Unklar, wo Kinder bald zur Schule gehen

Die Kinder der Gemeinde Haag sollen laut Bürgerentscheid bald alle in Bayreuth unterrichtet werden. Manch einer zweifelt aber daran, dass das zum nächsten Schuljahr bereits klappt. Archivfoto: Ralf Münch

Zehn Monate ist es her, da haben die Bürger der Gemeinde Haag entschieden, dass alle Grundschüler künftig in Bayreuth unterrichtet werden sollen. Und noch immer ist völlig unklar, ob die Entscheidung umgesetzt werden kann oder nicht.

Haags Bürgermeister Robert Pensel (CSU) sagt, dass der Gemeinderat die Regierung von Oberfranken gleich nach dem Bürgerentscheid gebeten habe, die Änderung des Schulsprengels zu veranlassen. Seitdem, sagt Pensel, habe er nichts mehr von der Sache gehört. Auch von Seiten der Initiatoren den Bürgerbegehrens heißt es: „Uns hat verwundert, dass da nicht wirklich was passiert ist.“ Aber stimmt das auch?

Noch in diesem Schuljahr gehen die Grundschulkinder des Ortsteils Schreez in die Lerchenbühlschule Bayreuth, die des Hauptorts Haag besuchen die Robert-Kragler-Schule in Creußen. Bei der Regierung von Oberfranken heißt es auf Nachfrage: Der Antrag, den Schulsprengel zu ändern, sei erst am 1. Juni 2016 eingegangen. Und weil vor der Änderung des Schulsprengels etliche Stellen angehört werden müssten, sei eine Umstellung zum Schuljahresbeginn am 1. August 2016 nicht mehr möglich gewesen.

Eine Anhörung dauert zehn Wochen

Weil eine solche Anhörung aber auch nur zehn Wochen dauere, solle sie in Kürze eingeleitet und der Schulsprengel dann zum Schuljahresbeginn 2017 geändert werden. Angehört werden müssten demnach die Stadt Bayreuth und die Verbundsräte des Schulverbands Creußen, zu dem Haag noch gehört: also die Bürgermeister von Creußen, Prebitz und Haag, sowie zwei weitere Stadträte aus Creußen. Dazu kommen: der Landkreis Bayreuth, die Elternbeiräte von Robert-Kragler- und der Lerchenbühlschule, außerdem die kirchlichen Oberbehörden, also Regionalbischöfin Dorothea Greiner und das Erzbischöfliche Ordinariat mit Sitz in Bamberg.

Nur Vorschläge

Sollte eine dieser Stellen der Änderung des Schulsprengels nicht zustimmen, bedeutet das aber noch lange nicht, dass alles bleibt wie es ist. Denn die Regierung trifft die Entscheidung laut Gesetz nicht im Einvernehmen, sondern nur in Benehmen mit den anderen Stellen. Das heißt, sie muss sich nicht an die Stellungnahmen halten.

Bürger kippen Beschluss des Gemeinderats

Dem Bürgerbegehren vorangegangen war ein Beschluss des Haager Gemeinderats. Auf Initiative von Bürgermeister Pensel sollte die Gemeinde Haag dadurch zusammenwachsen, dass alle Grundschüler der Gemeinde künftig auf die gleiche Grundschule gehen, die Robert-Kragler-Schule in Creußen nämlich. Die finanziert die Gemeinde Haag über den Schulverbund seit Jahren mit. Und weil die Schule mit niedrigen Schülerzahlen zu kämpfen hat, sollte mit der Entscheidung auch der Schulstandort Creußen gesichert werden. Im Gegenzug sollten alle Mittelschüler nach Bayreuth gehen. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens, allesamt aus dem Ortsteil Unternschreez, wollten sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, ihr Kinder künftig nach Creußen in die Schule zu fahren. Junge Familien erklärten, sie seien nur wegen der Ausrichtung nach Bayreuth in die Gemeinde gezogen. Mit 340 zu 294 Stimmen kippten die Bürger schließlich den Beschluss des Gemeinderates.

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