Verwaltung fällt im Bauausschuss mit dem Plan auf die Nase, die Straße als reine Einkaufsstraße zu erhalten Erdgeschoss-Wohnen in der Sophienstraße

Wohnen in den Erdgeschossen der Sophienstraße zulassen - das wollen die Stadträte. Foto: Andreas Harbach

Das Gassenviertel wird sich verändern. Vor allem die Sophienstraße. Läden werden verschwinden. Und man wird dort wohnen wollen. Deshalb folgten die Stadträte im Bauausschuss nicht der Verwaltung, die im Erdgeschoss Wohnen komplett ausschließen wollte. Das bleibt nicht der einzige Kritikpunkt.

Zwei Teilbereiche hatte der Tagesordnungspunkt in der langen Sitzung am Dienstagnachmittag: Einen von Christa Müller-Feuerstein (SPD) beantragten Sachstandsbericht zum Zustand der Häuser in den Gassen zwischen der Spital- und der Stadtkirche. Also dem Kern der historischen Bayreuther Altstadt. Und als zweiten Punkt das Bebauungsplanverfahren für die Sophienstraße. Das ist der Punkt mit der Einzelhandelsnutzung.

Gassenviertel: Striedl sagte, die Verwaltung habe im Gassenviertel mit vielen Hauseigentümnern gesprochen. Habe eine Stärken-Schwächen-Analyse gemacht, die bis November an die Fraktionen gehe. 200 Häuser habe man untersucht, 42 Prozent seien in baulich gutem Zustand, 49 Prozent seien sanierungsbedürftig, neun Prozent stark sanierungsbedürftig. Mit der Betrachtung sei man nicht am Ende, man werde weiter aktiv auf die Eigentümer zugehen.

Harald Rehm (CSU) sagte, es sei "wichtig, dass wir Bayreuth in dem Bereich liebens- und lebenswert erhalten". Die Untersuchung zeige, dass es noch viel zu verbessern gebe. Die Verwaltung habe aus seiner Sicht gut gearbeitet. Der Konter von Christa Müller-Feuerstein ließ nicht lange auf sich warten: "Ich bin alles andere als zufrieden. Man hat sich in erster Linie mit der Sophienstraße befasst. Von meinem Antrag finde ich hier rein gar nichts." Die Sophienstraße sei aus ihrer Sicht in akzeptablen Zustand. Brennpunkt seien Kirchgasse, Kämmereigasse, Spitalgasse. Diese Erwartung, sagte Heinz Hofmann, habe auch die BG-Fraktion: "Es sollte das ganze Gassenviertel behandelt werden." Bis Januar will Striedl die offenen Punkte nachliefern. Den Fokus stärker auf die anderen Gassen legen. Und mit anderen Städten sprechen, wie die es machen. "Das ist uns durchgerutscht." Sechs von 17 Stadträten verweigerten in der getrennten Abstimmung ihre Zustimmung.

Sophienstraße: Zwei Zielrichtungen verfolge die Stadtverwaltung mit dem Bebauungsplanverfahren für die Sophienstraße, das jetzt zum ersten Mal öffentlich ausgelegen war, sagt Striedl. Man wolle keine Vergnügungsstätten in der Sophienstraße, "um ihre städtebauliche Qualität zu sichern". Und man wolle auch keine Wohnnutzung im Erdgeschoss in den Häusern in der Sophienstraße haben. "Die Sophienstraße als Einkaufsstraße ist ein wichtiger Teil der historischen Mitte Bayreuths und bis heute von besonderer Bedeutung", sagte Striedl. Die Sophienstraße habe eine Scharnierfunktion zwischen der Maxstraße und der südlichen Innenstadt mit Friedrichstraße und Stadthalle. Sie "muss als öffentlicher Handels- und Geschäftsbereich erhalten bleiben". Striedl sagte, es sei durchaus möglich, "die leerstehenden Flächen als Läden zu nutzen". Er sei überzeugt, dass die bevorstehende Sanierung der Stadthalle "die Bedeutung der Magistrale in Zukunft noch weiter erhöhen" werde.

Hier war es Harald Rehm, der Kontra gab: "Wir müssen den Eigentümern die Möglichkeit geben, dass sie Läden umbauen zu Wohnungen, wenn sie sie nicht vermieten können. Aus Jux und Tollerei machen die das nicht." Man dürfe nicht so rigoros sein. Gegebenenfalls, so Rehms Vorschlag, solle man das vor allem langjährigen Eigentümern ermöglichen. Christa Müller-Feuerstein sagte, sie stehe hier Seite an Seite mit der Verwaltung. Die Sophienstraße müsse als Einkaufsstraße erhalten bleiben. "Ich schaue lieber in ein Schaufenster als in ein Schlafzimmer." Ähnlich sah das auch Sabine Steininger (Grüne). Die Sophienstraße habe sich zu einer beliebten Einkaufsstraße entwickelt. "Eine Wohnung im Erdgeschoss würde die nächste nach sich ziehen."

So dankbar er der Verwaltung dafür sei, dass man die Sophienstraße nicht dadurch herunterwirtschaften wolle, dass Vergnügungsstätten einziehen, sagte Heinz Hofmann, so problematisch sei aus seiner Sicht, dass die Verwaltung Wohnen im Erdgeschoss verhindern wolle. "Das ist ein schwerwiegender Eingriff in das Eigentumsrecht."

Die Mehrheit des Bauausschusses, elf von 17 Stadträten, verweigerten der Beschlussvorlage ihre Zustimmung. Vor allem der Punkt der kategorischen Einzelhandelsnutzung wurde abgelehnt.

Mehr dazu:

Gassenviertel: Drei leerstehende Häuser gekauft

Bauausschuss: Mehr Liebe fürs Herz der Stadt

Bebauungsplan für die Sophienstraße

Die Zukunft der Sophienstraße war bei uns im März schon einmal Tagesthema. Hier können Sie die Artikel nachlesen:

Keine Wohnungen im Erdgeschoss, Hauseigentümer protestieren

Ulrike Färber: "Wohnen im Erdgeschoss wertet eine Innenstadt nicht auf"

Sabine Köppel: "Ein gepflegtes Haus ist immer besser als Leerstand"

Hausbesitzer sollen Klartext reden

Auch eine Video-Umfrage gab es:

 

 

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