Überraschende Kündigung Festspiele stehen ohne technischen Direktor da

Andreas von Graffenried (hier auf dem Schnürboden des Festspielhauses) war bis 2013 stellvertretender technischer Direktor der Bayreuther Festspiele. Am Freitag verließ er den Grünen Hügel. Foto: red/Marek Vogel

Ein halbes Jahr vor Katharina Wagners Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ müssen die Bayreuther Festspiele ohne technischen Direktor und Werkstättenleiter auskommen. Karlheinz Matitschka, der in dieser Funktion seit 2001 auf dem Grünen Hügel tätig war, ging Ende Oktober in den Ruhestand – ein Jahr früher als geplant. Nach Kurier-Informationen war Matitschka aber schon seit Ende der Festspielzeit 2013 freigestellt. Jetzt ging auch sein designierter Nachfolger.

Andreas von Graffenried (44), Stellvertreter Matitschkas und offenbar sein designierter Nachfolger, verließ die Festspiele am Freitag. Er hatte in der vergangenen Woche um Auflösung seines Vertrags gebeten.

Graffenried war Anfang 2013 vom Théâtre Châtelet in Paris nach Bayreuth gewechselt – als Matitschkas Stellvertreter. Seit Matitschkas Ausscheiden war die Position des Direktors unbesetzt; Graffenried führte die Geschäfte. In der Saison 2013 wurde er dem 120-köpfigen Techniker-Team als künftiger Direktor vorgestellt.

Der technische Direktor ist verantwortlich für alle technischen Abläufe der Bayreuther Festspiel GmbH. Ihm sind alle technischen Abteilungen und Werkstätten unterstellt – Bühnenhandwerker, Schreiner, Schlosser, Dekorateure, Bühnenmaler, Beleuchter, Tontechniker, Elektriker sowie Heiz- und Klimatechniker. Er ist verantwortlich für die technische Vorbereitung der Inszenierungen und Bühnenbilder – und die Einhaltung des Budgets.

„Seine Kündigung hat mich überrascht und auch auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Festspielgeschäftsführer Heinz-Dieter Sense dem Kurier auf Nachfrage.

Im September schrieben die Festspiele Matitschkas Stelle offiziell aus. Gesucht war ein Diplomingenieur mit handwerklicher Ausbildung und Führungserfahrung an einem Internationalen Opernhaus. Geplanter Vertragsbeginn: 1. Dezember.

Graffenried hatte sich beworben, sagt Sense. „Die Gespräche waren noch nicht abgeschlossen, da hatte ich schon Herrn Graffenrieds Kündigung auf dem Schreibtisch.“ Ob er aus dem Verlauf der Gespräche geschlossen habe, dass er den Job nicht bekomme, oder ob er eine anderen Job in Aussicht habe, wisse er nicht, sagt Sense. Auch die Frage, welche Rolle das geplatzte Engagement von Jonathan Meese oder die Bühnenpanne bei der Eröffnungspremiere 2014 spielten, blieben unbeantwortet.

Auf Anfrage wollte sich Graffenried nicht zu den Gründen seiner Kündigung äußern. Ob er von der Ausschreibung der sicher geglaubten Stelle überrascht war oder ihm ein anderer Bewerber überlegen war, wollte er nicht kommentieren.

Innerhalb der nächsten vier Wochen soll nun feststehen, wer neuer Technischer Direktor wird. „Spätestens bis zum Beginn der Festspiele brauchen wir einen“, sagt Sense. Im Frühjahr beginnt die heiße Vorbereitungs- und Probenphase der Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“. „Bis dahin“, sagt Sense, „können wir die Situation verschmerzen.“

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