Unterzeile Abschiebung: Protest blieb ohne Erfolg

Baryalai Salimi verabschiedet sich von Unterstützern und Freunden. Er muss nach Afghanistan zurück. Foto: Udo Bartsch

Ein kurzes Gerangel zwischen Unterstützern und Polizisten, Tränen und Ratlosigkeit: Um 11.34 Uhr gestern endete für Baryalai Salimi die Zeit in Bayreuth. Ein Polizeiwagen brachte den 26-Jährigen nach Frankfurt zur Sammelabschiebung nach Afghanistan. Vor der Ausländerbehörde am Wittelsbacherring blieb eine Schar fassungsloser Unterstützer zurück.

Bis zu letzt hatten Ehrenamtliche dafür gekämpft, dass der abgelehnte Asylbewerber bleiben darf. Das es anders kommt als erhofft, erhofft die meisten der Protestaktion. Barylai Salimi habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Er habe seine Identität nachgewiesen und sei auch keiner, von dem eine terroristische Gefahr ausgehe. Der Mann aus Afghanistan habe Deutsch gelernt und habe gearbeitet, wenn er durfte. Dass er nun ausreisen müsse, sei ein Präzedenzfall. Bislang mussten solche Flüchtlinge nicht zurück in das Kriegsland.

8.30 Uhr, Parkplatz am Richard-Wagner-Gymnasium: Zur Protestaktion vor der Zentralen Ausländerbehörde versammeln sich rund 50 Menschen. Darunter auch der abgelehnte Asylbewerber Salimi. Bunt statt Braun hatte dazu aufgerufen. Die Vorsitzende Anna Westermann, die auch Beauftragte des Evangelischen Dekanats für Flüchtlingsarbeit ist, spricht ins Megafon. Sie verliest die Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Afghanistan. Danach spricht eine Studentin aus dem  Land. Fernsehteams vom Bayerischen Rundfunk und dem arabischen Sender Al Jazeera - Studio Berlin - filmen und führen Interviews. Ein Handvoll Polizisten verfolgen das Geschehen. Dann zieht die Gruppe zur nahegelegenen Ausländerbehörde. Baryalai Salimi geht mit.

9 Uhr, Ausländerbehörde, Wittelsbacherring 3: Anna Westermann, die Salimi betreut, klingelt am Eingang der Behörde.  Salimi musste sich in den vergangen Tagen jeweils um 9 und um 16 Uhr dort melden. Behördenleiter Jürgen Wolf öffnet und lässt Salimi mit Westermann rein. Anderen kann er den Zutritt gerade noch verwehren. Vier Minuten später kommt Westermann wieder raus - ohne Salimi. Da wächst der Unmut. Einige der Jüngeren setzen sich vor den Eingang. Andere laufen um das Gebäude. Auch dort halten sich Polizeibeamte auf. Die jungen Leute versuchen, durch den Hinterausgang in die Ausländerbehörde zu gelangen. Danach sitzen sie auch vor dem Kellerausgang und wollen die Abschiebung verhindern. Wenig später beschwert sich ein im Haus niedergelassener Arzt. Die jungen Leuten mögen doch den Ausgang für seine Patienten freilassen. Er habe schließlich einen Versorgungsauftrag.

 

 

9.45 Uhr: Ein Polizeibeamter fordert die Sitzenden mehrfach auf, den Eingang freizugeben. Flüchtlinge, die Termine bei der Behörde wahrnehmen wollen, werden reingelassen. Auch ein Mann mit einer Akte und einer Brotzeit in der Hand darf rein. Die Situation soll nicht eskalieren. Dann ist von Hausfriedensbruch die Rede.  Auf dem Gehweg wartet auch Günther Hinterobermeier. Er ist Koordinator der Willkommensgruppen in St. Georgen. Seine Meinung: "Das ein nicht straffällig gewordener Flüchtling am Nikolaustag in ein Land abgeschoben wird, in dem ihm Lebensgefahr droht, ist nicht hinnehmbar." Dagegen erhebe er seine Stimmen. Die Ehrenamtlichen aus der Flüchtlingshilfe hofften, dass diese Botschaft die Politiker erreiche.

10.30 Uhr: Hinterm Haus spricht Urs Grüner mit den jungen Leuten. Gegenüber dem Kurier kann sie sich empören: "Das ist ja jenseits von Gut und Böse, wenn Asylbewerber abgeschoben werden, die sich nichts schulden kommen ließen." Die Flüchtlinge seien eine Bereicherung für Deutschland.

11 Uhr: Vor dem Haus frieren die Wartenden. Der Pfarrer Simon Froben von der evangelisch-reformierten Gemeinde sagt seine Meinung: "Afghanistan ist kein sicheres Land. Die Abschiebung dorthin ist ein Novum, das wir nicht akzeptieren wollen". Ein Christ könne da nicht wegschauen. Der Geistliche zitiert die Bibel, Matthäus 21,17.  Vorbei laufende Passanten haben auf dem schmalen Gehweg andere Sorgen. "Muss das hier sein", schnauzt ein Mann. Ein anderer sagt, als er von der Abschiebung erfährt: "Endlich ein Straftäter weniger".

11.20 Uhr: Während sich vor dem Gebäude die Reihen lichten, hat der Rechtsanwalt Philipp Pruy den Verfassungsgerichtshof in München angerufen, um die Abschiebung abzuwenden. Anna Westermann berichtet, dass sich im Gebäude nichts tut. Der Polizeiwagen, der bis dahin die Fahrspur vor der Behörde zur Sicherheit der Protestierenden sperrte, fährt vor.

11.34 Uhr: Für die Wartenden unvermittelt öffnet sich die Eingangstür. Mehrere Beamte führen den gefasst wirkenden Salimi heraus. Der 26-Jährige schaut erstaunt in die wartende Gruppe. "Sie haben jetzt die Gelegenheit, sich von ihren Freunden zu verabschieden", heißt es. Es folgen Umarmungen dann fließen Tränen. Salimi steigt in den Polizeiwagen. Im gleichen Moment setzen sich einige der jungen Leute vor das Fahrzeug. Es gibt ein Gerangel. Dann geht es sehr schnell. Der Fahrer setzt den Polizeiwagen zurück, dreht mit Blaulicht auf dem Ring und fährt schnell  davon. Die Kreuzung Wittelsbacherring/Bismarckstraße bleibt frei. Dort sperrt ein weiterer Polizeiwagen den Verkehr. Salimis Unterstützer schauen ratlos hinterher, eine Frau empört sich verzweifelt. Der Flug nach Kabul ist für 18 Uhr angesetzt.

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