Thema: Kohle-Aus Bärendienst für Klimaschutz

Zum Artikel „Spitz auf Knopf für Kohlekommission“,  Kurier vom 25. Januar, und  „Kohle-Aus heißt Mut zum Wandel“, Kurier vom 29. Januar.

Ich habe gezögert, einen kritischen Leserbrief zum Kohleausstieg zu schreiben. Der Zusammenhang ist ja so klar: Kohle-Aus – weniger Kohlendioxid – klimafreundlich. Und der Mainstream der öffentlichen Meinung ist auch klar. Da ist es gefährlich, eine abweichende Meinung zu vertreten. Dennoch – es sei versucht.

Mit dem Abstellen eines Kohlekraftwerks ist noch keine einzige Anlage der erneuerbaren Energien (EE) zusätzlich gebaut! Der schnelle Kohleausstieg muss erst einmal durch Gaskraftwerke ausgeglichen werden.

Die gute Nachricht: Ein Gaskraftwerk emittiert ungefähr halb so viel Kohlendioxid wie ein Kohlekraftwerk. Die schlechte Nachricht: Es emittiert immer noch Kohlendioxid. Die zweite schlechte Nachricht: Es verbraucht fossile Energie, die bekanntermaßen endlich ist.

Das eigentliche Ziel aller Klimaschützer ist doch die kohlendioxidfreie Energieerzeugung. Dazu gehören Gaskraftwerke nicht. Was machen wir also im Moment? Wir verbrauchen extrem viel Geld für eine reine Zwischenlösung. Eine Zwischenlösung, mit der wir lediglich „kurzfristig“ unsere Kohlendioxid-Bilanz aufhübschen. Das ist nicht nachhaltig. Dem Ziel einer wirklich kohlendioxidfreien Energieerzeugung bringt uns das keinen Schritt näher! 

Im Gegenteil: In einiger Zeit werden sehr viele Subventionen geflossen sein, um die Kohlendioxid-Bilanz zu verbessern (Struktursubventionen, Nachteilsausgleiche und so weiter). Irgendwann kommt wieder das Thema auf, dass neben dem Kohleausstieg ja eigentlich die EE verstärkt ausgebaut werden sollten. Dann wird die Politik feststellen: Jetzt haben wir so viel Geld ausgegeben und unsere Kohlendioxid- Bilanz erfolgreich verbessert, da haben wir kein Geld mehr für die Unterstützung der EE.

Spätestens dann wird klar sein, dass der Kohleausstieg nur einen „kurzfristigen“ Vorteil brachte und dem eigentlichen Ziel des Klimaschutzes – kohlendioxid-freie Energieerzeugung – einen Bärendienst erwiesen hat.

Warum belassen wir es nicht bei dem bewährten EEG? Es legt fest, dass die EE-Anlagen Einspeisevorrang haben vor anderen Erzeugern. Je mehr EE-Anlagen also an das Netz gehen, desto stärker werden die Fossilen zurückgedrängt. Das hat bisher recht gut funktioniert. Das kostet zwar etwas in Form der bekannten EEG-Umlage. Aber es kostet nicht solche Milliardensubventionen wie beim Kohleausstieg.

Das Geld sollten wir lieber in den Ausbau von EE-Anlagen stecken. Wir sollten uns wieder daran erinnern, „für“ etwas zu sein – nämlich „für“ den Ausbau der EE. Und nicht „gegen“ etwas, nur um kurzfristig und nicht nachhaltig die Kohlendioxid-Bilanz aufzuhübschen.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading