Theaterprojekt am BKH Wie die Maske psychisch Kranken hilft

Die Masken sind sein Instrument: Theaterpädagoge Christoph Pauger arbeitet mit psychisch Kranken am Bezirkskrankenhaus in Bayreuth. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Unter einer Maske verbirgt man normalerweise sein Gesicht. Sie kann aber auch viel über die Person verraten, die dahinter steckt. Am Bezirkskrankenhaus Bayreuth sind Masken gerade Teil einer Therapie für psychisch Kranke.

Ein bisschen ist es wie im Fasching: Jemand maskiert sich, um in eine andere Rolle zu schlüpfen. Als jemand anders kann man Dinge tun und sagen, die man sich sonst vielleicht nicht trauen würde – und erlaubt gerade dadurch einen Blick auf sein Innenleben: Was ärgert mich wirklich? Bin ich der, der ich sein will?

Das Instrument schlechthin

Für Christoph Pauger ist die Maske das Instrument schlechthin in seinen Projekten mit psychisch Kranken. Der gebürtige Österreicher, der Sozialpädagogik und Künste im Sozialen studiert hat, arbeitet in Bremen als Theaterpädagoge viel mit Straffälligen, auch innerhalb des Gefängnisses. Über persönliche Kontakte kam er 2014 erstmals zu einer Projektwoche nach Bayreuth ins BKH, wo er viel positive Rückmeldung erfahren habe. So gab es im vergangenen und in diesem Jahr erneut jeweils zwei Projektwochen.

Der Fremde in mir

17 Patienten, die an Depression, Essstörungen oder unter Ängsten leiden, haben diese Woche mitgemacht, freiwillig. Drei Tage waren sie damit beschäftigt, Gesichtsmasken zu fertigen, mit Ton und Kaschierpapier aus Basel, der Hochburg der Fastnachtsmasken: grinsende, traurige, lachende, ängstliche, auf jeden Fall ausdrucksvolle Gesichter.

„Interessant wird es, wenn man dann darüber spricht: Was ist da eigentlich entstanden, welche Körpersprache hat diese Figur, wie verhält sich die? Und was treibt sie an?“, sagt Pauger. Die Patienten setzen einer nach dem anderen die Maske auf und schlüpfen unter Rückmeldung aus der Gruppe allmählich in die Rolle der selbst geschaffenen Figur. Jeder aus der Gruppe stehe einmal im Fokus, jeder erhalte die gleiche Aufmerksamkeit, der Dominante ebenso wie der Schüchterne, sagt Pauger.

Neue Seiten durch Rollenwechsel

„Es kann passieren, dass ein Depressiver, der sich als sehr leidend gibt und sich in sich zurückzieht, in der anderen Rolle auf einmal seinen Frust über seinen Chef oder seine Ehe herauslässt“, sagt Dr. Michael Purucker, leitender Oberarzt der psychischen Somatik am BKH. Oder es werde deutlich, dass jemand seine passende Rolle im Leben nicht gefunden hat, eigentlich etwas anderes sein will und darunter leidet. An den Patienten könnten durch den Rollenwechsel Seiten sichtbar werden, die in einer normalen Visitensituation nicht angesprochen würden, sagt Purucker.

Lebensfragen deutlich machen

„Das Theater dient dazu, dass zentrale Lebensfragen deutlich gemacht werden und dass sich der Blick dafür schärft.“ Es gehe darum, einen psychologischen Entwicklungsprozess zu starten. Die Therapeuten, die bei der Projektarbeit selbst nicht dabei sind, gewännen durch die Rückmeldung Paugers wichtige Erkenntnisse für ihre Arbeit. „In dieser einen Projektwoche ändert sich bei dem Patienten nicht viel, aber es gibt reichlich Material für die Therapiearbeit danach“, sagt Purucker.

Improtheater mit Überraschung

Am Ende jeder Projektwoche steht im geschützten Raum der Krankenhausstation eine Präsentation, die vorher nicht geprobt, sondern nur vorbesprochen wurde. Improvisiertes Theater mit Überraschungseffekten. So spielten die maskierten Patienten vergangenes Jahr vor staunendem Publikum eine Stationsbegehung durch Qualitätsmanager.

Finanziert vom Förderverein

Möglich gemacht haben das Theaterprojekt zum einen die Klinikleitung durch ihre Zustimmung, zum anderen der Förderverein für Psychiatrie und Psychotherapie am BKH, dem Purucker vorsteht, durch Übernahme der Kosten für den Theaterpädagogen. Die bisherigen Erfahrungen haben offenbar Lust auf mehr gemacht. Kommendes Jahr sind wieder Theaterprojektwochen am BKH geplant.

 

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