Tuberkulose im Flüchtlingsheim

Die ehemalige Post in Gefrees ist Asylbewerberunterkunft. Die vergangenen zwei Monate lebte hier ein an TBC Erkrankter. Seine Mitbewohner machen sich nun Sorge. Foto: Archiv/ Judas

In der Flüchtlingsunterkunft Gefrees hat von Dezember bis diesen Februar ein an offener Tuberkulose erkrankter Mann gelebt. Die anderen Bewohner sind nun in Sorge. Am Dienstag sollen sie vom Gesundheitsamt Bayreuth untersucht werden.

Vergangenen August war der Migrant in der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Bamberg angekommen. Und hatte dort auch die obligatorischen gesundheitlichen Untersuchungen durchlaufen. Inklusive eine Röntgenaufnahme des Brustbereichs. Ansgar Scherl ist Amtsarzt und Medizinalrat beim Gesundheitsamt Bayreuth im Landratsamt. Er sagt: „Ich habe mir die Röntgenaufnahme kommen lassen. Sie ist unauffällig gewesen.“ Eine Frage an die Regierung von Oberfranken, wie viele Fälle von TBC in Bamberg im vergangenen Jahr festgestelt wurden, blieb am Freitag unbeantwortet.

Im Dezember kam der Mann in die Unterkunft Gefrees. Dort gibt Brigitte Simon vom Helferkreis Gefrees Deutschunterricht, üblicherweise ist sie dreimal die Woche in der Unterkunft im alten Postgebäude an der Gefreeser Hauptstraße. Auch der an TBC Erkrankte zählte zu ihren Schülern. Sie erzählt, dass der Mann an Husten litt, auch ärztlich behandelt wurde.

Isoliert im Klinikum

Das bestätigt auch Ansgar Scherl vom Gesundheitsamt. Nachdem seine Beschwerden nicht besser wurden und auch Antibiotika nicht anschlugen, sei er im Klinikum Bayreuth nochmal geröntgt worden. Dabei habe sich ein Lungenbild wie bei einer Lungenentzündung ergeben. Darauf sei der Mann genauer untersucht worden, am 14. Februar war bekannt, dass er an offener TBC litt. Seither liegt er isoliert im Klinikum Bayreuth und wird mit Antibiotika behandelt.

Die anderen Bewohner fragen sich, warum der Erkrankte, der bereits Blut gehustet habe, erst so spät behandelt wurde und warum die Mitbewohner seines Zimmers nicht isoliert wurden. Und warum es so lange dauerte, bis sie selbst untersucht werden. „Wir sind nicht nach Deutschland gekommen, um hier zu sterben“, sagt ein Mann aus Aserbeidschan. Ein Mann befürchtet, dass sein an Grippe erkrankter Sohn auch TBC hat. Und eine junge Frau klagt, dass ihr zwei Monate altes Kind, das am Donnerstag untersucht wurde, und das noch keine feste Nahrung bekommt, nun Medikamente zur Prophylaxe nehmen muss. Am liebsten würden sie in ein anderes Heim ziehen.

"Alles Nötige getan"

In Bezug auf die Bewohner der Unterkunft in Gefrees macht Scherl deutlich: „Von uns wurden alle nötigen Schritte unternommen.“ Der zuständige Gefreeser Heimleiter Ulrich Damski ist unglücklich über die Sache: „Im Moment haben wir keine Probleme hier zwischen den Flüchtlingen und der Bevölkerung. Ich befürchte, dass sich das nun ändern könnte, wenn das in der Zeitung steht.“ Er betont, dass er sich nichts vorzuwerfen hat: „Ich habe mehr gemacht, als ich machen müsste.“

Das bestätigt auch „Deutschlehrerin“ Brigitte Simon, die den Ärger der anderen Bewohner nicht nachvollziehen kann: „Der Heimleiter hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, nachdem er von der Sache erfahren hat. Es wurde alles gemacht, was möglich ist, auch vom Gesundheitsamt.“

Die Kleinkinder aus der Gefreeser Unterkunft wurden bereits am Donnerstag mit dem Sammeltaxi nach Bayreuth zur Untersuchung gefahren, die erwachsenen Bewohner sowie die Menschen, die im Heim regelmäßig ein- und ausgehen, werden am Dienstag untersucht. Auch Brigitte Simon: „Ich habe mich inzwischen zum TBC-Experten entwickelt“, sagt sie. Sorgen, dass sie sich angesteckt hat und auch krank werden könnte, hat sie nicht: „Ich bin von Natur aus Optimist.“

Einstige Volkskrankheit

Tuberkulose ist eine schwere Lungenerkrankung, die tödlich verlaufen kann und galt noch bis weit ins 20. Jahrhundert als Volkskrankheit, von der vor allem arme Bevölkerungsschichten betroffen waren, die wegen Mangelernährung oder ohnehin beeinträchtigter Gesundheit generell anfälliger waren. In Bischofsgrün war bis vor 50 Jahren die „Lungenheilstätte“ für Betroffene aus ganz Oberfranken in Betrieb.

TBC kann ähnlich wie eine Erkältung oder Grippe übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit auch ausbricht, ist aber weit geringer. Ansgar Scherl vom Gesundheitsamt sagt, die Faustregel sei, dass man mindestens acht Stunden lang mit einem Kranken in einem Raum sein muss, um sich zu überhaupt zu infizieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit dann auch ausbricht, sei aber weitaus geringer als bei einer Grippe oder Erkältung. Eine Besonderheit des TBC-Bakteriums ist, dass es sehr langsam wächst, die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und einem möglichen Ausbruch der Tuberkulose beträgt rund acht Wochen.

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 5915 Tuberkulosen in Deutschland registriert, was einer Häufigkeit von 7,2 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner entspricht, so das Robert-Koch-Institut. Damit blieb die Zahl gegenüber dem Vorjahr annähernd unverändert. 2015 hatte es allerdings gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Anstieg gegeben, von 4488 Fällen auf 5865. Im Jahr 2000 waren es allerdings schon mal über 9000 Fälle.

Insgesamt rückläufig im Lauf der vergangenen zehn Jahre ist indes die Zahl der Todesfälle in Deutschland, bei denen TBC eine Rolle spielte. 2016 waren es genau 100 Fälle; das ist der zweitniedrigste Wert seit 2008.

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