Thema Volksbegehren "Ideologisch gefärbte Brille absetzen"

LESERBRIEF. Zur Berichterstattung über das Volksbegehren "Rettet die Bienen".

Rettet die Bienen – der perfekte Slogan für ein Volksbegehren. Denn welcher vernünftig denkende Mensch ist nicht für Tier-, Natur- und Umweltschutz? Der Landwirtschaft die Schuld am Bienensterben in die Schuhe zu schieben, ist jedoch nicht nur ungerecht, sondern auch viel zu kurz gegriffen. Denn es sind die Landwirte (ob biologisch oder konventionell), die für die Natur den größten und effektivsten Beitrag leisten.

Bayern nimmt mit rund 9400 Ökobetrieben und einer ökologisch bewirtschafteten Fläche von 320 000 Hektar bundesweit den Spitzenplatz ein. Über ein Drittel aller deutschen Ökobetriebe wirtschaften in Bayern. Mehr als die Hälfte der in Deutschland produzierten Öko-Milch kommt aus Bayern. Auch bei der Verarbeitung von Ökoerzeugnissen ist Bayern führend. (...) Weiter befinden sich rund 95 000 Hektar im Vertragsnaturschutzprogramm. Diese Zahlen sind einer aktuellen Ausgabe einer landwirtschaftlichen Fachzeitschrift entnommen (...). Schade nur, dass diese Zahlen immer nur den wenigen echten Landwirten präsentiert werden und nicht den selbst ernannten „Agrarfachleuten“. (...)

Ich würde diesen „Bauern-Bashern“ empfehlen, ihre ideologisch gefärbte Brille abzulegen (...). Während noch vor wenigen Jahrzehnten die Felder im Winter braun gepflügt waren, werden heute viele Zwischenfrucht- und Blühmischungen angesät. Wenn man sich hingegen die einheitskonformen Gärten vieler Neubausiedlungen betrachtet, kann man in den exakt gemähten, gut gedüngten, obstbaum- und unkrautfreien Rasenflächen keinen Insektenlebensraum erkennen.

Die Landwirte wurden in den vergangenen Jahrzehnten in eine Sackgasse geführt. Jahrelang wurde ihnen durch die Politik eingeredet, sie müssten wachsen oder weichen. Die Fördermittel wurden entsprechend ausgerichtet. Dem Verbraucher waren, durch das verstärkte Angebot begünstigt, billige Lebensmittel lange Zeit recht (...). Die verbreitete „Geiz ist Geil-Mentalität“ bezog sich hauptsächlich auf die Lebensmittel. In kaum einem anderen Land der Erde wird der Wert von Lebensmitteln so gering geschätzt. Statt einseitig ein „Bauernopfer“ zu suchen, sollten Ökoverbände und -parteien lieber versuchen, das Bewusstsein für gesunde und regional erzeugte Nahrungsmittel zu stärken.

In diesem Zusammenhang ist trotzdem leider nicht von der Hand zu weisen, dass mittlerweile viele Bürger in Deutschland aufgrund deren geringen Einkommens auf günstige Lebensmittel schlichtweg angewiesen sind. Statt einseitiger Schuldzuweisungen benötigt es ganzheitlicher Maßnahmen zum Bienenschutz. Auch Städte, Gemeinden und die Bürger könnten mit der Anlage von Blühflächen gezielte Unterstützung bieten. Biodiversität ist auch in Hausgärten und bei Stadt- und Gemeindeflächen ein relativ einfach umzusetzendes Thema.

 

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