Umweltproblem Uni Bayreuth untersucht die Wirkung von Mikroplastik

BAYREUTH. Plastikmüll ist eines der größten Umweltprobleme der Gegenwart. Am Puls der Zeit ist die Universität daher mit ihren wissenschaftlichen Studien zu Mikroplastik. In einem neuen Sonderforschungsbereich (SFB) werden die Wirkungen von Mikroplastik auf Wasser, Erde und Luft und die darin vorkommenden Organismen untersucht.

Die Arbeit der Wissenschaftler wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit zehn Millionen Euro in den kommenden vier Jahren unterstützt. Die finanzielle Förderung kann auf zwölf Jahre verlängert werden.

Was macht Mikroplastik in der Umwelt tatsächlich aus?

Nicht alles, was über Mikroplastik zu lesen und zu hören sei, sei richtig, sagt Christian Laforsch, Professor für Tierökologie an der Universität Bayreuth und Sprecher des fachübergreifenden Forschungsprogramms. Denn die Wissenschaftler wissen längst nicht alles. Um die komplexen Vorgänge zu verstehen, bedarf es neuer Forschungsansätze. „Wir wollen eine Basis dafür schaffen, was Mikroplastik in der Umwelt tatsächlich ausmacht. Mikroplastik, das sind unterschiedliche Polymertypen mit unterschiedlichen Eigenschaften, die andere Effekte bedingen können, je nachdem, wo man dieses Mikroplastik in der Umwelt findet. All das ist bisher noch nicht bekannt.“

Denn Mikroplastik ist nicht gleich Mikroplastik. Ein Mikroplastikpartikel kann zum Beispiel mit etwas beschichtet sein, sagt Professor Andreas Greiner, Inhaber des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie II an der Uni Bayreuth. „Vielleicht ist es ja die Beschichtung, die mich am Ende krank macht und nicht der Plastikpartikel.“ Greiner ist Laforschs Stellvertreter und einer der führenden Köpfe im SFB.

31 Wissenschaftler aus drei Fachbereichen beteiligt

Ein Verständnis davon, wie viel und welches Plastik in der Umwelt ist, sei mittlerweile vorhanden, sagt sein Kollege Laforsch. „Was wir noch nicht wissen: Wie verändert sich dieser Kunststoffpartikel in der Umwelt? Wie verhält er sich frisch beschichtet oder nach zehn Jahren in der Umwelt?“ Form, Größe, Beschichtung: Das alles könne Folgen auf Organismen haben – oder nicht. Anhand von Modellsystemen wollen 31 Wissenschaftler aus drei Fachbereichen die Grundlagen dafür erforschen. Beteiligt sind Forscher aus Ökologie und Umweltwissenschaften, Polymer- und Kolloidforschung und Molekularen Biowissenschaften.

Denn die meisten Studien stammten bisher von Umweltforschern. Physiker, Chemiker und Polymer- und Kolloidforscher seien bislang selten einbezogen worden. Die Bayreuther Forscher werden Mikroplastikpartikel selbst herstellen und untersuchen. Zwar gebe es bereits Studien. Doch diese würden alle mit fabrikneuem Mikroplastik arbeiten und nicht mit Mikroplastik, das man in der Umwelt findet, sagt Laforsch.

"Viele Mythen im Umlauf"

Polymere sind Makromoleküle, die in Lacken, Autoreifen, Kunststoffen und Textilien vorkommen. Sie sind in größeren Bauteilen, wie sie in der Flugzeugindustrie und der Automobilbranche vorkommen, und in Datenspeichern der Hightech-Branche enthalten. Als Kolloide werden kleinste Partikel bezeichnet, die zum Beispiel in Kosmetika, Medikamenten, Wasch- und Reinigungsmitteln und Farben stecken. Bau, Verkehr, Landwirtschaft: „Eine Welt ohne Plastik wird es nie mehr geben“, sagt Laforsch. „Wir können aber den unsachgemäßen Eintrag in die Umwelt reduzieren.“

Laforsch stellt klar: „Was die Thematik Plastik und Mikroplastik in der Umwelt betrifft, sind viele Mythen im Umlauf. Zum Beispiel der riesige Plastikteppich auf den Weltmeeren so groß wie Deutschland – den gibt es gar nicht.“ Zwar lasse sich eine Ansammlung von Mikroplastik unter der Meeresoberfläche in den marinen Strudeln feststellen, aber keine „geschlossenen Müllteppiche, die existieren nicht“. Sonst würde man sie mit Satelliten und Luftbildaufnahmen sehen. Da sehe man aber nur blaues Wasser.

Moderne Materialien entwickeln

„Egal ob ich im Garten nach Plastik forsche oder in den Weltmeeren – ich finde Plastik.“ Aber die Zahlen, die über die Menge im Umlauf wären, seien mit unzuverlässigen Methoden erhoben worden. So sei mit dem bloßen Auge bestimmt worden, ob es sich um Mikroplastik handele oder nicht – Teilchen, die kleiner sind als der Durchmesser eines Haares.

„Wir sagen nicht einfach, dass Mikroplastik schädlich ist. Auf der Grundlage unserer Erkenntnisse wollen wir neue Materialien entwickeln, die schneller abgebaut werden oder weniger Abrieb zeigen.“ Daraus ergeben sich womöglich innovative Geschäftsideen. Regelmäßig soll über Resultate und Lösungsansätze berichtet werden, so Greiner: „Denn eines steht fest: Der Plastikberg muss weg.“

 

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