurs erlernt. Zunächst arbeitete er denn auch hinter den Kulissen am Theater in Essen. Dann aber beschloss er, seine Stimme auszubilden und wurde an der Folkwang-Musikhochschule Schüler von Hilde Wesselmann.1967 bereits feierte er sein Wagner-Debüt in Bayreuth - bei den Bayreuther Jugendfestspielen, als Arindal in Wagners Frühwerk "Die Feen".  1970 bis 1973 wirkte er im Chor mit, 1971 schon wurde er vom Opernhaus Dortmund engagiert.

1980 im "Jahrhundert-Ring": Siegfried schmiedet Nothung. Quelle: Youtube

Ein genialer Quereinsteiger

Seine Karriere nahm nun schnell Fahrt auf, innerhalb weniger Jahre machte er sich weltweit einen Namen als Wagner-Tenor. Engagements führten ihn auch  nach Köln, Düsseldorf und an die Deutsche Oper Berlin. 1975 gastierte er unter Herbert von Karajan bei den Salzburger Osterfestspielen. Seit 1977 gehörte er zu den ersten Kräften des  Festspiel-Ensembles -  da gab er  als Siegfried in der „Götterdämmerung“ sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen. Diesem Auftritt in Patrice Chereaus „Jahrhundertring“ folgten 20 Jahre als Solist bei den Bayreuther Festspielen. Manfred Jung ist einer der wenigen Tenöre, die - wenn auch nicht am Grünen Hügel - alle Tenorpartien im „Ring“ gesungen haben. In Bayreuth aber bleibt er auch als Parsifal, Loge und Mime in Erinnerung.

Erfolgreich mit Karajan

Ähnliche Erfolge erzielte er bei den Osterfestspielen von Salzburg unter Herbert von Karajan, hier vor allem als Tristan und als Parsifal (1980). Weltweit war Jung für Festivals und Konzerte unterwegs. Er gastierte an den Opernhäusern von Zürich, Chicago und Toronto, an den Staatsopern von Wien, Hamburg, München und Stuttgart, an der Deutschen Oper Berlin, in Brüssel, Göteborg, Barcelona, Köln und Frankfurt, in Karlsruhe, Lissabon, Basel, Rom und Montreal. 1980 wurde er mit einem Fünfjahresvertrag an die Metropolitan Oper New York verpflichtet für Partien wie den Siegmund und den Siegfried im "Ring", den Walther von Stolzing in den "Meistersingern", den Tristan und den Florestan in Beethovens "Fidelio". Überhaupt - Jung war nicht auf Wagner festgelegt und glänzte auch in zahlreichen anderen Rollen.

Jahrhunderttenor im Jahrhundertring

1982 erhielt er für die Einspielung des Bayreuther „Ring des Nibelungen“ unter Pierre Boulez den Grammy Award. 2005 wurde Manfred Jung künstlerischer Leiter der „Junge Musiker-Stiftung“, die in Bayreuth den „Cantilena Gesangswettbewerb“ organisiert, der junge Nachwuchssänger fördert.

Der musikalische Nachwuchs hatte in ihm einen so verständnisvollen wie strengen und konsequenten Vermittler, der sich trotz seiner Krankheit noch die Energie abtrotzte, die er seinen Schülern für ihren  schwierigen Weg mitgeben wollte.

 

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