Vier Jahre und zehn Monate Blaues Auge für dealenden Waffennarren

Der Mann aus Norddeutschland kam mit einem blauen Auge davon, weil ihm bewaffneter Handel erheblicher Mengen nicht nachzuweisen war. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH. Vier Jahre und zehn Monate Haft hat das Landgericht gegen einen Drogenkurier und Drogendealer aus Norddeutschland verhängt. Die 23-jährige Ex-Freundin des Mannes, die als weibliche Begleitung auf dem Beifahrersitz der Kurierfahrt nach Bayreuth den Anschein der Normalität verleihen sollte, kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten davon.

Sie spielten ein Pärchen auf Ausflugsfahrt nach Bayern: Ganz oben im Koffer lag Damenunterwäsche. Doch unten lagen – bestens und luftdicht verpackt – 1,3 Kilo Marihuana. Das Rauschgift, das am 3. Dezember 2017 von der Kripo beschlagnahmt worden war, kam von einem 25-jährigen Dealer aus dem Raum Bremervörde und war für einen 20-Jährigen bestimmt, der aus Norddeutschland nach Bayreuth zum Studium gekommen war. Und der nebenbei Rauschgift dealte. Schon am 6. November hatte der Dealer aus Norddeutschland dem Studenten persönlich 1,2 Kilo Marihuana gebracht – per Zug, weil er keinen Führerschein hatte.

Für eine zweite Lieferung an den Stundenten schickte der Lieferant einen Geschäftspartner: Der 32-jährige Bauarbeiter ist stark drogensüchtig, konsumierte Cannabis, aber viel lieber Kokain. Das ging ins Geld, so dass er bei dem Lieferanten Schulden hatte.

500 Euro davon konnte er durch die Fahrt nach Bayreuth abtragen – so hoffte er. Doch zwischenzeitlich war der Student in Bayreuth von der Kripo gefasst worden und machte einen anderen „Deal“: Er stellte sich als Lockvogel in einem Scheingeschäft zur Verfügung und in die Falle tappten der 32-Jährige und seine Freundin.

Waffen in der Wohnung bringen hohe Strafdrohung

Bei der Wohnungsdurchsuchung des Paares fand die Polizei in Bremervörde Cannabis und Kokain, aber auch ein Sammelsurium an Waffen. Der 32-Jährige gestand, dass er über Monate umfangreich Kokain eingekauft und weiterverkauft hatte – auch in der gemeinsamen Wohnung. Dies machte den Prozess für das Kurier-Pärchen zu einer schweren Last, denn sie wurden nicht nur für die Beihilfe zum Drogenhandel wegen des Transport der 1,3 Kilo nach Bayreuth angeklagt, sondern auch wegen bewaffneten Drogenhandels mit erheblichen Mengen. Die Mindeststrafe für ein solches Verbrechen liegt bei fünf Jahren.

Zu einem solchen Schuldspruch kam es aber nicht, denn laut der vom Strafkammervorsitzenden Michael Eckstein dargelegten Urteilsbegründung habe den Angeklagten nicht nachgewiesen werden können, dass Geschäfte in erheblichen Mengen direkt aus der Wohnung heraus getätigt worden seien. Für 21 Kokain-Deals erhielt er vergleichsweise milde Einzelstrafen, weil er als Kronzeuge seinen Kokaindealer und auch Abnehmers ans Messer geliefert hatte.

Gegen den Mann ordnete das Landgericht zudem eine Unterbringung in der Drogentherapie an. Ein Gutachter hatte die notwendige Zeit des Entzug auf zwei Jahre beziffert. Weil der 32-Jährige nun fast schon zehn Monate in U-Haft war, kann er nahtlos in die Entziehungsanstalt.

Falls der Entzug gelingt, kommt er nach zwei Jahren auf Bewährung frei. Sollte er rückfällig oder wieder straffällig werden, muss er den Rest absitzen.

 

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