Thema: Blühwiesen Verbraucher sind am Zug

Hermann Schmidt aus Ramlesreuth will künftig drei bis fünf Hektar seiner Flächen als Blühwiesen zur Verfügung stellen. Nach später Mahd – einmal im Jahr – trocknet er das weniger eiweißhaltige Gras zu Heu. Foto: Ralf Münch

KOMMENTAR, Man kann den Landwirten, die für ihre Blühwiesen Paten suchen, nur viel Glück wünschen. Ob es genug Interessenten gibt, ist unklar. Eigentlich müssten die Städter, die überproportional häufig für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben haben, den Bauern die Bude einrennen. Auch Gartenbesitzer, so steht zu vermuten, werden nun ihren Rasen verstärkt erblühen lassen. 

Nach der breiten Diskussion um die Bienenrettung und den Artenschutz kann man davon ausgehen, dass sich „an der Basis“ vieles tun wird. Das großflächige Sterben der Insekten hat die Gesellschaft wachgerüttelt und inzwischen auch die Politik erreicht. Ministerpräsident Markus Söder weiß, dass seine Regierung beim Umweltschutz die Meinungsführerschaft inzwischen an die Grünen verloren hat. Die CSU muss grüner werden, sagt Söder sinngemäß, aber wie das geschehen soll, hat er noch nicht verraten. Doch nach dem erfolgreichen Volksbegehren kann es kein „Weiterso“ geben. 

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Auch den Verbrauchern sollte klar sein, dass sie für einigermaßen ökologisch und tiergerecht erzeugte Nahrungsmittel mehr bezahlen müssen. Fleisch und Wurst darf nicht zur Ramschware verkommen, die Discounter zum Tiefstpreis verschleudern, um Kunden zu locken. Und: Mit dem Wegwerfen von 18 Millionen Tonnen Lebensmitteln in Deutschland pro Jahr muss endlich Schluss sein! 

Die gesamte Entwicklung zeigt doch eines: diese verschwenderische Lebensweise ist weder wirtschaftlich, umweltverträglich noch zukunftsfähig. Die heimischen Landwirte sollten sich keinen Illusionen hingeben: Mit ihren (noch) kleinen Strukturen haben sie keine Chance gegen die industrialisierte Massentierhaltung beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern im Osten Deutschlands. Dort gibt es Mega-Anlagen, in denen bis zu 18.000 Mastschweine oder 800.000 Masthähnchen gehalten werden. Heimische Betriebe mit ihren kleinen Beständen können da von der Kostenstruktur her nicht mithalten. Riesige Tierbestände bedeuten riesige Güllemengen, die das Grundwasser belasten. Drei neue Blühwiesen in der Region sind da höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein. 

peter.engelbrecht@
nordbayerischer-kurier.de 

 

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