Teufelshöhle Pottenstein Nach Sensationsfund: Wie geht es weiter?

Pottenstein will heilklimatischer Kurort werden – auch da könne der neue Höhlenraum eine Rolle spielen, so Bürgermeister Stefan Frühbeißer nach der Frühjahrstagung des bayerischen Heilbäder-Verbandes. Weil, wenn die Lufwerte passen, das Angebot erweitern werden könnte. Foto: Archiv/Ralf Münch

POTTENSTEIN. Hier ist die Sensation – dort die Frage, wie man mit ihr umgeht. Die Entdeckung eines neuen Saales in der Teufelshöhle beschäftigt auch die Behörden. Die halten sich noch bedeckt, welche Schritte jetzt folgen sollten. Für den Tourismusstandort Pottenstein könnte der Fund jedenfalls einen großen Schritt nach vorne bedeuten.

Zu wenig sei bisher bekannt über die „konkret angedachten Maßnahmen“ für eine Erschließung, heißt es bei der Abteilung für Umwelt und Natur am Landratsamt Bayreuth. Und daher sei auch eine Beurteilung „äußerst schwierig“, so Behördensprecher Herbert Retzer.

Grundsätzlich dürften sich Fragen des Arten-, des Biotop- sowie des Landschaftsschutzes für die Region Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst stellen. Etwa beim Thema Winterquartier für Fledermäuse. Auch gehöre der Höhlenkomplex zum Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet Wiesenttal.

"Schwer abzuschätzen"

Letztlich gehe es um eine Fülle an naturschutzrechtlichen Belangen. so Retzer. Und daher sei das „Ob“ und „Wie“ einer Erschließung und Nutzung des Raumes „momentan nur schwer abzuschätzen“. Aus Sicht des Landratsamtes bedarf es einer Kartierung und einer FFH-Verträglichkeitsprüfung – dies sei „zielführend“. Auch ein Informationsaustausch der beteiligten Behörden „dürfte erkenntnisfördernd sein“.

15 Meter lange Kriechstrecke

Das bei der Regierung von Oberfranken angesiedelte Bergamt wartet auf eine Rückmeldung des Zweckverbandes Teufelshöhle. Der Zugang zum neuen Höhlensaal über eine 15 Meter lange Kriechstrecke müsse erweitert werden, wolle man den Raum für den Besucherverkehr nutzen. Es habe zwar erste Vorgespräche gegeben, doch nun sei „ein Genehmigungsantrag seitens des Zweckverbands“ nötig, so Michael Weiser, Pressesprecher der Regierung, am Dienstag auf Anfrage.

Zweckverband muss sich äußern

Eine entscheidende Rolle spielt also der Zweckverband. Für dessen Vorsitzenden, Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer, steht fest: „Das steigert massiv unsere Attraktivität.“ Da ist die Tatsache als solche: etwas Neues, etwas Großes. Größer als alles, was die Teufelshöhle bisher aufweisen kann an Schauräumen. Und um das Schauen geht es nun mal in einer Schauhöhle.

Wie groß der neue Saal, den die Entdecker Hanns Nägerl und Hans-Joachim Betko auf den Namen Kathedrale getauft haben, genau ist, muss noch erkundet werden. Seine Länge, seine Breite sind vermessen, die betragen jeweils 20 Meter. Und auch der Höhenunterschied innerhalb des Raumes ist bekannt: rund zehn Meter.

Doch wie geht es hinter dem Saal, den die Forscher Kathedrale getauft haben, weiter? Ist da noch mehr? Denn das ist sicher, so Betko: „Hier ging schon in der Kreidezeit ein Flusslauf durch, der muss irgendwo hingeführt haben.“

Wo endet der Kamin?

An einem Ende des Raumes haben die Forscher ein Loch aufgespürt, aus dem einst das Wasser kam. Doch das dürfte nicht der einzige Zufluss gewesen sein, so Betko (61), beruflich als Umweltgutachter tätig. Auch von oben bekam der Fluss wohl Nachschub. Denn von dem nach 30 Jahren Forschungsarbeit entdeckten Höhensaal führt ein Kamin in die Höhe. Den gelte es zu erklettern und näher unter die Lupe zu nehmen. Denn „es ist schon interessant, wo der endet“.

Zweiter Therapieraum?

Ein neuer Saal in dieser Dimension macht die Teufelshöhle noch mehr zum Publikumsmagneten. Um ihn in die Führungsroute aufzunehmen, „müssten natürlich Durchlässe zum jetzigen System geschaffen werden“, sagt Bürgermeister Frühbeißer.

Doch solange der Raum nicht nach allen Regeln wissenschaftlicher Vorgehensweisen untersucht sei, müsse die Öffentlichkeit noch warten. Und vielleicht werde hier ja mittelfristig ein zweiter Therapieraum für Menschen, die an Atemwegserkrankungen leiden, entstehen.

 

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