Unternehmertag Der überflüssige Chef

Mit Elan bei der Sache: Multiunternehmer Mike Fischer aus Gera. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH. Erfolg hat, wer Regeln bricht. Das ist das Credo von Mike Fischer, Multiunternehmer aus Gera. Bei ihm hat's funktioniert, und er ist fest davon überzeugt, dass auch andere sein Rezept erfolgreich anwenden können. Zum Beispiel die rund 100 Führungskräfte, die ihm beim Bayreuther Unternehmertag des Schmidt-Collegs zuhörten.

Dass Mike Fischer heute eine der erfolgreichsten Fahrschulen der Republik leitet, war beileibe nicht absehbar. Wobei Fahrschule sowieso nicht das richtige Wort für sein Unternehmen ist. Denn der 55-Jährige hat in Gera fast so etwas wie einen eigenen kleinen Stadtteil geschaffen. Fischerdorf heißt er - ein bisschen Eitelkeit muss erlaubt sein. Ein Dorf mit Fahrschule, einem Internat, in dem Fahrschüler aus ganz Deutschland während ihres einwöchigen Intensivkurses übernachten, einer Pizzeria, Fahrsimulatoren und einem Verkehrsübungsplatz. Dabei gibt es in Gera heute viel weniger Jugendliche und damit potenzielle Kunden als 1990 bei der Gründung der Fahrschule.

Mitarbeitern vertrauen

Dass sein Unternehmen heute trotzdem so erfolgreich ist, schreibt er sich selber höchstens zum Teil zu. In Interviews bezeichnet Fischer den Chef schon mal als überflüssigste Person in der Firma. Die Mitarbeiter und vor allem ihre Ideen und Motivation seien viel wichtiger. Es habe allerdings gedauert, bis er das begriffen hatte. "Heute weiß ich, dass ich nicht selber der Beste in allem sein muss", sagt Fischer. Seine Aufgabe als Unternehmer sei es vielmehr, die Mitarbeiter und ihre Talente zu stärken, statt ihnen von oben herab zu sagen, was und wie sie es zu tun haben. "Als Chef muss man das Leuchten der Mitarbeiter bei einer bestimmten Aufgabe erkennen und ihnen dann vertrauen und etwas zutrauen." Dass sie dann in ihrem Bereich besser werden als der Chef, sei kein Problem, sondern vielmehr das Ziel.

Werbung durch Influencer

Von alleine wäre Fischer jedenfalls nie auf die Idee gekommen, Youtube-Influencer für die eigene Werbung zu nutzen. Shirin David ist eine von ihnen, ihre Filmchen werden von Jugendlichen im Internet millionenfach angeklickt. Sie meldete sich in Gera zum Intensivkurs an und stellte nach bestandener Fahrprüfung einen Film davon ins Netz. Mit der Folge, dass viele ihrer Follower - früher hätte man Fans gesagt - auch bei Fischer den Führerschein machen wollen. Andere Influencer folgten, sodass heute Jugendliche ins Fischerdorf kommen, nur weil sie hoffen, eines ihrer Idole im Fahrschulwagen zu entdecken. Alles potenzielle Kunden natürlich. Heute hat das Fischerdorf selber einen Youtube-Kanal mit eigenen Followern.

Querdenken

Alles gut also im Fischerdorf? Im Moment schon, aber was bringt die Zukunft? Schließlich steht das automatisierte Fahren am Horizont, wer braucht da noch Fahrlehrer? Querdenken soll auch diesmal die Lösung bringen. So hat sich Fischer für die Gründung des örtlichen Kompetenzzentrums für autonomes Fahren engagiert. "Nicht, weil ich das unbedingt befördern will, da wäre ich ja blöd. Aber weil ich das Ohr am Puls der Zeit haben will." Jeder Unternehmer müsse sich heute fragen, wie er durch die Herausforderungen der Digitalisierung komme, statt dabei unterzugehen.

Auf den Montag freuen

Dabei baut Fischer auf seine Mitarbeiter. Seine Aufgabe sei es, ihnen ein Klima zu schaffen, "dass sie sich auf den Montag freuen und nicht auf den Freitag". Um das zu erreichen, müsse sich jeder Unternehmer immer wieder zwei Fragen stellen. "Was habe ich heute getan, damit meine Mitarbeiter wissen, warum sie in meinem Unternehmen arbeiten." Und: "Was habe ich heute getan, damit alle am Unternehmen Beteiligten das Gefühl haben, sie sitzen im selben Boot." Das sei Grundvoraussetzung für Erfolg.

 

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