Universität Bayreuth bietet neuen Kurs für Studierwillige mit mittlerem Abschluss Mathekurs für Meister

Funktionen, Integrale und Differentialgleichungen sind für manchen ein Buch mit sieben Siegeln: Die Universität Bayreuth hat deshalb einen Mathekurs für Studierwillige ohne Abitur entwickelt. Foto: Seahorse/Dreamstime.com

Studieren ohne Abitur? Die Universität Bayreuth will Menschen, die sich für diesen Bildungsweg entscheiden, den Einstieg erleichtern. In einem speziellen Mathematik-Kurs wird der Stoff von zwei Gymnasiumsjahren nachgeholt.

Es ist ein ehrgeiziges Unterfangen: In nur 14 Wochen können Studienwillige mit Berufserfahrung Differential- und Integralrechnung sowie andere mathematische Feinheiten nachholen, die normalerweise zum Abiturstoff gehören. Der Kurs beginnt im April, Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Das Angebot wurde unter dem Dach der Bayreuther Campus Akademie von Wolfgang Richter entwickelt. Zielgruppe sind beruflich qualifizierte Studieninteressierte mit einem mittleren Bildungsabschluss, die ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium anstreben. Die Auswahl an Studienfächern ist groß: Physik, Chemie, Informatik, Biologie, Geo- oder Ingenieurwissenschaften.

Professor Dieter Brüggemann ist verantwortlich für die Campus Akademie. Er verweist darauf, dass das berufsbegleitende Weiterbildungsangebot der Universität mit den beiden Industrie- und Handelskammern sowie dem Handwerk in Oberfranken abgestimmt sei: „Der demografische Wandel schreitet voran. Deshalb ist es wichtig, dass es solche Angebote gibt.“ Brüggemann ist sich mit Uni-Präsident Stefan Leible einig, dass die Universität mit ihren Angeboten über den Campus hinaus in der Region wirken soll.

Der neue Mathe-Kurs ist dazu gedacht, Studierwilligen mit Berufserfahrung den Einstieg zu erleichtern. Brüggemann: „Wir denken an Handwerksmeister oder Gesellen mit entsprechender Berufserfahrung. Sie haben aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten die Zugangsberechtigung zur Universität, aber das Basiswissen in manchen Bereichen fehlt.“ Mit dem Mathe-Kurs, der korrekt die Bezeichnung Propädeutikum trägt, wolle die Universität den Start ins Studium erleichtern. Die Hochschulen sollten auch für Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss geöffnet werden.

Wolfgang Richter, der den Lehrplan für den Vorkurs entwickelt hat, sagt: „Es gibt Menschen, die über ihren Beruf hinaus etwas tun wollen. Es wäre jammerschade, diese Menschen abzustoßen. Mit dem neuen Kursangebot wollen wir ihnen Mut machen.“

Uni-Präsident Stefan Leible ergänzt: „Absolventen dieses Kurses erhalten ein Zertifikat. Wer daran teilnimmt, geht aber keine Verpflichtung ein, unmittelbar im Anschluss tatsächlich studieren zu müssen.“

Unter dem etwas sperrigen Begriff „Konzertierte Qualifizierungsoffensive der Region Oberfranken zur Weiterbildung von Fachkräften für die Zukunft“ (Quoro) ist im August 2014 ein einzigartiges Projekt gestartet worden: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung steckt bis 2018 mehr als 860 000 Euro in Quoro. Ziel dieses Projektes ist es, den speziellen Weiterbildungsbedarf oberfränkischer Unternehmen zunächst systematisch zu erfassen und sorgfältig zu analysieren. Hieraus werden dann besondere Angebote entwickelt, mit denen sich Fachkräfte in der Region weiter qualifizieren können. Die Idee stammt von Dieter Brüggemann, der unter anderem Weiterbildungsbeauftragter der Universität ist. Die berufliche Qualifikation der Fachkräfte sei besonders wichtig, weil Oberfranken zu den Regionen Europas mit der höchsten Industriedichte zähle: „Die besondere Stärke der Region liegt in ihrer mittelständischen Struktur mit einer Vielzahl hochmoderner Betriebe,“ hatte Brüggemann im August gesagt.

In dieses Zukunftskonzept passt auch die Campus Akademie. Sie hat sich erfolgreich am Markt etabliert: Ihre Studiengänge und Seminare sind so stark nachgefragt, dass die Teilnahmegebühren von jährlich etwa einer Million Euro die Kosten vollständig decken. Jedoch sind diese Angebote bisher nicht auf die Region zugeschnitten: „Diese Lücke möchten wir nun schließen.“

Info: Der Mathe-Vorkurs beginnt am 16. April. Eine Anmeldung ist bis 1. April möglich. Ausführliche Auskünfte erteilt Wolfgang Richter unter 09 21/32 30. Die Anzahl der Plätze ist auf 25 begrenzt. Der Kurs kostet 100 Euro.

 

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