Telemedizin Die Dosis macht's

Der Teledoktor kann den Direktkontakt zwischen Arzt und Patienten nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Foto Archiv/Sebastian Gollnow/dpa

KOMMENTAR. Das Thema ist geeignet, Ängste zu wecken: Ab sofort ist in Bayern nach Beschluss der Ärztekammer mehr Telemedizin erlaubt. Ein Arzt muss seinen Patienten nicht mehr persönlich gesehen haben, um ihn online beraten und behandeln zu dürfen. Überlassen die Ärzte damit die Versorgung anonymen Netzdoktoren, die Patienten nie von Angesicht zu Angesicht gesehen geschweige denn berührt haben?

Macht man sich auch noch abhängig vom schnellen Internet, das es auf dem Land längst nicht überall gibt? Und von einer Technik, mit der sich gerade viele alte Menschen nicht auskennen? Kapitulieren Politik und Ärzteschaft davor, dass nicht genügend ärztlicher Nachwuchs aufs Land zu bringen ist?

Neue Türen werden geöffnet

Zunächst: Der Beschluss des Ärztetages war offenbar notwendig, damit Ärzte bei bereits jetzt praktizierten Formen von Telemedizin zum Beispiel durch die elektronische Übermittlung von Patientendaten nicht in Konflikt mit ihrer Berufsordnung geraten. Eine Anpassung an die Realität, die bundesweit und in anderen Bundesländern schon vollzogen ist. Aber: Da werden auch neue Türen geöffnet.

Nur im Einzelfall erlaubt

Dass sich der Ärztetag dessen bewusst war, geht schon aus der sehr vorsichtigen Formulierung hervor. Demnach soll die ausschließliche Fernbehandlung nur „im Einzelfall erlaubt sein, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt wird“ und der Patient zudem entsprechend aufgeklärt wurde. Ob diese Formulierung ausreicht, um zu verhindern, dass internationale Medizinkonzerne künftig auf den lukrativen Markt drängen, wird sich erst zeigen. Vielleicht ist das komplizierte deutsche Gesundheitswesen ja Abschreckung genug.

Andererseits: Die Digitalisierung in der Medizin eröffnet viele neue Geschäftsfelder. Gesundheitsapps boomen, Versicherungen gieren nach wertvollen Daten. Wenn es um Gesundheit geht, tritt Datenschutz leicht in den Hintergrund.

Das Projekt E-Nurse

Telemedizin ist wie Arznei: Eine Überdosis kann schwer schaden. In bestimmten Fällen kann Online-Medizin unterstützen, Betreuung verbessern und Ärzte entlasten – aber den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt keinesfalls ersetzen. Einen möglichen Weg geht das Modellprojekt E-Nurse, das es leider nur in den Nachbarlandkreisen gibt. Es hält die Wertschöpfung aus der Digitalisierung in der Region. Und für Patienten gilt: Besser kommen E-Nurse und Tele-Doktor als gar kein Arzt.

peter.rauscher@nordbayerischer-kurier

 

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