Vom Seifensieder zum Wotan Wagner-Sänger Theo Adam im Alter von 92 Jahren gestorben

BAYREUTH. Für fast drei Jahrzehnte zählte er zu den bedeutendsten Sängern der Bayreuther Festspiele. Nur wenige dürften über derart viele Einträge in der Aufführungsdatenbank des Hauses verfügen wie Theo Adam. Anhand dieser Statistik kann man wunderbar nachvollziehen, was es einst für einen Opernsänger bedeutete, sich hoch zu arbeiten.

Theo Adams erster Eintrag datiert im Jahr 1952 als Hermann Oertel in „Die Meistersinger von Nürnberg“. Es waren die kleinsten Rollen, mit denen der Bassbariton aus Dresden in Bayreuth begann. Man konnte sich damals offenbar noch viel Zeit lassen, um den Weg vom Seifensieder zum Wotan zu beschreiten. So folgten für Adam in den weiteren Jahren zunächst der zweite Gralsritter in „Parsifal“, Vierter Edler in „Lohengrin“ und der Steuermann in „Tristan und Isolde“. Erst acht Jahre später schloss sich mit Veit Pogner eine weitaus umfangreichere Rolle an. Im Jahr 1963 trat Theo Adam dann zum ersten Mal in Bayreuth als Wotan in Erscheinung – eine der Rollen, mit denen er Operngeschichte schreiben sollte. Bis 1975, in der „Ring“-Inszenierung von Wolfgang Wagner, sang er die Partie auf dem Grünen Hügel. Den Gurnemanz bis 1980. Zu einer weiteren Glanzrolle zählte Hans Sachs. Insgesamt waren es mehr als 100 Partien, die der Dresdener Kammersänger in den größten Opernhäusern der Welt verkörperte.

„Meine schönste Zeit war eindeutig Bayreuth“

Am vergangenen Donnerstag ist Theo Adam im Alter von 92 Jahren gestorben. Mit 80 Jahren hatte er sich ins Private zurückgezogen, auch singen wollte er nicht mehr. Seine letzten Jahre verbrachte der Künstler, dessen markanter weißer Haarschopf früher im Kulturleben präsent war, im Pflegeheim.

„Meine schönste Zeit war eindeutig Bayreuth“, sagte er zu seinem 80. Geburtstag. Dank seiner Stimme gehörte er zu den DDR-Künstlern, die trotz Mauer auch im Westen Deutschlands auftreten durften. 70 Jahre hat der Sohn eines Dekorationsmalers alles aus seiner Stimme herausgeholt und knapp 60 Jahre auf den Opernbühnen der Welt gestanden. Am 30. November 2006 beendete er seine Karriere dort, wo sie am ersten Weihnachtsfeiertag 1949 begann – mit dem Eremiten in Webers „Freischütz“ in der Dresdner Semperoper.

Moderator, Schriftsteller und Jurymitglied

Seine Zeit als Kruzianer bezeichnete er als persönliches Glück. Nach dem Krieg war er dann Lehrer und studierte nebenher Gesang beim früheren Heldentenor Rudolf Dittrich. Der Umfang seiner Stimme erlaubte Aufgaben als dramatischer Bass- und Heldenbariton ebenso wie Modernes. So sang er die Titelrolle in Alban Bergs „Wozzeck“ oder Doktor Schön in „Lulu“, „Einstein“ von Paul Dessau ebenso wie den Ochs in Richard Strauss’ „Rosenkavalier“. Der Baal in der Uraufführung der gleichnamigen Oper von Friedrich Cerhas bei den Salzburger Festspielen 1981 war seine 100. Rolle. Ihn gab er 1996 zum letzten Mal – mit 70.

Unter bekannten Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Karl Böhm, Herbert von Karajan und Franz Konwitschny entstanden zudem mehr als 100 Schallplatten mit Opernarien, Kantaten, Oratorien, Messen, Passionen und Liedern. Der vielfach ausgezeichnete Künstler aus Dresden moderierte ebenso im Fernsehen, machte als Schriftsteller auf sich aufmerksam und engagierte sich als Jurymitglied bei Musikwettbewerben. Dabei gab er dem Nachwuchs sein Credo mit: „Fleiß, Selbstkontrolle, Disziplin und vor allem mit den Füßen auf dem Boden bleiben.“

„Ich kann sagen, dass ich immer sehr glücklich war“

Dieser Maxime blieb Theo Adam, der sich bis ins hohe Alter mit Schwimmen fit und schlank hielt, selbst auch treu. „Ich kann sagen, dass ich immer sehr glücklich war“ – so resümierte er zum 85. Geburtstag seinen beruflichen Erfolg und sein harmonisches Privatleben am noblen Elbhang in Dresden.

Die Landschaft, die einst Künstler, Dichter und Gelehrte wie Friedrich Schiller, Richard Wagner, Christian Gottfried und Karl Theodor Körner inspirierte, war Teil seines Lebenselixiers: gesund leben, nie rauchen und immer treu sein.

Mit Material von dpa

 

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