Thema: Wohnen für Holfe Vorteil für alle

„Wohnen für Hilfe“: Studentin Clara Seitz lebt seit Oktober in einem Zimmer der Wohnung von Josef Grundmüller. Foto: Ralf Münch

KOMMENTAR. Zum ersten Mal ist es auch in Bayreuth gelungen, im Zuge des Projektes „Wohnen für Hilfe“ einen Vermieter und eine Studentin zusammenzubringen. Die Projektleiter im Rathaus mussten lange ausharren, bis sie ein Pärchen präsentieren konnten, das die Vorzüge des gemeinsamen Wohnens in Anspruch nehmen wollte. Wobei es nicht an Interessenten besonders aus den Reihen der Studierenden mangelt, sondern an potenziellen Vermietern. Also an Bewohnern und/oder Eigentümern von großen Wohnungen oder Häusern, die über freien Wohnraum verfügen.

Deren Zögern muss verwundern. Klar ist nicht jedermann oder jedefrau bereit, mit einem fremden Menschen Esstisch und Badezimmer zu teilen. Zu groß ist die Furcht, dass es kein Zurück gibt, wenn die Chemie nicht stimmt oder die vertraglichen Abmachungen nicht eingehalten werden. Die Projektverantwortlichen kennen diese Zweifel. Deshalb checken sie mögliche Vermieter und mögliche Mieter schon vor einem ersten Treffen anhand eines Fragebogens unter dem Gesichtspunkt, ob sie zueinander passen. Im Premierenfall haben sie bewiesen, dass sie mit ihrer Auswahl genau richtig liegen.

Lesen Sie hierzu: 

Der Projektname beschreibt in drei Worten, worin der Sinn besteht: Wer ein Zimmer vermietet, erwirbt damit das Recht auf Unterstützung im Haushalt. Pro Quadratmeter Wohnfläche eine Stunde Arbeit im Monat. Ob Mitarbeiter in Haushalt oder im Garten, ob Erledigung der Hausordnung oder Einkaufsdienste– für ältere Vermieter kann diese Unterstützung, besonders dann, wenn sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, den Vorteil bieten, länger in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Der Mieter profitiert von der günstigen Miete und dem familiären Anschluss. 

Also eine Win-Win-Situation für beide Seiten, nicht nur in finanzieller und sozialer Hinsicht. Das Zusammen-Leben mit einem bis dato unbekannten Menschen kann die eigene Sicht auf Dinge verändern, kann dem eigenen Leben und Denken neue Impulse geben. 

Das Projekt Wohnen für Hilfe kann gerade für ältere, allein lebende Menschen die Chance bieten, ihrer Isolation zu entkommen. Sie müssen lediglich den Mut finden, ihre Wohnungstür zu öffnen.

gunter.becker@
nordbayerischer-kurier.de

 

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