Tigers-Geschäftsführer im Interview Wendels Optimismus vor dem DEL2-Auftakt

Geschäftsführer Matthias Wendel hat vor der neuen Saison viele alte Zöpfe abgeschnitten. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Alles neu bei den Bayreuth Tigers vor ihrem heutigen DEL2-Auftaktspiel: Ohne das langjährige, mit dem Aufstieg des Bayreuther Eishockeys in den letzten Jahren untrennbar verbundene Duo Sergej Waßmiller und Dietmar Habnitt beginnt mit dem Spiel bei den Tölzer Löwen eine neue Zeitrechnung. Ein neuer Trainer Petri Kujala, der offensichtlich einen ganz anderen Stil pflegt als sein Vorgänger, und eine enorme Spielerfluktuation von 15 Zu- und 13 Abgängen machen eine Saison-Prognose schwer. Ungeachtet dessen versprüht Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel im Interview mit unserer Zeitung großen Optimismus. Er erklärt unter anderem, warum er „den Reset-Knopf“ gedrückt hat, was ihn mit seinem neuen Trainer verbindet und wie es gelingen kann, den Standort dauerhaft in der DEL2 zu etablieren.

Letztes Jahr standen die Tigers kurz vor ihrer zweiten DEL2-Saison, die Euphorie war groß nach einer gelungenen Premierensaison. Dann aber kippte die Stimmung aufgrund der sportlichen Talfahrt und der großen Unruhe im Umfeld. Warum läuft es in diesem Jahr besser?

Matthias Wendel: Aufgrund des Neustarts, den wir vollzogen haben. Nach dem letzten Spiel in Tölz, als der Abstieg besiegelt war, habe ich für mich die Entscheidung getroffen: jetzt erst recht. Allerdings war mir klar, dass es, wenn ich weitermache, einen Schnitt geben muss – angefangen beim Trainer über den sportlichen Leiter bis hin zur Mannschaft und dem Team ums Team herum. In den Jahren zuvor, auch schon vor meiner Zeit, sind die Probleme immer nur kaschiert worden. Das ist nun anders geworden. Es gab Probleme, die haben wir erkannt, klar angesprochen und gelöst.

Sie selbst haben auch Fehler eingestanden. Was war Ihr größter?

Wendel: Wohl der, dass ich mich zuletzt komplett aus dem sportlichen Bereich herausgehalten und das akzeptiert habe, was mir vorgesetzt wurde. Ich habe dann dafür die Verantwortung übernehmen müssen. Das ist natürlich ganz normal und jetzt nicht anders. Allerdings stimmt der Trainer jetzt alles mit mir ab. Das vermittelt mir auch ein besseres Gefühl, nun Teil dieses Entscheidungsprozesses zu sein. Und im schlechtesten Fall habe ich jetzt an den Fehlern mitgewirkt, die ich hinterher auch zu verantworten habe.

Liegt Ihr gutes Gefühl auch an der offensichtlich passenden Chemie zu Trainer Petri Kujala?

Wendel: So ist es. Schon vor zwei Jahren war Petri Kujala mein Wunschtrainer. Als es geklappt hat mit seiner Verpflichtung, hatte ich sofort ein richtig gutes Grundgefühl. Mit ihm kann ich mich gut auseinandersetzen, Dinge zu Ende diskutieren und eine gemeinsame Lösung finden. Und dieses gute Grundgefühl in der Zusammenarbeit mit dem Trainer, das genieße ich.

Was für ein Typ ist Kujala?

Wendel: Er kommt mir vom Charakter sehr nahe, weil er ein ruhiger, ausgeglichener Typ ist, der genau weiß, was er will, und sich auch nicht von Unwägbarkeiten aus der Ruhe bringen lässt. Vielmehr zieht er seinen Stil durch.

Wie kann man seinen Trainingsstil beschreiben?

Wendel: Es ist ein moderner Stil, der viel Kommunikation beinhaltet und nicht ausschließlich Akzente im konditionellen Bereich setzt.

Noch einmal zur vergangenen Saison. Viele Altlasten sind beseitigt, insbesondere die Aussöhnung mit dem EHC Bayreuth wurde vorangetrieben. Finanziell haben sie sich mit der Zusage einer Zahlung von 22 000 Euro geeinigt, aber wie sieht es im zwischenmenschlichen Bereich aus?

Wendel: Wir haben uns darauf geeinigt, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Hier hat beiderseits ein Umdenken stattgefunden. Es gab zwei, vielleicht drei Problempunkte, unter anderem das Finanzielle. Das ist bereinigt. Und mittlerweile gibt es kein Thema mehr, bei dem wir grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung sind oder über das wir nicht reden könnten.

Eine Altlast gab es kürzlich noch – Trainer Sergej Waßmiller. Er hatte noch einen gültigen Vertrag bis Ende der nun beginnenden Saison. Haben Sie sich mittlerweile geeinigt?

Wendel: Mein Ziel war es, bis zum Beginn der Saison sämtliche Baustellen zu beseitigen. Und das ist auch in der Causa Waßmiller gelungen. Sein Vertrag ist aufgelöst – einvernehmlich. Über die Details haben wir aber Stillschweigen vereinbart.

Ihre Frau Margrit hat sich im Frühjahr als Geschäftsführerin zurückgezogen und damals gesagt, sie werde den Tigerkäfig nie mehr betreten. Kürzlich war sie nun Zaungast eines Spiels, hat sie ihre Meinung geändert?

Wendel: Sie hat ein Spiel gesehen, das stimmt. Aber nicht in Bayreuth, sondern in Crimmitschau.

Will heißen, ein Comeback bei den Tigers – vielleicht in anderer Funktion – steht für sie außer Frage?

Wendel: So ist es. Das ist überhaupt kein Thema. Was ich aber trotzdem sagen möchte: Ohne ihre aufopferungsvolle Tätigkeit und ihr finanzielles Engagement würde es höherklassiges Eishockey in Bayreuth zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr geben. Und die Grundlagen, die sie erarbeitet hat, helfen mir bei meiner jetzigen Arbeit sehr.

Mit einem Etat von rund 1,4 Millionen liegen die Tigers in etwa im Bereich der Vorsaison und damit auf einem der hintersten Plätze im DEL2-Ranking. Mit welchem Zuschauerschnitt kalkulieren Sie?

Wendel: Mit 1600 Zuschauern. Das entspricht in etwa dem Schnitt der vergangenen Saison. Wobei ich aber schon hoffe, dass die Begeisterung wieder entfacht wird und wir am Ende deutlich darüber liegen werden. Zuversichtlich stimmt mich diesbezüglich der überraschend gute Dauerkartenvorverkauf. Ich hätte nie damit gerechnet, dass wir nach dieser schwierigen Saison wieder über 700 Dauerkarten verkaufen würden. Erst kürzlich hat mir ein Fan gesagt, er gehe seit 30 Jahren zum Eishockey und hätte es noch nie erlebt, dass die Stimmung in so kurzer Zeit von Depression in Euphorie umgeschlagen hat.

Ob die Mannschaft dieser Euphorie gerecht werden kann, was darf man von ihr erwarten?

Wendel: Zunächst einmal erwarte ich von der Mannschaft, dass sie in jedes Spiel mit der Einstellung geht, unbedingt gewinnen zu wollen. Das muss sie verinnerlichen. Wenn dann noch der zehnte Platz herausspringt, wäre es eine tolle Saison gewesen.

Welche Vereine werden mit den Tigers um den Klassenerhalt kämpfen?

Wendel: Da möchte ich mich mit einer Prognose zurückhalten. Da lag ich zuletzt immer daneben. Es kristallisieren sich eher drei Favoriten heraus und alle anderen sind so stark, dass jeder jeden schlagen kann.

Wer sind diese Favoriten und welche Mannschaft hat das größte Überraschungspotenzial?

Wendel: Frankfurt, Bietigheim und Ravensburg. Gut verstärkt hat sich Heilbronn. Da muss man aber sehen, wie diese neuen Spieler einschlagen.

In drei Jahren wird es möglich sein, in die erste Liga aufzusteigen. Inwieweit betrifft Sie das?

Wendel: Zunächst einmal erfährt die gesamte Liga dadurch eine Aufwertung und somit auch unser Standort. Sollten wir in diesem entscheidenden Jahr in den Playoffs sein, dann werde ich deutlich kommunizieren, dass wir um den Aufstieg in die erste Liga spielen. Und dann werden alle sagen, das packen wir an. Und ich werde dann antworten: keine Chance. Da passt die Infrastruktur einfach nicht. Das Stadion müsste geschlossen werden. Der Etat müsste sich mindestens vervierfachen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein. Also kein Thema, mit dem wir uns befassen.

Leiden Sie in puncto Wirtschaftskraft unter dem anhaltenden Hoch des Bayreuther Basketballs?

Wendel: Überhaupt nicht. Die Schnittmengen sind auch wirklich äußerst gering. Vielmehr befruchten wir uns in dieser aktuell sehr lebendigen Sportstadt gegenseitig. Es gibt auch keinerlei Konkurrenzdenken. Mich würde es sehr freuen, wenn Medi so erfolgreich weiterspielen würde wie in der letzten Saison.

Was braucht es, um den Eishockey-Standort in der DEL2 langfristig zu etablieren?

Wendel: Im Wesentlichen müssen drei Voraussetzungen geschaffen sein, die aufeinander aufbauen. Zum einen müssen alle Baustellen geschlossen sein. Das haben wir aktuell schon sehr gut hinbekommen – sei es mit dem Stammverein, sei es mit dem alten Trainer oder auch mit den Fans. In den nächsten zwei, drei Jahren muss dann eine sportliche Stabilisierung im Mittelfeld der zweiten Liga stattfinden. Dafür haben wir Petri Kujala auch geholt. Mit ihm wollen wir länger zusammenarbeiten. Wenn diese sportliche Stabilisierung eintritt, kann man die wirtschaftliche Situation verbessern durch Gewinnung neuer Sponsoren und Partner.

 

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