Trainingsspiel für Vechta Medi Bayreuth kann in Klaipeda ohne Brooks proben

So viele Freiheiten unter dem Korb könnte Jerai Grant heute erst recht bekommen. Im Hinspiel, als den Bayreuthern Hassan Martin und De’Mon Brooks noch nicht fehlten, war der Klaipeda-Center mit 21 Punkten Topscorer. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Es gibt sicher angenehmere Dinge, als für ein Spiel, in dem es um nichts mehr geht, nach Litauen zu reisen. Dort trifft Medi Bayreuth zum Abschluss der Champions-League-Gruppenphase am Mittwoch um 18.30 Uhr auf Neptunas Klaipeda. Doch Raoul Korner kann dem Trip in die etwa 900 Kilometer Luftlinie entfernte Hafenstadt am nördlichen Ende der Kurischen Nehrung auch etwas Positives abgewinnen.

„Es geht für uns darum, den Ernstfall zu proben und uns auf der Vier etwas einfallen zu lassen“, sagt der Medi-Coach. Nach dem Ausfall von De’Mon Brooks steht mit Lukas Meisner nur noch ein Power Forward zur Verfügung. „Das kann für die nächsten Spiele keine Lösung sein. Wir müssen improvisieren und schauen, wie wir De’Mon ersetzen. Bei zuletzt, ich weiß nicht genau, 20 Punkten und zehn Rebounds wird das alles andere als leicht.“

Mit Verstärkung ist wohl erst in der gut zweiwöchigen Spielpause in der zweiten Februarhälfte zu rechnen, wobei eigentlich ein Mann für den Spielaufbau geholt werden sollte. Sollte Brooks wegen seiner Adduktorenzerrung aber länger fehlen, müsste erst einmal für ihn ein Ersatz her. „Die zweite Verletzung von Hassan Martin hat unseren Zeitplan massiv durcheinandergebracht. Wir haben ja nicht unbeschränkt Geld zur Verfügung. Wir müssen schauen, es möglichst lange hinauszuzögern, damit der finanzielle Aufwand geringer ist. Die Pause wäre aber schon kein schlechter Zeitpunkt.“

Doch vorher stehen noch die zwei wichtigen Bundesligaspiele gegen Rasta Vechta (Sonntag, 15 Uhr) und bei den Merlins Crailsheim (Mittwoch, 20.30 Uhr) an. „Da müssen wir irgendwie ohne unsere zwei effektivsten Spieler durch.“ Nur weil auch die Verfolger aus Ludwigsburg und Gießen verloren, konnten sich die Bayreuther ein weiteres Mal auf dem letzten Playoff-Platz halten. Somit könnte es durchaus von Vorteil sein, noch einmal einen Auftritt auf internationaler Bühne zu haben, zumal es nach dem Klaipeda-Sieg in Patras vor einer Woche kein Entscheidungsspiel um die Fortführung der Saison im Europe Cup mehr ist, „in dem wir uns aufreiben und halbfitte Spieler einsetzen müssten“. So kann der angeschlagene Kassius Robertson geschont werden.

Kein Risiko eingehen

Auch Revanchegedanken, jetzt den Litauern die Tür zum Achtelfinale zuzustoßen, hegt Korner keine, sondern sieht die Begegnung als „Trainingspartie unter Wettkampfbedingungen für die kommenden Aufgaben“: „Wir wollen einen Weg finden, zu gewinnen, aber nicht um jeden Preis. Die Prioritäten sind ganz klar. Wir werden nichts riskieren, was uns dann gegen Vechta auf die Füße fallen könnte. Langsam reicht es mit den Verletzungen.“ Klaipeda sei zwar eher mit Berlin zu vergleichen, dennoch gibt es auch Ähnlichkeiten mit dem die Bundesliga aufmischenden Aufsteiger aus Niedersachsen.

Neben dem 36-jährigen Tomas Delininkaitis (53 Prozent bei 66 Versuchen) hat der ehemalige Euroleague-Teilnehmer im Vergleich zum Hinspiel (102:78 für Bayreuth) einen zusätzlichen starken Dreierschützen bekommen: Nationalspieler Deividas Gailius (62,5 Prozent) kehrte zu Beginn des Jahres aus der Türkei zurück, wo er bei Pinar Karsiyaka Teamkollege des Ex-Bayreuthers Assem Marei war, und versenkte beim 82:69 in Patras als Topscorer mit 19 Punkten alle vier Distanzwürfe. In der litauischen Liga erzielte Gailius in seinen ersten drei Einsätzen im Schnitt 17 Zähler. „Er ist ein klassischer Litauer“, sagt Korner. „Wir können mit dem Kopf schon einmal dahin, die Dreierlinie gut zu verteidigen, auf den Ball aufzupassen und versuchen, taktisch zu kompensieren, dass unser Fels in der Brandung fehlt.“

Qualitäten liegen klar in der Offensive

Ohne Brooks, der „ordentlich zugepackt hat“, und den im Hinspiel glänzenden Martin werden es die Bayreuther auch gegen Jerai Grant, einen von nur drei Ausländern im Neptunas-Team, schwer haben. Der US-amerikanische Center ist hinter Babacar Toure (10,4) von Olympic Fribourg der zweitbeste Rebounder (8,8) der gesamten Champions League und mit 15,4 Punkten pro Spiel Topscorer der eher offensiv ausgerichteten Litauer.

Die wie Vechta nicht sehr große, aber wesentlich erfahrenere Mannschaft erzielt mit der viertbesten Trefferquote (48,3 Prozent) die fünftmeisten Zähler (83,3). In der nationalen Liga LKL führt Klaipeda die Punkteliste mit durchschnittlich 87,1 Zählern sogar an. Das reicht momentan aber nur zu Platz zwei hinter dem erneut souveränen Serienmeister Zalgiris Kaunas. In den zurückliegenden sechs Spielen gab es nämlich drei Niederlagen, zwei davon zu Hause gegen den Tabellenfünften Pieno Zvaigzdes. Beim 89:103 am vergangenen Samstag wurden einmal mehr die Schwächen in der Defensive aufgedeckt.

Um erneut die Champions-League-Playoffs zu erreichen, muss Neptunas neben dem vierten Sieg in Folge gleichzeitig auf Schützenhilfe von SIG Straßburg hoffen. Bei dann jeweils 8:6 Siegen hätte Klaipeda aufgrund seiner beiden Erfolge über die Franzosen, denen man im Achtelfinale der vergangenen Saison nach einem 73:68-Heimsieg insgesamt mit 151:156 unterlegen war, im direkten Vergleich die Nase vorne. Verliert Straßburg aber in Ostende, wären die Belgier weiter.

 

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