Uni Bayreuth unter den 300 besten

Spielt auch international vorne mit: die Universität Bayreuth. Foto: Andreas Harbach, ha

In der Liste der 800 besten Universitäten der Welt - dem sogenannten THE-Ranking - hat die Universität Bayreuth einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht: Gegenüber 2014 verbesserte sie sich um mehr als 50 Plätze. Unter den 37 Universitäten in Deutschland, die es überhaupt in die Top-Liga geschafft haben, erzielt sie den 27. Platz und überholt damit auch einige sehr viel größere deutsche Hochschulen. Wie ist so ein Sprung möglich?

Die Rangliste (kurz THE-Ranking) wird jedes Jahr neu vom britischen Magazin Times Higher Education aufgestellt. Die besten 200 Unis werden dabei einzeln aufgelistet, danach werden die Hochschulen in 50er Gruppen zusammengefasst: 201 bis 250, 251 bis 300 und so weiter. Angesichts von weltweit rund 10 000 Universitäten ist es schon ein Erfolg, unter den besten 800 gelistet zu werden. Iris Schneider-Burr von der Studienberatung der Uni Bayreuth erklärt, wie wichtig Ranglisten für die Wahl des Studienortes sind: „International sind solche Listen wichtig, weil die ausländischen Unis Studiengebühren verlangen. Viele deutsche Studenten kennen das CHE-Ranking oder das der Wirtschaftswoche. Bayreuth punktet mit seinem schönen Campus, einer guten Wohnsituation und der tollen Betreuung der Studenten.“

Stefan Leible, Präsident der Universität Bayreuth, hatte das Ergebnis zu Beginn des neuen Semesters folgendermaßen kommentiert: „Internationale Hochschulvergleiche wie das THE-Ranking orientieren sich in der Regel an Strukturen und Standards, die sich in angelsächsischen Ländern entwickelt haben. Dies müssen die Universitäten in Deutschland berücksichtigen.“ Gewusst, wie: Der Fragebogen für die THE-Kriterien wurde anders ausgefüllt als früher. Kathrin Maier ist Referentin im Präsidentenbüro der Uni Bayreuth. Sie antwortet auf die Kurier-Fragen:

Wie aussagekräftig sind solche Ranglisten, wenn sie alleine durch Auslegung der Fakten solch große Sprünge ermöglichen?

Kathrin Maier: Diese „Auslegung der Fakten“ stellt endlich wirkliche Vergleichbarkeit her. Bisher haben deutsche Universitäten im internationalen Vergleich in diesen Rankings sozusagen systematisch zu schlecht abgeschnitten, da sich die gewohnten deutschen Begrifflichkeiten und Kategorien eben nicht 1:1 mit den von THE angefragten Zahlen decken.

Der wissenschaftlichen Reputation kommt ein enormes Gewicht im Ranking zu. Wie wird diese Reputation gemessen?

Maier: Die wissenschaftliche Reputation geht über drei Kriterien in das THE-Ranking ein: das Drittmitteleinkommen (das ist der fremdfinanzierte Anteil an Forschungsgeldern), die Anzahl der Publikationen und eine Umfrage unter Wissenschaftlern auf der ganzen Welt, die Universitäten mit hoher Forschungsreputation angeben sollen.

Im Bereich der Lehre ist der Sprung nach vorne ebenfalls sehr groß. Was hat sich da in Bayreuth gegenüber den Vorjahren geändert?

Maier: Wir haben in diesem Jahr versucht, das Verhältnis von akademischem und wissenschaftlichem Personal dem internationalen Kontext anzupassen. Hintergrund ist, dass es im angelsächsischen Universitätssystem üblich ist, als „academic staff“ nur promoviertes, unbefristetes wissenschaftlich tätiges Personal zu zählen. In diesem Jahr hat sich die Universität Bayreuth an dieser Personaldefinition orientiert, wodurch die Personalzahlen im Wissenschaftlerbereich im Vergleich zu der „deutschen Auslegung“ gesunken sind. Dies hat potentiell ein schlechteres (!) Betreuungsverhältnis von Wissenschaftlern zu Studenten zur Folge, allerdings steigt damit das Verhältnis der Publikationen pro Wissenschaftler. In der Endverrechnung des THE-Rankings geht das zweitgenannte Verhältnis mit einer höheren Gewichtung ein, so dass das Ergebnis der Universität Bayreuth dadurch besser werden kann.

Was ist der konkrete Anlass für die Anpassungen gewesen? Waren die Unterschiede zwischen der angelsächischen und der deutschen Bewertung der Fakten vorher nicht bekannt?

Maier: Der konkrete Anlass, die Definition der Kennzahlen genauer zu hinterfragen, war ein Pilotprojekt des Auswärtigen Amtes mit der TU Dresden und der Uni Tübingen, dessen Ergebnisse im Frühjahr allen Hochschulen in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden. Mit großen Personal-, Zeit- und auch Geldeinsatz wurden die Definitionen in diesem Projekt konkret auf das deutsche Wissenschaftssystem heruntergebrochen, dabei wurde eng mit Times Higher Education zusammengearbeitet. Dies ist für eine einzelne Universität so bisher nicht machbar gewesen.

Universitäts-Präsident Stefan Leible legt Wert auf die Feststellung, dass all dies nichts mit Manipulation zu tun habe: „Nur so können deutsche Universitäten in internationalen Rankings ihre tatsächlichen Stärken zur Geltung bringen.“

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