Unfallfahrer verurteilt Verantwortlich für den Tod einer 21-Jährigen

Der Unfall am 19. Februar auf der Staatsstraße 2163 zwischen Allersdorf und Dressendorf. Eine 21-Jährige starb. Der 18 Jahre alte Unfallfahrer musste sich vor Gericht verantworten. Foto: Archiv/News 5/Stephan Fricke

BAYREUTH. Bittere Tränen im Gerichtssaal: Ein 18-Jähriger geriet mit seinem Fiat im Februar zwischen Allersdorf und Dressendorf (Landkreis Bayreuth) in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn und rammte dort einen weißen Polo. Die 21-jährige Fahrerin starb, ihre 55-jährige Mutter auf dem Beifahrersitz wurde schwer verletzt. Dafür muss der 18-Jährige nun neun Wochen Sozialarbeit verrichten. Das Gericht verhängte zudem zwei Monate Fahrverbot. Ein Urteil, das juristisch einwandfrei, doch laut Richter völlig unzureichend ist, um das verursachte Leid zu lindern.

„Eine unbeschreibliche Tragödie“, sagt Richter Alois Meixner. Der Blick des Angeklagten ist während der Verhandlung die meiste Zeit gesenkt. Auch seine Eltern sind vor Ort, genauso wie die Geschädigte und ihr Ehemann, der Vater der verstorbenen Tochter. Keine Erinnerung habe der Unfallfahrer mehr an das Geschehen, sagt er, sobald er seine Aussage machen darf. Er wisse nur noch, dass er mit einem Freund in Bayreuth in einem Fitnessstudio war. Er erinnere sich erst wieder, als er im Krankenhaus aufgewacht und seine Familie um ihn herumgestanden sei.

Am Unfalltag herrschte gute Sicht

Zu dem Unfall kam es am 19. Februar, kurz vor halb vier nachmittags. Eine leichte Rechtskurve, Ausweichen für den weißen Polo unmöglich, da der 18-Jährige schon mittig auf der Gegenfahrbahn fuhr, rechts daneben eine Böschung. Der junge Fahrer sei laut Richter, so gehe es aus dem Gutachten hervor, mit 95 bis 100 Stundenkilometern gefahren. Eigentlich sei es ersichtlich gewesen, dass der Fahrer hätte bremsen müssen, da er sich auf eine Ortschaft zubewegte und die Wetterbedingungen gut waren.

Auch die beiden Zeugen bestätigen, dass eine gute Sicht geherrscht habe. „Man kann es aber nicht mehr ungeschehen machen“, so der Richter. Der Fiat-Fahrer befindet sich seitdem in psychotherapeutischer Behandlung, er kämpfe mit Konzentrations- und Schlafstörungen.

Schon einmal zu schnell unterwegs

Die Geschädigte kämpft ebenso bis heute mit den Folgen des schweren Unfalls, möchte aber keine Aussage zu ihrem Gesundheitszustand machen.

Schon Ende 2017 habe der junge Unfallfahrer eine Eintragung erhalten, so Richter Meixner. Da fuhr er „mit nicht angepasster Geschwindigkeit“ mit einem Leichtkraftrad und zog sich bei einem Sturz leichte Verletzungen zu, nur er selbst kam dabei zu Schaden. Dafür erhielt er ein Bußgeld von 145 Euro und einen Punkt. Es sei ein regennasser Tag gewesen, sagt der Verteidiger.

Jugendstrafrecht kommt zur Anwendung

Als der Richter den Angeklagten fragt, ob dieser Kontakt zur Familie der Toten aufgenommen habe, sagt dieser, er habe ein Entschuldigungsschreiben verfasst. Der Vater der Verstorbenen sagt daraufhin laut und deutlich verärgert aus dem Zuschauerbereich, der Täter habe lediglich „einen Zweizeiler als Trauerkarte“ für die Beerdigung geschickt. Daraufhin entschuldigt sich der Täter noch einmal persönlich bei den Hinterbliebenen. Die Sanktionen können laut Staatsanwalt keine Gerechtigkeit herstellen, „sie können die Folgen der Tat nicht aufwiegen.“

Bei seinem Plädoyer ist er der Auffassung, dass das Jugendstrafrecht Anwendung finden sollte, da der Fiat-Fahrer finanziell abhängig sei, noch zuhause bei der Familie lebe, keine Berufsausbildung habe und somit einem Jugendlichen gleichzustellen sei. Er habe keine Vorstrafen, habe sich entschuldigt und auch körperliche und erhebliche seelische Folgen. Somit plädiert der Staatsanwalt auf eine Arbeitsauflage von 90 Stunden und beantragt ein Fahrverbot von zwei Monaten.

Richter: "Ein angemessenes Ergebnis ist eigentlich unmöglich.“

Der Verteidiger stützt sich in seinem Plädoyer insbesondere auf die Amnesie des Täters. Daraufhin verlässt die geschädigte Mutter laut weinend den Gerichtssaal, ihr Mann folgt ihr kurz darauf. Sie bleiben auch der folgenden Urteilsverkündung fern.

Der Richter urteilt schließlich, dass für den Fahrer 90 Arbeitsstunden und ein zweimonatiges Fahrverbot angeordnet werden sollen. „Das Strafrecht“, sagt er, „ist völlig unzureichend, um das Leid zu lindern. Ein angemessenes Ergebnis ist eigentlich unmöglich.“

 

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