Vor 50 Jahren: FC-Jugend schafft Sensation

Lang, lang ist’s her: Die A-Jugend des FC Bayreuth wurde 1967 sensationell bayerischer Meister mit (hinten von links) Peter Zeitler, Norbert Panitz, Reiner Pawlick, Peter Keller, Peter Fuchs, Günter Heyer und Oswald Will sowie (vorne von links) Walter Eck, Günter Neuß, Willi Brunner und Günther Klinkisch. Foto: red

Vor fast genau 50 Jahren: Es ist der 31. Mai 1967, der Tag, an dem der Aufstieg des FC Bayern München zur deutschen Fußballmacht beginnt. Dank eines Treffers von Franz „Bulle“ Roth in der Verlängerung gewinnen die damals vom legendären Tschik Cajkovski trainierten Landeshauptstädter in Nürnberg gegen die Glasgow Rangers mit 1:0 und holen erstmals den Europapokal der Pokalsieger… So viel zur „großen“ Fußball-Geschichte. 17 Tage später schreibt die A-Jugend des 1. FC Bayreuth Sportgeschichte in der Wagnerstadt.

Als krasser Außenseiter bezwingt das Team des ehemaligen Bayreuther Nationalspielers Hans „Jumbo“ Zeitler den als Titelverteidiger angereisten Nachwuchs des neuen Europacupsiegers im Halbfinale der bayerischen Meisterschaft mit 3:2, um sich dann eine Woche darauf mit einem 5:2 (2:1)-Endspielsieg gegen den FV 04 Würzburg (mittlerweile Würzburger FV) selbst die Krone aufzusetzen. Wie stark die damalige FC-Jugend war, zeigte sich bei der darauf folgenden Süddeutschen Meisterschaft, als man hinter dem VfB Stuttgart und Kickers Offenbach Dritter wurde.

In Kulmbach vor 2000 Zuschauern

Günther Klinkisch (68), zu Beginn der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bei der SpVgg Bayreuth bis in die Zweite Liga aktiv, erinnert sich gerne an den ersten Höhepunkt seiner Laufbahn zurück: „Auf neutralem Platz im Stadion des ATS Kulmbach waren damals gut 2000 Zuschauer. Für uns Junge war das damals natürlich eine Riesensache, zumal wir sonst immer vor gerade einmal hundert Fans gespielt haben.“

Aufregung verspürte die Mannschaft erstaunlicherweise nicht, maßgeblichen Anteil daran hatte Trainer Zeitler: „Jumbo hat uns gesagt, dass wir nichts zu verlieren hätten“, sagt Klinkisch und ergänzt: „Und dann fügte er noch hinzu: Geht raus und haut sie weg.“

Eine Szene wird Klinkisch immer besonders im Gedächtnis bleiben: „Das war die 69. Minute. Da habe ich – fast genauso wie Arjen Robben – den Ball genau im Torwinkel versenkt.“ Es war der Siegtreffer, nachdem die Zeitler-Elf bei Halbzeit noch 1:2 hinten gelegen hatte.

Was waren die Qualitäten des Teams? „Wir haben auf Teufel komm raus gestürmt und hatten eine Klasseverteidigung mit Peter Keller als Klassetorwart und Norbert Panitz als Libero mit viel Übersicht“, weiß Klinkisch. Natürlich blieben diese Qualitäten nicht verborgen, die Aufmerksamkeit der Scouts des FC Bayern wurde geweckt: „Die haben uns vor dem Halbfinale sogar beobachten lassen.“

Sechs des Teams rückten nach dem Titelgewinn in die erste Mannschaft auf, die damals in der Landesliga spielte. „Da haben wir gleich den Sprung in die Bayernliga geschafft“, sagt Klinkisch. „Dann sind wir aber gleich wieder abgestiegen.“ Und sein Weg führte ihn dann auf die Jakobshöhe.

FC-Team trifft sich regelmäßig

Von den elf Akteuren, die am Endspiel vor 50 Jahren beteiligt waren (die Möglichkeit zu Wechseln gab es zu dieser Zeit noch nicht), leben noch zehn. „Oswald Will hat uns leider schon sehr früh verlassen“, weiß Klinkisch.

Doch der Rest mit Keller, Panitz, Günther Neuß, Peter Fuchs, Wilfried Brunner, Peter Zeitler, Rainer Pawlick, Walter Eck und Günter Heyer, der seit Jahren dem FC Eintracht Bayreuth vorsteht, trifft sich regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr und lässt die alten Zeiten aufleben. „Zuletzt war ein Teil der Mannschaft Ende April beim 90. Geburtstag unseres Trainers Jumbo Zeitler.“ Der Kontakt des Teams zum Ex-Nationalspieler ist nie abgerissen.

Jubiläum wird besonders begangen

Das Meister-Jubiläum wird besonders begangen: „Wir sind ausgerechnet von unserem Finalgegner eingeladen worden“, erzählt Klinkisch. „Die Würzburger wollen ihren Vizetitel ausgiebig feiern.“ Doch zum eigentlichen Termin am 24. Juni haben viele der ehemaligen FCler aus den verschiedensten Gründen keine Zeit. „Jetzt treffen wir uns halt im September.“  

Und dann wird Günther Neuß sicherlich auch von seinen vier Toren im Endspiel erzählen, das ebenfalls auf neutralem Platz in Erlangen-Büchenbach stattfand. Und Klinkisch, der im damaligen Zeitungsbericht vom mittlerweile verstorbenen ehemaligen Sportredakteur der Fränkischen Presse, dem späteren Neudrossenfelder Bürgermeister Hans Bär, als überragender Mann am Platz gelobt wurde, von seinen vier Vorlagen zu den fünf FC-Treffern.

Auch der damalige Bayreuther Oberbürgermeister Hans-Walter-Wild war bei brütender Hitze einer der mehr als 700 Augenzeugen eines Ereignisses, das sich seitdem nicht mehr wiederholte. Es sollte der einzige bayerische Titel einer Bayreuther A-Juniorenmannschaft bleiben…

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