Telefonaktion Mit Organspende Leben schenken

In solchen Boxen werden Spenderorgane transportiert. Die Zahl der Organspender ist in Bayern zuletzt weiter zurückgegangen. Foto: red

BAYREUTH. Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. Viele müssen sterben, weil es kein geeignetes Organ für sie gibt. Dabei ist der Großteil der Deutschen grundsätzlich bereit, zu helfen. Dennoch geht die Zahl der Organspender zurück – in Bayern gab es in den ersten neun Monaten dieses Jahres 98 Organspender, elf weniger als im Vorjahreszeitraum. In einer Kurier-Telefonaktion informierten Elisabeth Höfle und Tanja Rögner vom Info-Telefon der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Anrufer über das Thema Organspende. Hier Einiges zum Nachlesen:

Wie sicher kann ich sein, dass ich auch wirklich tot bin, bevor Organe entnommen werden?

Ganz sicher. Laut Transplantationsgesetz müssen in Deutschland zwei unabhängige Ärzte den Hirntod – also den vollständigen und irreversiblen Ausfall des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstammes – nachweisen und protokollieren. Dafür werden klinische Tests durchgeführt, mit denen man die Hirnstammreflexe, die Durchblutung des Gehirns und die selbstständige Atmung überprüft. Der Hirntod wird also immer zweifelsfrei festgestellt.

Kann ich sicher sein, dass beispielsweise nach einem lebensbedrohlichen Unfall noch alles medizinisch Mögliche getan wird, um mich am Leben zu erhalten?

Ja, das können Sie. Denn jeder Arzt ist immer vorrangig am Überleben und an der Genesung „seines“ Patienten interessiert und nicht am Wohlergehen eines eventuellen Organempfängers. Dazu ist er aufgrund seines hippokratischen Eides verpflichtet.

Es wird ja davon ausgegangen, dass der Spender zum Zeitpunkt der Organentnahme unwiederbringlich tot ist. Wie kann es sein, dass dann die Organe noch funktionieren?

Durch Beatmung und Medikamente werden die Herz- und Kreislauffunktion des Verstorbenen künstlich aufrechterhalten, um die Organe bis zur Entnahme zu versorgen. Diese Maßnahmen sichern, dass die Organe transplantieren sind. Denn der Spender selbst ist unwiederbringlich tot, weil die Funktionen des gesamten Gehirns, also des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms, irreversibel erloschen sind.

Gibt es für die Organspende Geld, damit die Angehörigen wenigstens die Bestattungskosten bezahlen können?

Nein, denn das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass die Spende ausschließlich auf einer freien, humanitären Entscheidung beruhen soll. Wer spendet, gibt das Geschenk des Lebens freiwillig weiter.

Komme ich als Organspender in infrage, wenn ich Darmkrebs hatte? Seit sechs Jahren gelte ich als geheilt. Sollte ich diese Vorerkrankung irgendwo anmerken?

Beide Fragen können mit ja beantwortet werden. Man kann trotz Vorerkrankung Spender sein. Fünf Jahre nach einer Krebserkrankung wäre zum Beispiel eine Spende wieder möglich. Und es ist sinnvoll, schwere Erkrankungen auf dem Ausweis zu vermerken. Vor allem, wann sie auftraten. Nur wer eine akute Krebserkrankung oder eine HIV-Infektion hat, kann keine Organe spenden.

Wird jeder registriert, der sich zur Spende bereit erklärt? Muss mein Hausarzt zustimmen?

Zweimal nein. Wenn Sie sich zur Spende entschließen, werden Sie nicht registriert. Und Ihr Hausarzt hat mit Ihrer ganz persönlichen Entscheidung für eine Organspende nichts zu tun.

Ich kenne Menschen, die Organspende aus religiösen Gründen grundsätzlich ablehnen. Ist denn die Kirche dagegen?

Weder die katholische, noch evangelische Kirche, noch der Zentralrat der Muslime lehnen Spenden ab. Im Gegenteil, sie befürworten die Organspende als Akt der Nächstenliebe gegenüber Kranken und Behinderten.

Erspart man den Angehörigen im Fall eines Hirntodes die Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme, wenn man einen Organspendeausweis hat?

Ja. Die Angehörigen müssen – wenn man sich auf dem Organspendeausweis mit ja für eine Spende festgelegt hat – nicht um eine Entscheidung gebeten werden. Denn dann hat in jedem Fall der Wille des Verstorbenen Vorrang. Ist das Einverständnis dokumentiert, so ist eine Organentnahme rechtlich zulässig. Es ist aber gut, wenn man den Angehörigen seines Entscheidung mitgeteilt hat. Die werden im Falle einer Entnahme ihrerseits darüber informiert.

Kommt man als älterer Mensch noch als Organspender infrage? Oder kann ich mir den Organspendeausweis mit meinen fast 70 Jahren sparen?

Der älteste Organspender war 98 Jahre alt. er spendete seine Nieren und Leber, die erfolgreich transplantiert worden sind. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann immer erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden. Ein hohes Alter ist auf jeden Fall kein Hinderungsgrund.

Ich hätte ein Problem damit, dass ein fremder Mensch mein Herz erhält. Kann man das ausschließen, wenn ich Organspender bin? Welche Organe können für eine Transplantation überhaupt genutzt werden?

Wenn Sie Ihr Herz nicht spenden möchten, vermerken Sie das einfach auf Ihrem Organspendeausweis. Nach dem Hirntod können folgende Organe und Gewebe entnommen und übertragen werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Es ist bei uns üblich, dass Verstorbene zum Abschiednehmen aufgebahrt werden. Geht das nach einer Organentnahme überhaupt noch?

Ja. Der Leichnam wird durch eine Organ- und Gewebespende nicht entstellt, einer Aufbahrung steht somit nichts entgegen. Das Transplantationszentrum geht zu jedem Zeitpunkt respektvoll mit dem Körper des Toten um. Die Entnahme findet in einem normalen Operationssaal statt, und die Ärzte verschließen die operativen Einschnitte nach der Entnahme wieder, um den Körper zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben.

Info: Infotelefon Organspende unter 08 00/90 40 400. Spenderausweise gibt es in der Regel beim Arzt und Apotheker.

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