Vollerwerb, Nebenerwerb, Zuerwerb Erfolg mit drei unterschiedlichen Erwerbsstrategien

Landwirt Martin Ponfick gibt einem erst wenige Stunden ales Kälbchen am Dienstag (25.03.14) auf seinem Hof in Unterölschnitz idie Flasche. Der Vollerwerbs-Landwirt hält auf seinem Hof rund 90 Michkühe und betreibt eine 150 Kilowatt Biogasanlage. Bilder für LandwirtschaftsserieFoto: Torsten Silz

Wie Bauern im Haupt- oder Nebenberuf heute mit unterschiedlichen Betriebskonzepten überleben, schildern wir im dritten Teil unserer Landwirtschaftsserie. Die einen setzen auf Milchkühe und Biogas, wie Martin Ponfick. Als Milchfahrer und Bullenmastbauer arbeitet Günther Schaller. Neben seinem Busbetrieb züchtet Klaus Raps Angus-Rinder. Drei Beispiele aus dem Landkreis Bayreuth.

Martin Ponfick, Vollerwerbslandwirt, 29, Unterölschnitz: "Die Arbeit gefällt mir wie verrückt"

"Mit Milch bin ich groß geworden. Aber ich kann keine mehr trinken wegen meiner Laktoseintoleranz. Ich habe noch einen 30-jährigen Bruder, der Neurologe ist und eine 22-jährige Schwester, die als Erzieherin arbeitet. Mir hat das Mitarbeiten auf dem Hof schon immer Spaß gemacht. Das gefällt mir einfach wie verrückt mit Tieren und Pflanzen umzugehen, Getreide auszusäen und immer wieder neue Strategien auszuprobieren.

Nach meiner Gesellenzeit war ich drei Semester auf der Landwirtschaftsschule und habe meinen Abschluss als Agrarbetriebswirt und den Meistertitel gemacht. Das war ein bisschen eine Prestigesache für mich. Wir kommen am Sonntag immer im Feuerwehrhaus zum Stammtisch zusammen, ein Wirtshaus haben wir ja nicht mehr, und da hat man dann wenigstens was zu erzählen.

Neben den Milchkühen ist unser zweites Standbein die Biogasanlage. Wir haben eine halbe Million Euro dafür investiert und nach zehn Jahren rechnet sie sich dann hoffentlich. Damit heizen wir unser Wohnhaus und das Nachbarhaus und eine Wärmeleitung führt auch in den Stall.

Meine Eltern helfen auf dem Hof noch mit und meine Großmutter ist auch noch da. Auch meine Frau, die von Beruf Versicherungskauffrau ist, aber aus einer kleinen Landwirtschaft herausstammt, unterstützt uns. Gestern Nacht hat bei uns eine Kuh gekälbert, die wir jetzt mit der Milchflasche großziehen. Wenn sie vier bis fünf Wochen alt sind, kommen die Kälber auf den Kälbermarkt. Jeder hat natürlich seine Lieblingskuh, klar, man hängt an seinen Viechern. Eine Kuh wird ungefähr fünf bis sechs Jahre alt. Aber das ist hier eben Nutztierhaltung und keine Haustierhaltung, das darf man nicht vergessen. Unsere Kühe haben auch keine Hörner mehr, denn sie würden sich sonst verletzen.

Ein Arbeitstag beginnt für mich um 6 Uhr, dann bin ich zwei Stunden im Stall, dann wieder um 17 Uhr und gegen 19 Uhr sind wir fertig. Das Wichtigste ist, dass ein Betrieb gut strukturiert ist. Wir haben unser Jungvieh vor drei Jahren ausgelagert, dadurch haben wir mehr Platz und die Tiere sind trotzdem gut versorgt. So hat jeder was davon, wir Bauern müssen zusammenhalten.“

Günther Schaller, Zuerwerbslandwirt, 38, Großweiglathal: "Ausschlafen gibt’s nicht"

"Seit fünf Jahren ist meine Frau Nadine bei mir mit auf dem Hof, sie stammt ursprünglich aus Wesel. Ihr Großvater hat früher Pferde gehabt, eigentlich ist sie Krankenschwester.

Mein Vater hat den Hof auf Leibrente gekauft. Ich bin eigentlich gelernter Kfz-Mechaniker und arbeite jetzt noch als Milchfahrer.Mein Vater war mit Leib und Seele Bauer und ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Wir haben eine moderne Landwirtschaft, dass heißt, wir kommen auch mal raus, für ein, zwei Wochen kann auch der Opa den Betrieb noch übernehmen. Die ältere Generation ist ja froh, wenn es irgendwie weitergeht.

Ich stehe meistens um 20 nach 3 Uhr auf und gehe in den Stall, die andere Hälfte macht dann meine Frau. Ausschlafen gibt’s bei uns nicht. Gegen 16 Uhr bin ich dann wieder zurück. Wir betreiben auch noch Ackerbau. Wenn ich abends fertig bin, mache ich noch mal einen Kontrollgang, das gehört sich so.

Wir ziehen die Tiere groß, aber mit 13 Monaten kommen sie zum Schlachter. Unser Fleisch können Sie zum Beispiel dann bei Aldi kaufen. Lebensmittel müssen bezahlbar bleiben, aber wir können nur überleben, wenn wir vom Staat etwas dazubekommen. Unsere Kinder geben den Kälbern oft Namen, ihre eigenen dürfen sie nicht verwenden, es ist schwer, sich dann von den Tieren wieder zu trennen. Sie haben bei uns quasi Familienanbindung.

Reich wird man von alldem nicht, man muss es schon gerne machen, alle, auch die Kinder, müssen an einem Strang ziehen. Was unsere drei Mädchen später mal machen, weiß ich noch nicht.“

Klaus Raps, Nebenerwerbslandwirt, 53, Theta: "Die Mischung macht's"

"Ich habe in den Betrieb 1984 eingeheiratet, bin aber gelernter Landwirt und stamme aus Unterkonnersreuth. Mein Schwiegervater ist Fuhrunternehmer geworden und mittlerweile fahre ich auch gerne Bus. Wir haben mit vier deutschen Angus-Rindern und 20 Hektar angefangen, inzwischen ist unser Hof 70 Hektar groß und wir haben circa 70 Rinder.

Das Busgeschäft gehört meiner Frau Elke, sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau. Immer wieder werden wir gefragt: Wie schafft ihr das alles? Denn wir haben ja acht Busse und Fahrer. Das ist schon ein hartes Geschäft. Es geht aber zusammen mit der Landwirtschaft, weil wir Weidehaltung haben, ab Ostern sind unsere Tiere draußen und erst im Oktober holen wir sie wieder rein. Wir sind noch immer ein Familienbetrieb, eine unserer beiden Töchter fährt auch Bus und ihr Freund hat die Meisterprüfung als Landwirt gemacht. Bei uns kann jeder alles und zur Not kann einer alleine handeln. In der Landwirtschaft sind wir zu viert.

Als Rinderzüchter kennt man sich deutschlandweit. Wir halten unsere Tiere in einem großen Freilaufstall und sind seit zwölf Jahren ein Bio-Betrieb. Bei uns wird nicht gedüngt oder gespritzt, auch das Futter kommt aus biologischem Anbau. Das Fleisch vermarkten wir selbst.

Natürlich sind wir sieben Tage die Woche beschäftigt. Das ist halt eine Organisationssache. Wir machen das mit Leidenschaft und man muss es wollen, ganz klar, es ist eine Einstellungssache. Es gibt ja Dörfer, in denen gibt’s keine Landwirte mehr. Als Bauer hast du ein anderes Bewusstsein davon, woher die Lebensmittel stammen.

Seit ungefähr 1850 wurde unser Hof immer weiter vererbt. Wenn ich ehrlich bin, ist der Gewinn in der Landwirtschaft angenehmer zu erwirtschaften als im Busgeschäft. Die Mischung macht’s. Dass wir ein anderes Familienleben haben als andere, sehen wir entspannt. Für mich zählt, dass ich mein eigener Herr sein kann.“


Info: Vollerwerb, Nebenerwerb, Zuerwerb: Was heißt das?
Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth erklärt den Unterschied. Als Vollerwerbslandwirtschaft wird ein Betrieb bezeichnet, dessen Einkommen vollkommen aus der Landwirtschaft kommt. Landwirt ist in diesem Fall der Hauptberuf (Beispiel 1). In einer Zuerwerbslandwirtschaft wird ein Teil des Einkommens aus der Landwirtschaft bezogen. Ein weiterer Teil kann aus einer landwirtschaftsbezogenen Tätigkeit oder einem anderen Beruf stammen (Beispiel 2). Wichtig ist, dass der größere Teil des Einkommens aus der Landwirtschaft kommt. Die Grenzen zur Nebenerwerbslandwirtschaft sind jedoch fließend. Hier ist die Landwirtschaft als Einkommensquelle im Prinzip untergeordnet, da das Haupteinkommen aus einer anderen Quelle kommt (Beispiel 3).

Hintergrund: Die Fakten zu den Betrieben

Ponfick
Fläche: 118 Hektar; Nutzfläche: 100 Hektar; Wald: 13 Hektar; zirka drei Arbeitskräfte; Ackerzahl: 18 bis 35; Viehzahlen: 90 Milchkühe und 60 Jungtiere. Geschichte: Hof besteht seit dem 16. Jh.; 1957 von den Großeltern übernommen (damals: 11 Hektar Wald, zwölf Kühe, 20 Bullen, fünf Schweine); 1991: Übergabe an Eltern; 1992: Bau eines Milchviehlaufstall; 2005/06: Bau einer Biogasanlage; 2007/08: Sohn steigt in den Betrieb ein.

Schaller
Fläche: 30 Hektar; 14 Wiese Hektar, 15 Hektar Acker; 2 Hektar Wald; 1961 hat Vater Willi Schaller den Hof übernommen; seit 2002: Bullenmast; Viehzahl: 50-60 Tiere, soll auf 100 erweitert werden.

Raps
Fläche: 70 Hektar, Viehzahl: 60-70, ein Bulle, 30 Kühe und die Nachzucht; Geschichte: Hof besteht seit 19. Jh.; 1984 eingeheiratet (damals: 4 Angus-Rinder, 20 Hektar); seit 2002: Bio-Betrieb mit Direktvermarktung.

 

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