Thema: Reichshof Ganz großes Kino

Foto: Eric Waha

KOMMENTAR. Ein Glücksfall, dass es Idealisten gibt. Ein Glücksfall, dass sie es selbst in die Hand genommen – und nicht auf die Stadt gewartet haben. Denn dann wäre der Reichshof nicht nur jetzt immer noch nicht fertig. Sondern würde möglicherweise in der Warteschleife der Bedenkenträger vergammeln.

So aber hat Bayreuth, worauf nicht die Stadt – die wollte es ja partout nicht –, sondern die Bayreuther gewartet haben. Eine alternative Bühne, die so viel mehr sein wird als nur ein Veranstaltungsort.

Der nächste Glücksfall: Der Reichshof hat seinen Charme behalten. Darf die Ecken, Kanten und die Scharten seiner fast 100-jährigen Geschichte offen zeigen, ist kein steril kaputtsaniertes Objekt nach Schema F, um über die notwendigen sicherheitstechnischen Vorgaben hinaus alle Förderrichtlinien zu erfüllen. Der Reichshof hat sogar drei Nackerte dazugewonnen, die über der Bühne die Jahrzehnte hinter einer Stoffbespannung überdauert haben.

Der alte Charme und die nackte Haut sind aber nicht das einzig Reizvolle an dieser Kulturbühne mitten in der Stadt: Die Macher des Vereins Bayreuth Event und Festival – allen voran Axel Gottstein, Christian Wedlich, Dieter Löw und Andreas Türk – haben gezeigt, dass sie Mut, Ausdauer und Kraft haben, um ein Projekt durchzuziehen, das ein Motor für die Bayreuther Innenstadt sein wird. In einer wunderbar ergänzenden Symbiose mit dem Drumherum – der Gastronomie, den Angeboten in den Gassen wie der Kämmereigasse 9 ½ – statt als Konkurrenz dazu. Ganz nebenbei kann die Wiederbelebung des Reichshofs helfen, den Leerstand zum Markt zu beleben. Die ersten Interessenten gibt es offenbar schon.

Der Reichshof als offene Bühne ist ein wichtiger Baustein, der der kulturellen Szene der Stadt bis heute gefehlt hat: Ein Solitär auf der einen Seite, weil hier kein Programm in Stein gemeißelt ist. Ein Bindeglied zwischen den kleinen Spielorten und dem großen Friedrichs-Forum auf der anderen Seite, weil eben lang noch nicht alles geht in Bayreuth, was möglich wäre. Mit dem Reichshof wird frischer Wind in der Kulturstadt Bayreuth wehen.

Deshalb ist es ganz großes Kino, was die Idealisten des Vereins auf die Beine gestellt haben. Großes Kino im alten Kino, das kein Kino mehr sein wird, das die Unterstützung aller verdient, die meinen, in Bayreuth sei doch nichts los. Hingehen ist der beste Weg, die neue Zukunft des Reichshofs zu sichern.

eric.waha@ nordbayerischer-kurier.de

 

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