Von Hehler zu Hehler Diebes-Domino mit Motorsäge

Immer wieder gern genommen - auch von Dieben: Eine Stihl-Motorsäge. Foto: Thomas Niedermüller dpa-Archiv

BAYREUTH. Eine sechsmonatige Freiheitsstrafe hat Amtsrichter Holger Gebhard gegen einen 37-jährige Bayreuther verhängt. Ein Fall, in dem die Frage: „Wer sti(e)hlt die vielen Stihl-Geräte?“ eine unerwartete Antwort erhielt.

Es war im Sommer vergangenen Jahres als der Inhaber eine Bayreuther Dienstleistungsfirma den Anruf eines Bekannten erhielt. Der Bekannte berichtete ihm, ihm seien eine Heckenschere, eine Kettensäge und ein Laubbläser zum Kauf angeboten worden. „Dir fehlen doch solche Sachen?“, frage der Bekannte sinngemäß. Der Firmenchef schaltete die Polizei ein.

Zur Durchsuchung bei dem Anbieter im Landkreis nahmen Ermittler der Bayreuther Polizei den Firmenchef mit, der anhand von Gerätenummern sein Eigentum identifizierte. Der Mann, der sie angeboten hatte, gab an: Er habe die Ware von einem Bekannten aus Bayreuth angeboten bekommen.

Angesichts des Namens dieses 37-Jährigen klingelte es bei den Ermittlern: Er ist vielfach wegen Eigentumsdelikten vorbestraft. Doch er war nicht der Dieb und nicht der letzte Stein, der in diesem Dienstahls-Domino fiel: Gestohlen hatte die Geräte eine Frau, die bei der Dienstleistungsfirma gearbeitet hatte und dort in mindestens zwei Fällen zulangte.

Ende Mai 2018 kam die Diebin mit zwei Stihl-Gartengeräten zu dem 37-Jährigen. Der sagte am Donnerstag als der Hehlerei Angeklagter vor Gericht, dass er damit zusammen mit der Bekannten zunächst einmal in seinem Garten gearbeitet habe. Schließlich habe seine Bekannte gefragt, ob er die Geräte für sie verkaufe. „Ich habe zu dem Zeitpunkt nicht gewusst, dass die Sachen gestohlen waren. Sonst hätte ich sie ja nicht in Ebay-Kleinanzeigen gesetzt. Ich bin doch nicht blöd.“ 250 Euro bekam der 37-Jährige für die zwei Geräte von einem Gartenbesitzer aus Bayreuth, der die gestohlene Ware später wieder herausrücken musste.

Einer hat für solch dubiose Fälle einen Namen

Das Geld gab der 37-Jährige weiter an die vermeintliche Besitzerin, die ihn dann Anfang Juli erneut um Verkaufshilfe bat: Diesmal, so sagte der Angeklagte in seinem Prozess, sei ihm klar geworden, dass er als Zwischenhändler für heiße Ware diente. Seine Bekannte habe behauptet, sie habe bei ihrer Firma nicht den vereinbarten Lohn erhalten und hole sich das Geld nun auf diesem Weg.

Dabei habe die Bekannte ihm eröffnet, dass sie auch die von ihm im Mai verkauften gestohlen habe. „Sie sagte, sie traut sich nicht, die Sachen zurückzubringen und sie will ihrem Chef eine reindrücken.“

Der Angeklagte wandte sich an den Mann im Landkreis, der für solche Fälle einen Namen habe – was Strafrichter Gebhard so umschrieb: „Dass er als dankbarer Abnehmer dubioser Gegenstände bekannt ist?“

Der Angeklagte beteuerte: „Ich habe nichts an den Verkäufen verdient.“ Und dennoch muss der 37-Jährige eine hohe Rechnung zahlen: Der Mann hat elf Einträge im Strafregister und steht unter Bewährung. Staatsanwalt Jan Köhler beantragte eine neunmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Verteidiger Johannes Driendl meinte, hier liege „kein Normalfall“ vor und beantragte eine Geldstrafe.

Der Richter sagte: „Das müssen sie leider auslöffeln, eine Geldstrafe lässt sich nicht mehr begründen.

Der bestohlene Firmeninhaber bekam seine Gerät zurück. Die Diebin ist bereits verurteilt. Der erste Hehler nunmehr auch. Jetzt fehlt nur mehr der Prozess gegen den zweiten Hehler.

 

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