Trio vor Gericht Raub mit Schauspieleinlage

Mit einem Faustschlag soll ein Jugendlicher eingeschüchtert worden sein. Drei junge Männer stehen vor Gericht, weil sie dem Opfer sein Handy abgepresst haben sollen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-Archiv

BAYREUTH. Jugendstrafanstalt oder nicht – vor dieser Alternative steht ein 18-Jähriger, der zusammen mit zwei Freunden als Angeklagter vor dem Jugendschöffengericht steht. Das Trio soll einem 14-Jährigen auf einem Bolzplatz in Meyernberg das Mobiltelefon geraubt haben. Und könnte dabei ein filmreifes Theaterstück aufgeführt haben.

Angeklagt sind die drei Heranwachsenden im Alter zwischen 18 und 19 Jahren wegen schwerer räuberischer Erpressung. Der juristische Unterschied zum Raub: Bei der räuberischen Erpressung händigt ein verängstigtes Opfer die Beute von selbst aus.

Im vorliegenden Fall soll das Opfer am 5. März erst durch einen Faustschlag niedergestreckt und dann zusätzlich eingeschüchtert worden sein: Nämlich durch die Drohung, sein Freund werde sogleich abgestochen.

Dieser 18-jährige Freund machte am späten Dienstagabend im Prozess vor dem Jugendschöffengericht eine Aussage, die nahelegt, dass dem 14-Jährigen da zumindest teilweise etwas vorgespielt wurde: Der Zeuge berichtete, er sei zunächst von einem der drei Angeklagten gepackt worden. Dann habe der Angreifer ihm die Kapuze seiner Jacke über den Kopf gestülpt, ihn zu Boden gebracht und dann mächtig ausholende Armbewegungen gemacht, so als ob er geschlagen werde. „Ich wurde aber nicht getroffen“, beteuerte der Zeuge. Nachdem man ihm wieder auf die Beine geholfen hatte, sah er, wie sein 14-jähriger Freund einem aus dem Trio sein Mobiltelefon aushändigte und es zuvor auf die Werkseinstellungen zurücksetzte.

Der 14-Jährige selbst berichtete, er sei von einem der drei Angeklagten zunächst mit einem Faustschlag niedergestreckt worden, danach habe ein anderer ihn gezwungen, das Mobiltelefon herauszugeben – ansonsten werde seinem Freund etwas Schlimmes zustoßen.

Rauschgift ist die Verbindung zwischen Opfer und Angeklagten

In dem Prozess zeigte sich, dass die zwei Opfer und die drei Angeklagten sich kannten – aus einem ganz bestimmten Grund: Rauschgift. Der 19-Jährige soll den 14-Jährigen mit Marihuana versorgt haben, auch an jenem 5. März. Der Jugendliche brachte seinen älteren Freund mit in eine Wohnung am Roten Hügel, wo zwei fertig gedrehte Joints bereit gelegen haben sollen.

Zu fünft machten die Burschen sich auf den Weg hinunter nach Meyernberg, gemeinsam den ersten Joint konsumierend. Und weil Cannabis bekanntlich Appetit macht, bestellte einer der drei Angeklagten erst mal einen Pizzafahrer.

Den Handyraub, der nach dem Konsum des zweiten Joints stattgefunden haben soll, bestritten die drei Angeklagten vor Gericht. Warum sich das Trio trotz zweier Belastungszeugen nicht um den Bonus schert, den ein Geständnis bringen könnte?

Die Antwort hierfür liegt in dem Verhalten der Opfer. Zunächst, so bekannte der 18-Jährige, habe man vereinbart, die drei nicht anzuzeigen. Dann aber hielt der 14-Jährige am Tag danach die Schmerzen nicht mehr aus, die wohl Folge des Faustschlags waren: Er wollte von der Schule befreit werden und rief seinen Vater an – jedoch nicht von dem verschwundenen Mobiltelefon.

Der Vater fragte prompt, was mit dem Handy sei, der Jugendliche log, „Unbekannte“ hätten ihn überfallen. „Ich wollte nicht, dass mein Vater erfährt, dass ich Rauschgift nehme“, sagte er vor Gericht. Vergebens: Der Vater ging mit seinem Filius zur Polizei, wo der 14-Jährige sich verplapperte.

Das holprige Zustandekommen der Anzeige nutzen die Angeklagten zur Verteidigung: Man habe mehr oder weniger vereinbart, das Mobiltelefon des 14-Jährigen gegen eines der Angeklagten zu tauschen. Den Faustschlag habe der 14-Jährige bekommen, weil er einem der Angeklagten beim Spaziergang zum Bolzplatz ständig den Joint unter die Nase gehalten habe. „Er hat mich damit genervt“, sagte der, der zugeschlagen hatte.

Ein Grund für das Verteidigungsverhalten: Einer der Angeklagten ist wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft und hat eine einjährige Jugendstrafe zur Bewährung offen. Sollte er wegen der räuberischen Erpressung schuldig gesprochen werden, droht ihm die Jugendstrafanstalt. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

 

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