Thema: Feuerwerk Nur noch Krach und Krach und Krach

Zum Artikel „Tierschützer 
fordern Bannmeilen“, 
Kurier vom 6. Dezember.

An dieser Stelle möchte ich einmal aus Sicht meines Hundes Marie schildern, was so ein Tier an Silvester durchmacht, wenn überall stundenlang geböllert wird.

Ich heiße Marie und lebe in Bayreuth. Liebe Tierfreunde und liebe Mitbürger, ich möchte mir nicht mehr meine Schnauze verbieten lassen. Bitte habt Verständnis für mein ernstes Anliegen. Ich spreche für alle anderen Hunde der Stadt, für Vögel, Katzen und für alle anderen Haus- und Wildtiere, für alte und kranke Menschen, für kleine Kinder, einfach für alle Mitbewohner dieser Stadt. Es reicht! 

Ich bin ein großer Hund, wiege 43 Kilo, bin neun Jahre alt, wohne in einem sehr schönen Stadtviertel von Bayreuth in einem Haus mit Garten und könnte eigentlich sehr zufrieden sein. Aber was ich am 31. Dezember ab dem Abend erlebt habe, das kann sich kein Mensch vorstellen, oder etwa doch? Wirklich, ich wäre fast gestorben! 

Schlagartig, ab 17.30 Uhr bis 1.15 Uhr, befand ich mich mitten auf einem schauerlichen Schlachtfeld. 50 Meter vor meinem Wohnzimmerfenster detonierten, explodierten, kreischten, fetzten, dröhnten, donnerten, krachten Salven aus allen Rohren. Meine feinen Hundeohren verstanden die Welt nicht mehr. 

Draußen auf der Straße trugen junge Männer Kisten umher, randvoll mit Munition, Geschossen, mit sogenannten Böllern beladen, mit denen man ununterbrochen das neue Jahr begrüßen wollte, wie mir mein Frauchen sagte.

Wahrscheinlich hatten sie schon viel Alkohol getrunken, denn sie torkelten von Kiste zu Kiste, grölten und schrien, dass einem angst und bange wurde. Nach drei Stunden konnte ich mich nicht mehr beherrschen, bekam Panikattacken, Herzrasen, konnte nicht mehr atmen und habe furchtbar am ganzen Leib gezittert. 

Weil ich so schrecklich litt, fasste mein Frauchen endlich Mut und bat höflich die jungen Männer, die andauernd das neue Jahr begrüßten, doch bitte nicht fast unmittelbar am Haus den ohrenbetäubenden Krach zu veranstalten. Ich hörte nur: „Das dürfen wir doch! Dazu haben wir das Recht! Passen Sie auf! Das wird noch viel schlimmer!“

Und sie behielten recht. Ab 24 Uhr begann ein so infernalischer Krach, zusätzlich mit Raketenabschüssen aus ganzen Batterien. Die Straße war übersät mit Pappkartons, Schachteln, Kunststoffbehältern, aus denen Munition quoll. Nein, nicht eine Rakete wurde abgeschossen, sondern ganze Kästen voller Munition wurden gleichzeitig in die Luft gesprengt. Arme Hunde, Katzen, Vögel, welche Freude für alle gesunden und kranken Menschen und für unsere so hochgeschätzte vom Dieselfeinstaub befreite Natur. 

Der zentimeterhohe Böller- und Raketen- und Verpackungsabfall blieb natürlich auf der Straße liegen, und der Regen wird ihn wohl langsam in die Kanalisation spülen. Liebe Mitbürger, liebe Tier- und Menschenfreunde, die nächste fröhliche Neujahrsbegrüßung 2019 macht mein Herz nicht mehr mit. Ich flehe euch an, das Lärmspektakel in der Silvesternacht ist keine Ode an die Freude, keine fröhliche Tradition, auf die man noch stolz sein könnte, sondern nur noch Krach und Krach und Krach … Und vom Himmel fallen tonnenweise Schwermetalle als Feinstaub. 

Liebe Mitmenschen, könnten wir nicht gemeinsam nach Lösungen suchen? Könnte man nicht das neue Jahr etwas kürzer begrüßen, vielleicht von 23.30 Uhr bis 1 Uhr, oder könnte man nicht Straßenzüge in den Städten zu böllerfreien Zonen erklären? Oder könnte die Stadt nicht mit allen knallfreudigen Bürgern auf dem Volksfestplatz in Bayreuth ab 24 Uhr gemeinsam knallen? Oder, oder oder … 

Ich danke allen Mitbürgern von Herzen, die für mein so ernstes Anliegen ein Verständnis aufbringen und würde mich tierisch freuen, wenn wir bis Ende 2019 eine kluge Lösung parat hätten. 

 

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