Ab 14. März im Kino Reisedoku: 46.000 Kilometer durch Westafrika

Ulrich Stirnat und Lena Wendt sind derzeit auf Kinotour. Am Sonntagabend stellten sie ihren Reisefilm „Reiß aus“ im Cineplex in Bayreuth vor. Bundesstart ist am 14. März. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Lena Wendt und Ulrich Stirnat wollten von Hamburg nach Südafrika fahren. Nach einem halben Jahr Auszeit wollten sie zurück sein. An ihrem Ziel sind sie nie angekommen. Und ihre Reise ist noch immer nicht zu Ende. Aus ihren privaten Kameraaufnahmen ist der Film "Reiß aus - Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum" entstanden. Während ihrer Preview-Kinotour legten sie einen Stopp in Bayreuth ein.

Am Anfang der Reise stand Ullis Zusammenbruch. Der Medizintechniker war erschöpft und ausgebrannt. Seine Freundin Lena, TV-Journalistin und Fotografin, überredete ihn zu einer Reise, von Nord nach Süd, durch Afrika. Ein Kontinent, der Lena seit ihrer Kindheit magisch anzieht. Das ist die Vorgeschichte zu dem Filmprojekt „Reiß aus“, die in der Reisedokumentation jedoch so nicht erzählt wird.

Holprige Straßen, heiße Sonne

Vielmehr beginnt der Film im dichten Blättergestrüpp. Die Sonne blendet. Ein Land Rover Defender rollt über eine holprige Straße. Der Wagen wird in den nächsten Monaten Lenas und Ullis Dreh- und Angelpunkt. Der Geländewagen ist ihr Zuhause und ihr wichtigstes Transportmittel auf den rund 46.000 Kilometern, die sie in nahezu zwei Jahren zurücklegen.

Am Ende wird Ulli nach zig Pannen gelernt haben, wie man Autos repariert – und in schwierigen Situationen gelassen bleibt. Das Geld für die Reise haben die beiden vorher zusammengetragen, aus eigenen Ersparnissen und Spenden. „Wir haben wenig gebraucht“, sagt Ulrich Stirnat später im Gespräch mit Jutta Geyrhalter vom Evangelischen Bildungswerk Bayreuth und Bad Berneck. „Das meiste haben wir für Sprit und Ersatzteile ausgegeben.“

Technische und menschliche Abenteuer

Nicht nur technische Abenteuer mit ihrem Gefährt sind zu überwinden. Von Marokko über die Westsahara, Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau und Gambia, Mali und Burkina Faso geht es weiter an die Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin. Die beiden Deutschen kämpfen sich durch Wüstensand und überwinden steinige Schotterpisten, erleben Regengüsse und Unwetter und lernen die Gastfreundschaft der Einheimischen kennen. Sie werden zum Tee eingeladen, und der Gastgeber kramt ein altes deutsch-arabisches Wörterbuch hervor. Französisch lernen Ulli und Lena unterwegs, manche verstehen Englisch, aber der größte Teil der Verständigung funktioniert über die Körpersprache.

Verbotene Jagd auf Schildkröten

Das Filmmaterial wirkt authentisch wie ein Tagebuch: Die Reisenden nehmen unmittelbar teil am Leben der Menschen in Afrika. Vom Verkehrschaos in den Städten, über das Leid streunender Hunde und den Lerneifer von Kindern in Mame Sys Nachhilfeschule – überall ist der Zuschauer der Reisedoku direkt dabei. Selbst dann, wenn es grausam oder eklig wird, etwa bei der verbotenen Jagd auf Schildkröten und dem Entfernen von Parasiten aus Tierkörpern.

Lachen und Weinen

„Reiß aus“ ist kein aufgepeppter Reisebericht, sondern der Film zeigt, wie das Leben wirklich ist. Man sieht Surfer, die Spaß beim Wellenreiten haben - genauso wie angeschwemmten Müll an den Stränden. Man sieht lachende Kinder und baufällige Hütten in Armenvierteln. Man sieht wie Ulli und Lena weinen und um ihren gestorbenen Hund trauern, der von einem Krokodil gefressen wurde.

Neben den äußerlichen Erlebnissen geht es weit mehr noch um das Innenleben des ungleichen Paares. Lena ist meistens fröhlich, abenteuerlustig, nervenstark und lässt sich auf Land und Leute neugierig ein. Ulli dagegen wird bald alles zu viel, er ist gestresst und fühlt sich nicht als wäre er im Urlaub, sondern als stehe er ständig unter Strom. Frustriert fliegt er nach 14 Monaten an Weihnachten heim. „Ich habe die Erfahrung gebraucht, um herauszufinden, was ich wirklich will“, erzählt er hinterher. In Deutschland merkt er, dass er sich verändert hat.

Reise zu sich selbst

Weil er die eigenen Grenzen noch besser kennenlernen will, fliegt er aber zurück. Ulli war im Gegensatz zu Lena noch nie länger als sechs Wochen am Stück auf Reisen. Er merkt: Egal, wo er ist, seine Ängste hat er mit im Gepäck. Sie sagt, sie fühle sich daheim verloren und nur wenn sie weg fahre, sie nicht produktiv sein müsse, gehe es ihr gut. Erst jetzt habe sie „den Schlüssel“ gefunden: „Ich habe das Glück immer im Außen gesucht, aber das Glück ist immer da, man muss nur nach Innen schauen.“

Hilfsbereit und wissbegierig

Auf ihrer Reise machen sie Bekanntschaft mit Fischern und Webern, Ärzten und Tierärzten, erleben Jagdtourismus, Wilderei und schwarze Magie, mittels der ein Dieb gestellt werden soll. Grenzsoldaten und Polizisten sind manchmal korrupt. Oft begegnen ihnen hilfsbereite Erwachsene und wissbegierige Kinder und Jugendliche. Der Rückweg führt durch Guinea, Liberia und Sierra Leone, Länder, die stark unter Ebola gelitten haben. Der Film endet unmittelbar, mitten auf der Straße, wie er begonnen hat.

"Habe Vertrauen in dich"

„Habe Vertrauen in dich und die Welt“: Diese Botschaft wollen die Macher des Films den Kinobesuchern mitgeben. Denen, die selbst gerne reisen oder noch zögern, aufzubrechen, wollen sie Mut machen, das „Aber“ über Bord zu werfen. „Jeder hat einen anderen Traum. Und jeder sollte sich trauen, seinem eigenen Gefühl zu folgen“, sagt Lena. Ulli ergänzt: „Trau dich loszulaufen, habe keine Angst vor Fehlern, aus denen du lernen kannst.“ Am Ende gebe es immer eine gute Geschichte zu erzählen. „Und meistens kommst du lebend raus.“


Info: Reiß aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum" startet am 14. März im Verleih von Abgefahren GbR und im Vertrieb von 24 Bilder Film GmbH bundesweit in den Kinos.

 

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