Tigers mit 1:5 unter Wert geschlagen

Strahlende Frankfurter und ein geknickter Bayreuther Torhüter Tomas Vosvrda (rechts): Das war das Stimmungsbild nach dem Treffer zum 1:4. Foto: Peter Kolb

Auf den ersten Blick erscheint es als angemessenes Ergebnis, wenn der Tabellenvorletzte der DEL2 gegen den amtierenden Meister klar verliert. Bei der Niederlage der Bayreuth Tigers am Samstag gegen die Löwen Frankfurt vor 1875 Zuschauern (Saisonrekord) wurde der Endstand von 1:5 (0:0, 1:1, 0:4) dem Spielverlauf und der Leistung des Außenseiters aber nicht richtig gerecht.

Das sah nach dem Spiel sogar Frankfurts Trainer Paul Gardner so: "Das war sicher kein 5:1-Spiel, sondern ein ausgesprochen enges Spiel. Wie erwartet, hat uns Bayreuth einen extrem harten Kampf geliefert. Ohne einige tolle Paraden unseres Torwarts hätte es anders aussehen können." Auch sein Bayreuther Kollege Sergej Waßmiller sprach von einem insgesamt guten Spiel mit einem zu hohen Endergebnis: "Wir waren in Führung und hatten sogar Chancen für mehr." Er übersah aber auch nicht, dass seine Mannschaft offenbar die Folgen der wochenlangen Belastung mit einem Minikader zu spüren bekommt: "Wir haben wieder 40 Minuten lang hart gearbeitet. Aber nicht zum ersten Mal ließ dann die Kraft nach. Darunter leidet die Konzentration und schließlich führen dann Einzelfehler zu den Gegentoren."

Bayreuther Pfostentreffer vor und nach dem 1:3

Tatsächlich fiel die Entscheidung erst in den letzten fünf Minuten, und selbst da lagen Glück und Pech noch dicht beisammen. Zwei Frankfurter Scheibenverluste im eigenen Drittel eröffneten nämlich zwei gute Chancen für die Tigers, bei denen Timo Gams (54.) und Anthony Luciani (57.) jeweils den Pfosten trafen. Dazwischen fiel das Tor zum 1:3 durch einen harmlos wirkenden Weitschuss, der jedoch glücklich für die Gäste entgegen der Reaktionsrichtung von Tigers-Torhüter Tomas Vosvrda abgefälscht wurde - und in diesem Fall landete die Scheibe so knapp neben dem Pfosten, dass ein Videobeweis nötig war, um den Treffer zweifelsfrei zu erkennen. Der noch folgende Doppelschlag innerhalb von 19 Sekunden war dann eher ein Ausdruck von Resignation der Bayreuther, die ihren starken Torhüter Tomas Vosvrda dabei ziemlich im Stich ließen.

Das insgesamt wichtigste Tor war aber wohl das 1:2. Auch das war ärgerlich für die Bayreuther, aber in diesem Fall war eine eigene Fehlerkette dafür verantwortlich. Zunächst wurden zwei gute Möglichkeiten verpasst, die Scheibe aus dem eigenen Drittel zu spielen, und dann bekam Vosvrda gegen den unbedrängten Brett Breitkreuz keine Unterstützung. Den ersten Schuss konnte der Torhüter noch parieren, aber dann war er machtlos. Von da an kontrollierten die Frankfurter das Geschehen, und zwar indem sie es weitgehend ins Bayreuther Drittel verlagerten. Gegenzüge mit zwingendem Abschluss gelangen den Tigers nur noch selten. Chancen ergaben sich hauptsächlich aus Fehlern im Frankfurter Aufbau, aber die hätten mit etwas Glück durchaus zum Ausgleich reichen können.

40 Minuten lang auf Augenhöhe

40 Minuten lang war das Chancenverhältnis aber völlig anders gewesen. Die Bayreuther begegneten allen Qualitäten des Titelverteidigers auf Augenhöhe, vom Forechecking über das Tempo bis hin zum intensiven bis harten Körperspiel der Gäste. Vor allem im ersten Drittel wirkten die Bayreuther Aktionen sogar oft zielstrebiger. Im Abschluss zeigte sich allerdings, warum der Tabellenvorletzte mit einigem Abstand die wenigsten Tore im bisherigen Saisonverlauf erzielt hat - auch wenn einige Chancen durch starke Paraden von Löwen-Torwart Brett Jaeger zunichte gemacht wurden.

Trotzdem war die Bayreuther Führung durchaus verdient: Ein Angriff von Anthony Luciani und Luca Gläser gegen zwei Verteidiger wirkte zunächst gar nicht so aussichtsreich, doch der nachrückende Sergej Stas sorgte kurzzeitig für eine Überzahl, wurde ideal bedient und traf aus Mittelstürmerposition. Nur 40 Sekunden später eröffnete eine Strafzeit gegen Frankfurt sogar eine Möglichkeit zum Nachlegen. Die Tigers bauten auch ein druckvolles Powerplay mit häufigem Abschluss auf, konnten den Torhüter aber nicht überwinden.

Ab Mitte des zweiten Drittels nahm dann der Druck des Favoriten zu. Mit Hilfe des glänzenden Vosvrda schienen die Bayreuther sogar nochmals zwei Minuten in Unterzahl gegen das beste Powerplay der Liga überstehen zu können, aber drei Sekunden nach dem Ablauf der Strafzeit fand Löwen-Topscorer C.J. Stretch doch noch eine Lücke zwischen den bereits sehr weit zurückgedrängten Verteidigern und traf zum Ausgleich.

Zwei neue Verletzte

Mindestens so hart wie die Niederlage traf die Tigers der erneute Ausfall von zwei Spielern: Der gerade erst von einer Verletzungspause zurückgekehrte Marvin Neher schied nach einem harten Check mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aus, und Constantin Ontl zog sich eine Verletzung am Oberkörper zu, die noch genauer untersucht werden muss.

Statistik

Bayreuth Tigers: Vosvrda - Müller, Linden; Potac, Neher; Pavlu, Mayer; Gerstung - Luciani, Chouinard, Gläser; Gams, Kolozvary, Bartosch; Geigenmüller, S. Busch, V. Busch; Alanov, Stas, Ontl.

Löwen Frankfurt: Jaeger - Stephan, Gläßl; Card, Dronia; Yorke, Schüle - C. Breitkreuz, Filin, Dumont; Pistilli, Stretch, Gron; MacLeod, Jarrett, B. Breitkreuz; Valentin, Seeger.

SR: Vogl, Zehetleitner; Strafminuten: Bayreuth 8, Frankfurt 10; Zuschauer: 1875.

Tore: 1:0 (25.) Stas (Gläser, Luciani), 1:1 (37.) Stretch (Schüle, Pistilli), 1:2 (43.) B. Breitkreuz (Valentin, Dronia), 1:3 (56.) Valentin (Stephan, Seeger), 1:4 (59.) Valentin (Schüle, Dronia), 1:5 (59.) Stretch (B. Breitkreuz, Pistilli).

 

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