"Tristan und Isolde" Wie Sänger und Orchester wunderbar verschmelzen

Sie können nicht zueinander finden: Tristan (Stephen Gould) und Isolde (Petra Lang). Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

BAYREUTH. Dieser Abend stand überwiegend im Zeichen des Gesangs und des fein ziselierten Musizierens: Christian Thielemann führte das Festspielorchester zusammen mit den großartigen Sängern auf höchste Höhen.

Dass Christian Thielemann immer für eine Überraschung gut ist, wurde bei der Wiederaufnahme von „Tristan und Isolde“ am Freitag im Festspielhaus gleich beim Erklingen des ersten Tons deutlich. Üblicherweise führen hier die Celli in einem sanften Legato auf den legendären Tristan-Akkord in den Holzbläsern hin. Hier jedoch war der erste Ton abgesetzt, was dessen Auftaktcharakter unterstrich. Die Cellosaiten klangen so, als wären sie kurz und liebevoll gestreichelt worden.

Gewiss eine Kleinigkeit. Aber gerade solche Nuancen zeichneten diese Aufführung aus. Es war kein „Tristan“, der ununterbrochen unter Starkstrom stand oder Lautstärkepegel zum Anschlag gebracht hat. Hier ging es um subtile Gestaltung, um feine Ziselierung der Musik sowie das Miteinander von Orchesterklang und Gesang. Immer wieder verlangte Thielemann den Musikern des äußerst flexibel agierenden Festspielorchesters eine Piano-Kultur ab, wie man sie in diesem Stück eigentlich nie hört. So konnten es sich die Sänger auf einem Klangteppich bequem machen, der sie nie zu hörbaren Kraftanstrengungen zwang, und von dem sie sich einfach tragen lassen konnten. Der Abend bot eine großartige Ensembleleistung mit einigen der besten Wagnersänger, die es derzeit gibt.

Die Geschmeidigkeit eines Belcanto-Sängers

Von Beginn dieser Produktion an, für deren Regie Katharina Wagner verantwortlich ist, singt Stephen Gould die Titelpartie. Noch immer ist es ein Hochgenuss, seinen baritonal gefärbten Tenor zu hören. Abnützungserscheinungen scheint es bei diesem Sänger, der vor dem Tristan viele Jahre den Siegfried und zuvor Tannhäuser in Bayreuth gesungen hat, nicht zu geben. Sein Tenor klingt im Forte wuchtig, aber ohne Schärfen. Dass er auch im piano tragfähig singen kann und selbst in einigen der Fiebertraum-Passagen des dritten Aktes mit der Geschmeidigkeit eines Belcanto-Sängers ans Werk geht, unterstreicht den außergewöhnlichen Rang von Stephen Gould.

Petra Lang war ihm als hingebungsvoll spielende und nuancenreich singende Isolde die ideale Bühnenpartnerin. Was für ein Farbenreichtum in ihrer Stimme! Singt sie vom elenden Ende ihres Gatten Morold, so klingt sie wie ein dunkel timbrierter Mezzo, um wenige Takte später sogleich wieder mit mädchenhaft-trotziger Strahlkraft aufzutrumpfen. Sie hat die gallige Gouvernante ebenso in der Stimme wie die liebende Ehefrau. Die Stelle „seines Elendes jammerte mich“ klang so, als wäre sie unter Tränen gesungen worden. Petra Lang machte Isoldes Verzweiflung hörbar.

Ein besonderes Klangerlebnis bot das Liebesduett im zweiten Akt. Tristan und Isolde singen hier mit dem Rücken zum Publikum. Ihre Stimmen prallen also zunächst gegen die Bühnenwand, von wo sie sich mit dem Orchesterklang mischen, um von dort ins Parkett geworfen sanft wogend die Ohren der Zuhörer zu umschmeicheln. Christian Thielemann weiß genau, wo er seine Sänger auf der Bühne platzieren muss, um die von ihm gewünschte Klangwirkung zu erzielen.

Viel zu schön, viel zu edel

Dritter im Bunde dieses Spitzenensembles ist René Pape. Sein Luxusbass klingt eigentlich viel zu schön und viel zu edel für den König Marke, wie er in dieser Inszenierung angelegt ist. Den kalten Zyniker nimmt man ihm in stimmlicher Hinsicht gewiss nicht ab. Was man dem Sänger aber nicht zum Vorwurf machen kann. Möglicherweise war auch ein Teil des Publikums mit der szenischen Rollengestaltung des König Marke nicht einverstanden. Jedenfalls musste sich das Regieteam um Katharina Wagner einige Buh-Rufe gefallen lassen.

Es sollten die einzigen an diesem Abend bleiben, der vor allem im Zeichen des Gesangs und des kultivierten Musizierens stand.

Grenzenloser Jubel für Stephen Gould, Petra Lang, René Pape, Christian Thielemann und das Festspielorchester. Auch die übrigen Rollen waren mit starken Sängern besetzt: Iain Paterson (Kurwenal), Raimund Nolte (Melot), Christa Mayer (Brangäne), Tansel Akzeybek (Ein Hirt, Junger Steuermann) und Kay Stiefermann (Ein Steuermann).

 

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