Vier Jahre für Juwelier-Einbruch

So war der Weg der Einbrecher: Vom Vorraum durch ein Loch in die Zwischendecke und durch ein zweites Loch (Foto) in der Zwischendecke in die Schaufenstervitrine. Foto: Archiv/Scherer

Es hätte der große Coup werden können: Drei Einbrecher stiegen auf raffinierte Weise beim Juwelier Böhnlein in der Maxstraße ein. Sie sackten Luxusuhren im Wert von mehr als einer Million Euro ein und lösten zuletzt doch noch stillen Alarm aus. In ihrem Prozess kamen Indizien auf den Tisch, dass sie einer professionellen Bande angehören könnten. Jeder aus dem Trio bekam vier Jahre Haft.

Ein 21-jähriger Polizeimeister der Polizeiinspektion Bayreuth-Land und sein Streifenpartner waren am Montagmorgen des 14. August auf dem Rückweg von einem Einsatz. In Höhe der Zentralen Bushaltestelle kam über Polizeifunk diese Meldung: "Einbruchsalarm beim Juwelier Böhnlein in der Maxstraße." In weniger als zwei Minuten waren die zwei Polizisten am Tatort. Bei dem Juweliergeschäft war das Rolltor heruntergelassen, allerdings waren Seitenflügel an dem Tor geöffnet, so dass man durch einen Schlitz ins Innere des Vorraums des Geschäftes blicken konnte. "Ich sah oben in der Vitrine ein Loch und unten am Boden der Vitrine eine Person, die Uhren in einen Rucksack einpackte."

Was der Beamte in dem Moment nicht sehen konnte: In dem Vorraum befanden sich zwei weitere Männer. Das Juweliergebäude wurde umstellt, der Geschäftsinhaber Bruno Böhnlein gerufen, der den Mechanismus zum Öffnen des Rolltores betätigte. Als das Tor sich öffnete, sahen der Juwelier, die Polizisten und ein Polizeihund drei Männer mit ausgestreckten Armen auf dem Bauch am Boden liegen. Es folgte eine "widerstandslose" Festnahme.

Kein Werkzeug, kein Fluchtwagen

Die drei Männer aus Polen im Alter von 37, 26 und 28 Jahren legten in ihrem Prozess Geständnisse ab - besser gesagt: Sie ließen ihre Anwälte Jörg Stingl, Janus Nagel und Johannes Driendl erklären, dass der Sachverhalt der Anklage korrekt sei. Weitere Angaben dazu machten sie nicht. Warum?

Weil sie dann vielleicht unangenehme Fragen hätten beantworten müssen: Wo war das Werkzeug, mit dem sie erst das Schloss für das Rolltor geknackt, dann die abgehängte Zwischendecke im Vorraum hinter dem geöffneten Rolltor aufgebrochen und aufgesägt hatten? Mit wem hatten die drei noch telefoniert, als klar war, dass sie umstellt waren? Wie waren sie nach Bayreuth gekommen, gab es einen oder mehrere Komplizen, der oder die entkommen waren? Sofort nach der Tat hatte es eine Großfahndung gegeben, bei der auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt war. Sie blieb ohne Ergebnis.

Juwelier: Nur mit Hilfe von außen

Juwelier Bruno Böhnlein erklärte im Prozess, dass das Rolltor nur von außen wieder hätte geöffnet werden können. Nach seiner Ansicht hatten die Einbrecher auch nur mit Hilfe weiterer Personen hineinkommen können. Und weitere Komplizen hätten von außen das Tor wieder zugezogen. Dem setzte Verteidiger Janus Nagel die Theorie entgegen, das angeklagte Trio habe das Tor von außen selbst herabgelassen und sich blitzschnell unter dem nach unten bewegenden Tor nach innen gewälzt. Verteidiger Johannes Driendl spitzte das im Plädoyer auf den Satz zu: "Sie waren gleichsam Gefangene ihrer eigenen Straftat." Da dürfte die Sorge mitgespielt haben, dem Trio könnte bandenmäßiges Vorgehen angelastet werden, mit der Folge eines höheren Strafrahmens.

Staatsanwalt Florian Losert beantragte für jeden der drei viereinhalb Jahre Haft. Den Verteidigern war das zu hoch. Die Strafkammer des Landgerichts sprach die drei wegen versuchten besonders schweren Diebstahls schuldig. Als gewerbsmäßige Bande stufte das Gericht das Trio nicht ein - der Vorsitzende Michael Eckstein sagte: "Wir können nur aburteilen, was wir beweisen können."

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