Verzweifelte Suche nach einem Arzt Das hätte ins Auge gehen können

Symbolfoto: red

MISTElBACH. Ein augenärztlicher Notfall am Wochenende – und die Patientin erhält keine schnelle Hilfe. So erging es Eva-Maria Limmer aus Mistelbach. Sie hat sich deshalb an unsere Zeitung gewandt und schildert ihre Erfahrungen.

Limmer hatte sich am Samstag, 6. Oktober 2018, gegen 17 Uhr beim Zurückschneiden der Pflanze Crassula Arborescenz (bekannt als Pfennigbaum) im Garten ein Auge verätzt. Der Stiel der Pflanze enthält eine weiße Milch, die zu Verätzungen führen kann. Sofortiges Spülen und Augentropfen hätten keine Linderung gebracht.

Daraufhin habe sie sich in die Notfallambulanz in der Spinnereistraße in Bayreuth (Orthopädie/Chirurgie) fahren lassen. Eine Behandlung sei nicht möglich gewesen, man habe sie auf die Bereitschaftsnummer der Kassenärztlichen Vereinigung 116117 verwiesen. Dort sei ihr ein Augenarzt in Hof benannt worden, der allerdings nur bis 18 Uhr erreichbar sein würde, hieß es unter der Bereitschaftsnummer. „Das war für uns zeitlich nicht zu schaffen“, berichtete Limmer.

Daraufhin habe sie sich ins Klinikum Bayreuth in die Notfallambulanz fahren lassen. Dort sei keine Hilfe möglich gewesen, man habe sie auf die Augenklinik in Erlangen verwiesen. Doch dort sei unter den im Internet veröffentlichten Notrufnummern niemand erreichbar gewesen. „Daraufhin habe ich erneut die ärztliche Bereitschaftsnummer angerufen“, erläuterte Limmer, man habe ihr den Rückruf des diensthabenden Arztes versprochen.

Dieser sei dann auch erfolgt, der Arzt sei rund 45 Minuten später bei ihr zu Hause gewesen, habe das Auge geprüft und Kamillekompressen empfohlen. Die Kompressen hätten dann zur Linderung der Beschwerden geführt, das Auge habe keinen Schaden erlitten.

Mehr als zwei Stunden

Doch das Hin und Her hat Limmer nachdenklich gemacht. „Die gesamte Aktion hat mehr als zwei Stunden Zeit in Anspruch genommen. In dieser Zeit hätte ich mein Augenlicht verlieren können“, schilderte die Patientin. Enttäuscht zeigt sie sich insbesondere vom Klinikum, das keine Notfallbehandlung am Auge durchführen konnte. Dies gehört ihrem Verständnis nach zur Grundausbildung eines jeden Arztes.

Unsere Zeitung fragte nach. Das Klinikum Bayreuth verfügt nicht über eine eigene Augenklinik. Die Patientenversorgung sei über eine Kooperation/Belegarztregelung mit einem niedergelassenen Augenarzt aus Bayreuth geregelt, erläuterte Klinikum-Pressesprecher Frank Schmälzle. In Notfällen, die während der Praxisöffnungszeiten geschehen, leite das Krankenhaus den Patienten entweder nach vorheriger Ankündigung in eine Augenarztpraxis weiter oder der Augenarzt kommt zur Behandlung des Patienten ins Klinikum.

„Außerhalb der Praxisöffnungszeiten bieten wir in Fällen wie dem vorliegenden Hilfe per Augenspülungen an“, sagte Schmälzle. Die Kassenärztliche Vereinigung stelle außerhalb der Praxisöffnungszeiten einen augenärztlichen Notdienst. In Einzelfällen empfehlen die Notfallmediziner des Klinikums Patienten, die sich in der Notbehandlung vorstellen, sich an Experten in Spezialkliniken zu wenden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) in München verwies auf den Notfalldienst der Augenärzte am Wochenende im Dienstbereich Bayreuth mit den Standorten in Bayreuth, Helmbrechts, Pegnitz, Rehau, Hof, Kronach, Kulmbach und Münchberg.

Freiwilliger Notdienst

Die jeweiligen örtlichen Augenärzte wechseln sich im Dienst ab, erläuterte KVB-Pressesprecherin Birgit Grain. Konkret kann das bedeuten: Wenn ein Patient in Pegnitz am Wochenende einen entsprechenden Notfall hat, muss er je nach Dienstplan bis nach Kronach, Hof oder Rehau zum diensthabenden Augenarzt fahren.

Dieser Notdienst sei von den Augenärzten freiwillig und zusätzlich eingerichtet worden, nicht überall in Bayern gebe es solche Lösungen. Der gesetzlich vorgegebene Bereitschaftsdienst sei ein allgemeiner ärztlicher Notfalldienst vor Ort, sagte Pressesprecherin Grein.

 

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